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Computerspielsucht: 465.000 Jugendliche sind Risiko-Gamer | BR24

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Kinder und Jugendliche, die exzessiv am Computer spielen, haben häufig Probleme in der Schule und geben viel Geld für Spiele aus. Das geht aus einer Studie des Deutschen Zentrums für Suchtfragen und der Krankenkasse DAK-Gesundheit hervor.

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Computerspielsucht: 465.000 Jugendliche sind Risiko-Gamer

Kinder und Jugendliche, die exzessiv am Computer spielen, haben häufig Probleme in der Schule und geben viel Geld für Spiele aus. Das geht aus einer Studie des Deutschen Zentrums für Suchtfragen und der Krankenkasse DAK-Gesundheit hervor.

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Demnach zeigen rund 465.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland ein auffälliges Spielverhalten. Häufiges Computerspielen könne bis hin zur Sucht reichen, heißt es in der Studie der Krankenkasse DAK und des Deutschen Zentrums für Suchtfragen. "Ein riskantes Gaming-Verhalten kann zu verstärkten Schulproblemen führen", erklärt Studienleiter und Suchtexperte Professor Dr. Rainer Thomasius.

"Elf Prozent der Risiko-Gamer fehlen innerhalb von einem Monat eine Woche oder mehr in der Schule oder Ausbildung. Das ist etwa drei Mal häufiger als bei unauffälligen Spielern." Rainer Thomasius, Studienleiter

Risiko-Gamer berichten über Sorgen und Ängste

Die betroffenen Jugendlichen haben emotionale oder Verhaltensprobleme. So berichteten etwa 21 Prozent der Risiko-Gamer über Sorgen und Ängste, während es bei den unauffälligen Spielern nur sechs Prozent waren. Deutliche Unterschiede gibt es auch bei der Konzentration, motorischer Unruhe oder aggressivem Verhalten.

Effekt wie beim klassischen Glücksspiel

Der Vorstandschef der DAK-Gesundheit, Andreas Storm, warnt: "Aus Spaß kann schnell Sucht werden. Deshalb muss der Glücksspielcharakter in Computerspielen eingedämmt werden. Wir brauchen wie in Belgien und den Niederlanden ein Verbot von Loot-Boxen oder Glücksrädern." Loot-Boxen sind Überraschungskisten als Belohnung für ein erfolgreiches Spiel. Oder man bezahlt dafür. Nutzer werden so an die suchtgefährdenden Mechanismen des klassischen Glücksspiels herangeführt.

Jugendliche "verzocken Zeit und Geld"

Betroffene im Alter zwischen 12 und 17 Jahren geben auch viel Geld für ihr Hobby aus, fehlen häufig in der Schule und haben emotionale Probleme. Ein Viertel der sogenannten Risiko-Gamer spielt laut der Studie am Wochenende fünf Stunden und mehr am Tag. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen kaufte in den sechs Monaten vor der Befragung Spiele oder kostenpflichtige Extras dafür. Im Durchschnitt lagen die Ausgaben dabei bei 110 Euro innerhalb von sechs Monaten, wobei auch ein Spitzenwert von knapp 1.000 Euro genannt wurde:

"Durch die Tricks der Industrie finden viele Jugendliche kein Ende und verzocken Zeit und Geld." Andreas Storm, DAK-Gesundheit

Forderung nach Warnhinweisen

Deshalb fordert die Krankenkasse ein Verbot von Glücksspiel-Elementen in Computerspielen sowie Warnhinweise für Spielzeiten und Ausgaben. Für die repräsentative Studie wurden 1.000 Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren befragt.

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Autor
  • Tobias Betz
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