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Corona-Ausbruch bei Tönnies: Bund setzt auf Eindämmung vor Ort | BR24

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Die Bundesregierung setzt auf umfassende Maßnahmen, um die Ausbreitung von Corona-Infektionen rund um den Schlachtbetrieb Tönnies in Nordrhein-Westfalen einzugrenzen. Arbeitsminister Heil rief die Firma dazu auf, Verantwortung zu übernehmen.

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Corona-Ausbruch bei Tönnies: Bund setzt auf Eindämmung vor Ort

Die Bundesregierung ist wegen des Infektionsgeschehens beim Fleischverarbeiter Tönnies besorgt. Es müsse alles getan werden, um den Corona-Ausbruch im Kreis Gütersloh einzudämmen. Dabei helfen sollen Bundeswehr und RKI.

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  • tagesschau.de

Die Lage im Kreis Gütersloh ist nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies in den Augen der Bundesregierung sehr ernst. Regierungssprecher Steffen Seibert sprach von einem "massiven Ausbruch". Für die Region bestehe ein hohes Infektionsrisiko. Es sei nun alles zu tun, um diesen Ausbruch einzudämmen.

Die Bundesregierung setzt dabei auf umfassende Maßnahmen vor Ort. Über die konkreten Maßnahmen zur Eindämmung entscheide aber das Land Nordrhein-Westfalen. Die Bundesregierung verwies auf örtlich bereits verhängte Schließungen von Schulen und Kitas und Anordnungen von Quarantäne in den umliegenden Kreisen.

RKI schickt Epidemiologen

Das Robert Koch-Institut (RKI) schickte drei Epidemiologen nach Gütersloh, wie eine Sprecherin des Instituts der Nachrichtenagentur dpa bestätigte. Zur genauen Aufgabe der Wissenschaftler, ob sie beispielsweise im Tönnies-Werk in Rheda-Wiedenbrück oder im Krisenstab des Kreises aktiv werden, wollte sich die Sprecherin nicht äußern.

Außerdem würden 15 sogenannte Containmentscouts das Kreisgesundheitsamt bei der Nachverfolgung von Infektionen unterstützen. Diese Aufgabe übernehmen aber keine Wissenschaftler, sondern Hilfskräfte. Laut Verteidigungsministerium unterstützen momentan auch 39 Mitarbeiter der Bundeswehr die Corona-Reihentests, unter anderem mit eigenen Testteams.

Lauterbach warnt vor Reisen

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet schließt einen Lockdown für den ganzen Kreis weiterhin nicht aus. Notwendig sei das aber derzeit nicht, weil der Ausbruchsherd lokal eingrenzbar sei, so der CDU-Politiker.

Ganz anders sieht das SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Er kritisierte Laschets Haltung scharf und warnte vor einem freien Reiseverkehr aus der Region Gütersloh. "Ich bin sicher, dass deutlich mehr Menschen außerhalb der Mitarbeiterschaft inzwischen infiziert sind", sagte Lauterbach der "Rheinischen Post". Das Virus könnte sich so potenziell sehr weit verteilen, so der studierte Epidemiologe.

"Tönnies muss für Schäden haften"

Für die Schäden, die durch den Coronavirus-Ausbruch im nordrhein-westfälischen Kreis Gütersloh entstanden sind, werde der Konzern Tönnies haften müssen, sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil. "Es sollte überprüft werden, inwieweit das Unternehmen eine zivilrechtliche Verantwortung trägt", sagte der SPD-Politiker im ARD-Morgenmagazin. Er erwarte, dass die Firma für Schäden einsteht. Immerhin seien den Bewohnern in der Region erhebliche Kosten infolge des Ausbruchs entstanden.

Der Minister kündigte zudem scharfe Maßnahmen an, um die Missstände in der Fleischindustrie zu beseitigen. "Wir machen jetzt Schwerpunktrazzien der Arbeitsschutzbehörden des Zolls. Wir müssen auch dafür sorgen, dass sich im Grunde genommen im System etwas ändert." Mit den vielen Subunternehmen und der Ausbeutung von Menschen müsse Schluss sein.

1.331 positive Tests im Werk

Konzernchef Tönnies hatte sich am Samstag öffentlich für den Ausbruch des Erregers unter Mitarbeitern des Schlachtereibetriebs im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück entschuldigt. Sein Konzern stehe in "voller Verantwortung", sagte er.

Nach Angaben des Kreises Gütersloh, in dem Rheda-Wiedenbrück liegt, wurden die Reihentests auf dem Tönnies-Gelände am Samstag abgeschlossen. Demnach lagen zunächst 5899 Befunde vor. Davon waren 1331 positiv, also mehr als ein Fünftel. Die komplette Tönnies-Belegschaft steht derzeit unter Quarantäne.

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