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Corona-Ansteckungswelle im Großraumbüro | BR24

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Wie breitet sich COVID-19 in einem Gebäude aus, in dem täglich mehr als tausend Menschen ein- und ausgehen? Eine Untersuchung aus Südkorea zeigt, wie ein eng besetztes Großraumbüro für die Mitarbeiter zur Falle wurde.

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Corona-Ansteckungswelle im Großraumbüro

Wie breitet sich COVID-19 in einem Gebäude aus, in dem täglich mehr als tausend Menschen ein- und ausgehen? Eine Untersuchung aus Südkorea zeigt, wie ein eng besetztes Großraumbüro für die Mitarbeiter zur Falle wurde.

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Am 8. März erfuhr Südkoreas nationale Gesundheitsbehörde, dass ein Mitarbeiter eines großen Callcenters an COVID-19 erkrankt war. Sein Arbeitsplatz lag im 10. Stock eines 19-stöckigen Gebäudes in einem belebten Stadtviertel von Seoul. Die Behörden reagierten prompt.

Am 9. März schlossen sie das ganze Gebäude und ermittelten alle Personen, die dort wohnten, arbeiteten oder kürzlich zu Besuch gewesen waren. Von 1.145 ermittelten Personen wurden 1.143 auf das Virus getestet. Wer es in sich trug, wurde isoliert. Wer ein negatives Test-Ergebnis hatte, wurde in 14-tägige häusliche Quarantäne geschickt, weiter beobachtet und wiederholt getestet.

16.628 Textnachrichten gingen an Personen, die sich länger als fünf Minuten in der Nähe des Gebäudes aufgehalten hatten. (Sie waren über ihre Handydaten ermittelt worden.) Sie wurden aufgefordert, Kontakte zu vermeiden und sich umgehend testen zu lassen.

Wie hat sich das Virus im Gebäude ausgebreitet?

Von den 1.143 getesteten Personen waren 97 SARS-CoV-2-positiv. Das entspricht 8,5 Prozent der Menschen, die sich in dem Gebäude aufgehalten hatten. Wie verteilten sich diese Infizierten auf das 19-stöckige Gebäude? Wo lebten oder arbeiteten sie? Hier wird der Bericht besonders aussagekräftig.

Fast alle Infizierten (94 von 97) waren Mitarbeiter des Callcenters, in dem auch der erste gemeldete Infizierte tätig war. Der südkoreanische Bericht ist nicht ganz konsistent, was die Zahlen der Infizierten und ihre Verteilung auf Arbeitsplätze in den drei Stockwerken angeht. Klar wird aus der Untersuchung aber: Die ganz große Mehrheit der Infizierten arbeitete in einem Großraumbüro im 11. Stock des Wolkenkratzers. In diesem Raum, wo laut einer Skizze 137 Menschen eng beieinander saßen, infizierten sich deutlich mehr als die Hälfte der Mitarbeiter mit dem Virus.

Überfüllte Büroräume können gefährlich sein

Ob diese Masseninfektion durch den ersten gemeldeten Fall, den Mitarbeiter aus dem 10. Stock, ausgelöst wurde oder durch einen Kollegen aus dem 11. Stock, der früher als die anderen Symptome zeigte, ist nicht geklärt. Möglich erscheint, dass sich der erste Infizierte des 11. Stocks im Aufzug oder in der Lobby von dem Infizierten des 10. Stocks angesteckt hat. Dieser hatte drei Tage vor ihm erste Symptome entwickelt.

Die südkoreanischen Forscher, die den Bericht verfasst haben, folgern, "dass SARS-CoV-2 in überfüllten Büroräumen wie einem Call-Center außergewöhnlich ansteckend sein kann."

"Das Ausmaß zeigt, wie eine verdichtete Arbeitsplatzumgebung zu einer Hochrisikostätte für die Verbreitung von COVID-19 werden kann." Korea Centers for Disease Control and Prevention

In den Familien der Infizierten und in den übrigen Bereichen des Gebäudes, wo die Menschen nicht so eng aufeinander saßen, war die Ansteckungsrate vergleichsweise gering.

Quelle: https://wwwnc.cdc.gov/eid/article/26/8/20-1274_article

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