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Mehr als 1.000 Corona-Fälle bei Tönnies - Krisenstab sauer | BR24

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Mehr als 1.000 Corona-Infektionen bei Mitarbeitern beim Großschlachter Tönnies, 7.000 Menschen sind in Quarantäne. Ministerpäsident Laschet schließt einen Lockdown im Kreis Gütersloh nicht aus.

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Mehr als 1.000 Corona-Fälle bei Tönnies - Krisenstab sauer

Der Corona-Ausbruch bei der Fleischfabrik Tönnies im ostwestfälischen Kreis Gütersloh nimmt immer größere Ausmaße an. Mehr als 1.000 Mitarbeiter wurden bereits positiv getestet. Beim Krisenstab heißt es, das Vertrauen in die Firma sei "gleich Null".

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Der Corona-Hotspot beim Fleischlieferanten Tönnies in Rheda-Wiedenbück bei Gütersloh wird immer größer, ebenso die Kritik der Behörden am Unternehmen. Seit Freitagabend stehen alle 7.000 Mitarbeiter unter Quarantäne, und zwar nicht mehr nur die Menschen, die in der Schlachterei arbeiten, sondern auch die in der Verwaltung und der Führungsetage. Arbeiten dürfen die Betroffen noch so lange, bis alle bereits geschlachteten Tiere verarbeitet sind.

Mehr als 1.000 Menschen positiv getestet

Insgesamt wurden bereits mehr als 1.000 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet. Wie der Landrat des Kreises Gütersloh, Sven Georg Adenauer (CDU), am Samstag mitteilte, sind es genau 1.029. Adenauer betonte: "Wir haben keinen signifikanten Eintrag von Corona-Fällen in die allgemeine Bevölkerung."

Bei den noch anstehenden Tests hilft auch die Bundeswehr. Am Morgen wurden weitere Soldaten hinzu geholt. 20 davon helfen bei der Dokumentation und 20 weitere bei der Kontaktpersonennachverfolgung, so Bundeswehrsprecher Uwe Kort. Die Kräfte seien mit zehn Fahrzeugen der Bundeswehr unterwegs und würden gemeinsam mit medizinischem Personal und Mitarbeitern des Kreises Gütersloh Unterkünfte abfahren und dort Menschen testen. Laut Kort sprechen die Soldaten osteuropäische Sprachen, um sich mit den Arbeitern verständigen zu können. Bereits gestern waren insgesamt 25 Soldaten in Rheda-Wiedenbrück eingetroffen.

Lockdown droht

Der Kreis Gütersloh und die Nachbarkreise Warendorf, Soest, Paderborn sowie die Stadt Bielefeld sind in höchster Alarmbereitschaft. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sprach von einer ernsten Situation und nannte das Pandemie-Risiko massiv. Er schloss einen flächendeckenden Lockdown in der Region nicht aus.

Das NRW-Landeskabinett will sich am Sonntag in einer Sondersitzung mit dem Corona-Ausbruch bei Tönnies beschäftigen. Dort werde die Landesregierung die Lage erneut bewerten, so Laschet. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hätten zugesagt, so viel Personal bereitzustellen, wie erforderlich ist. "Es wird alles getan, was nötig ist - auch mit Unterstützung des Bundes", so Laschet.

Laschet: Hygieneregeln unbedingt einhalten

Der Ministerpräsident appellierte an die Menschen vor allem in der Region Gütersloh, Hygieneregeln ganz streng einzuhalten. "Jeder einzelne ist jetzt gefordert, auch der nicht in der Fleischindustrie beschäftigt ist", sagte Laschet. Jeder solle sich unter anderem an die Maskenpflicht halten und Abstand zu anderen Menschen wahren.

Kritik an Tönnies wächst - Vertrauen "gleich Null"

Die Kritik und der Druck auf Tönnies-Chef und Schalke-Boss Clemens Tönnies wird unterdessen größer. Immer mehr Menschen gehen auf die Straße, um gegen ihn und die Art, wie er seinen Betrieb führt, zu demonstrieren. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach fordert gar, die Fleischfabrik sofort zu schließen. Er halte es für "nicht vertretbar", dass überhaupt noch in dem Werk gearbeitet werde, so Lauterbach im WDR.

Das Verhältnis zwischen dem Kreis Gütersloh und der Firma ist offenkundig zerrüttet. "Das Vertrauen, das wir in die Firma Tönnies setzen, ist gleich Null. Das muss ich so deutlich sagen", sagte der Leiter des Krisenstabes, Thomas Kuhlbusch, am Samstag. Der Fachbereichsleiter Gesundheit beim Kreis berichtete, dass Tönnies bis Freitag Listen der Beschäftigten geliefert habe, in denen bei 30 Prozent die Adressen gefehlt hätten. Bei Anfragen habe die Firma immer zögerlich reagiert.

Konzernchef Clemens Tönnies lehnt Rücktritt ab

Konzernchef Clemens Tönnies lehnte einen Rücktritt ab. "Ich werde dieses Unternehmen aus der Krise führen", betonte er. "Ich mache mich nicht aus dem Staub." Er übernehme die Verantwortung und stehe für den Ausbruch gerade.

Kritik, sein Konzern habe Daten von Mitarbeitern nur zögerlich weitergegeben, wies er zurück. "Wir haben datenschutzrechtliche Probleme", sagte Tönnies. Laut Werkvertragsrecht dürfe das Unternehmen die Adressen der betreffenden Arbeiter nicht speichern.

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In einem Pressestatement entschuldigt sich Unternehmer Clemens Tönnies für den Corona-Ausbruch in seiner Firma und betont aber auch, dass er sich nicht zurückziehen möchte.

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