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Corona-Ausbreitung: Ermittlungen gegen Gastwirt aus Ischgl | BR24

© dpa/Jakob Gruber

Die bunte Apres-Ski-Treiben in Ischgl könnte die Verbreitung des Coronavirus in Europa befördert haben.

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    Corona-Ausbreitung: Ermittlungen gegen Gastwirt aus Ischgl

    Der österreichische Skiort Ischgl gilt als ein Epizentrum der internationalen Verbreitung des Coronavirus. Gleich mehrere Fehler werden der Politik vor Ort jetzt zu Last gelegt. Aktuell wird auch gegen einen Gastronomiebetrieb vor Ort ermittelt.

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    Ischgl ist für viele Österreicher, aber auch internationale Touristen, ein Synonym für Wintersport und Après-Ski-Partys. In diesem Jahr könnte der Trubel im Skiort allerdings die Verbreitung des Coronavirus in Europa merklich befeuert haben.

    Konkret hat die Staatsanwaltschaft in Innsbruck jetzt Ermittlungen gegen einen Gastronomiebetrieb in Ischgl aufgenommen. Der Verdacht: Das Unternehmen soll die Coronavirus-Infektion einer Mitarbeiterin nicht an die Gesundheitsbehörden gemeldet haben. Um welchen Betrieb es sich handelt, wurde nicht bekannt gegeben.

    Ischgl als Corona-Drehscheibe

    Ischgl gilt als ein Hotspot der Corona-Verbreitung, seitdem Anfang März 15 Isländer mit Corona-Infektionen aus dem Skiurlaub von dort in ihre Heimat zurückgekehrt waren. Der Wintersportort ist bei internationalen, vor allem skandinavischen Gästen, überaus beliebt.

    Den Behörden in Tirol wird vorgeworfen, die Verbreitung des Virus nicht effektiv unterbunden zu haben. Vor allem sei zu langsam gehandelt worden. So wurde – nach den Infektionsmeldungen aus Island - das Virus bereits am 7. März bei einem deutschen Barkeeper in Ischgl nachgewiesen. Der Ski- und Partybetrieb wurde jedoch erst einige Tage später gestoppt. Als das Tiroler Skigebiet am 13. März außerdem unter Quarantäne gestellt wurde, reisten viele Touristen unter chaotischen Zuständen ab und checkten zum Teil einfach in anderen Tiroler Hotels ein.

    Auch das ermöglichte vermutlich eine weitere unkontrollierte Verbreitung des Virus innerhalb des Urlaubsgebietes. Fakt ist in jedem Fall: Viele Corona-Infizierte in skandinavischen Ländern wie Norwegen, Schweden und Dänemark, aber auch in Deutschland waren in den vergangenen Wochen Menschen, die zuvor aus einem Winterurlaub in Österreich zurückgekehrt waren.

    Tirol will aufklären

    Die Tiroler Gesundheitsbehörden wiesen die Vorwürfe zunächst von sich. Schließlich hätten sie nach den Infektionsmeldungen aus Island Anfang März selbst dafür gesorgt, dass der infizierte Barkeeper ermittelt und die betroffene Bar wenige Tage später geschlossen wurde. Zudem hätten sie durch das vorzeitige Beenden der Skisaison am 13. März verhindert, dass neue Urlaubsgäste nach Ischgl und ähnliche Skiorte in Tirol kommen konnten.

    Mittlerweile kündigte die Tiroler Landesregierung aus ÖVP und Grünen jedoch an, dass eine unabhängige Expertenkommission im Tiroler Landtag, die Vorwürfe und Fragen gegenüber der Politik in der Coronakrise in Ischgl klären werde. Der Tiroler Regierungschef Günther Platter betonte zuletzt, dass man das Menschenmögliche getan habe, sagte aber auch: "Wir haben mit einem Phänomen zu tun, wo wir nicht wissen, wie sich das Gesamte alles auswirkt. Nicht nur wir in Tirol, sondern weltweit. Wir werden jeden Tag dazu lernen."

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