BR24 Logo
BR24 Logo
Deutschland & Welt

"Combat 18" - Wer ist diese rechtsextreme Gruppierung? | BR24

© picture-alliance/dpa/ Joel Goodman

"Combat 18"-Mitglied

3
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

"Combat 18" - Wer ist diese rechtsextreme Gruppierung?

Die international agierende, rechtsextreme Terrorgruppe "Combat 18" arbeitet konspirativ und bereitet sich auf einen "Rassenkrieg" vor. Zudem gibt es Bezüge zum NSU. Ein Überblick über Entstehung und Entwicklung der Gruppe.

3
Per Mail sharen
Teilen

Die Gruppierung "Combat 18" (C18) wurde Anfang der 1990er Jahre in England gegründet. Übersetzt heißt "Combat 18" Kampftruppe Adolf Hitler: Die Zahl 18 steht für den ersten und den achten Buchstaben im Alphabet, also AH. In der neonazistischen Szene wird der Zahlencode als Synonym für Adolf Hitler verwendet. "Combat 18" ist dabei nicht unabhängig von der in den 1980er Jahren gegründeten Gruppierung "Blood and Honour" (BH) zu sehen. Auf die Initiativen von Ian Stuart, dem verstorbenen Leadsänger der Neonazi-Kultband "Skrewdriver", gründete sich in England das rechtsextreme Musiknetzwerk mit dem Ziel, Jugendliche via Musik zu indoktrinieren und zu rekrutieren.

"Bewaffneter Arm" von Blood and Honour

In der BH-Borschüre "The way forward" wird "Combat 18" explizit als "bewaffneter Arm von Blood and Honour" benannt. Propagiert wird ein "führerloser Widerstand". Eigenständige C18-Zellen sollen demnach mit Bombenanschlägen und Exekutionen einen Rassenkrieg auslösen.

International werden "Combat 18"-Mitglieder für Bombenanschläge, Morde und Mordversuche verantwortlich gemacht. In Griechenland läuft derzeit ein Ermittlungsverfahren gegen eine C18-Zelle, deren Mitgliedern unter anderem der Besitz von Sprengstoff vorgeworfen wird. Zudem sollen sie mehrere Anschläge begangen haben. Kanada setzte die Gruppen "Combat 18" und "Blood and Honour" vor wenigen Tagen auf die Terrorliste. In Deutschland ist "Combat 18" weiterhin legal, lediglich "Blood and Honour" wurde 2000 verboten.

"Trotz Verbot nicht tot"

Nach dem Verbot von "Blood and Honour" in Deutschland zeigte sich die Szene selbstbewusst, Sprüche wie "Trotz Verbot nicht tot" waren auf rechten Veranstaltungen allgegenwärtig. Dennoch gingen die offenen Aktivitäten von "Blood and Honour" und "Combat 18" nach 2000 in Deutschland zurück. Auf Konzerten im Ausland trugen Aktivisten aber weiter die verbotenen Symbole. Bei einem Konzert zum "Führergeburtstag" am vergangenen 20. April in Norditalien trugen auch bayerische Neonazis T-Shirts mit der Aufschrift "Blood and Honour Deutschland", andere wiederum Merchandise mit "Combat 18"-Bezügen.

"Combat 18" seit 2013 wieder aktiv

Wie aus einer 2017 gestellten Anfrage der Linken im Bundestag hervorgeht, gibt es seit mindestens 2013 wieder "Combat 18"-Strukturen in Deutschland. Deren Mitglieder sollen demnach in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Bayern aktiv sein. Eine genaue Mitgliederanzahl ist der Bundesregierung aber nicht bekannt.

Laut Recherchen des antifaschistischen Rechercheverbundes "exif" soll es sich um rund 50 Personen handeln. In einem aktuellen Regelwerk heißt es: "Alle Gruppeninternas dürfen niemals mit Nichtmitgliedern besprochen werden. Absolute Verschwiegenheit", was die Konspirativität der Gruppe erneut unterstreicht. In einer Ende Juni veröffentlichten Videobotschaft zum Mordfall Lübcke und möglichen Verbindungen des Tatverdächtigen zu "Combat 18" äußert sich ein C18-Mitglied folgend: "Deutschland ist an einem Punkt angelangt, an dem jeder Bürger in einer Zwangssituation ist, sich und seine Familie selbst schützen zu müssen".

In dem Video wird auch ein NDR-Journalist namentlich benannt. Dieser wurde wenige Tage zuvor von einem führenden thüringischen Neonazi auf einer Veranstaltung im sächsischen Ostritz mit den Worten: "Der Revolver ist schon geladen" bedroht.

Munitionsschmuggel an der oberfränkischen Grenze

Im September 2017 griff die GSG9 - eine Spezialeinheit der Bundespolizei - zwölf deutsche Rechtsextremisten an der deutsch-tschechischen Grenze bei Schirnding auf. Die Gruppe soll von einem zweitägigen Schießtraining von einem, bei deutschen Neonazis beliebten, Waffenstand im tschechischen Cheb (deutsch: Eger) zurückgekehrt sein.

Bei der Polizeikontrolle wurde Munition gefunden, ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz wurde eingeleitet. Bei den Personen handelte es sich laut Sicherheitsbehörden um C18-Mitglieder. Das Amtsgericht Hof verurteilte zwei Angeklagte daraufhin wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz. Die beiden aus Hessen stammenden Angeklagten wurden wegen des illegalen Einschmuggelns der Munition zu Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt. Die Munition war für Sturmgewehre und Schrotflinten gedacht. Nachfragen von seiten des Gerichts nach "Combat 18"-Bezügen wurden von den Angeklagten nicht beantwortet.

NSU-Terror erinnert an "Combat 18"-Strategien

Der Name von "Combat 18" fällt auch immer wieder im Zusammenhang mit den Morden und Bombenanschlägen des rechtsterroristischen "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU). Deren Vorgehen erinnert stark an die Idee des bewaffneten Kampfes von C18. So heißt es in einer Terroranleitung der Gruppe, die Kämpfer sollen "Todeslisten" führen, in kleinen Zellen operieren, Nagelbomben gegen Migranten einsetzen und keine Bekennerschreiben hinterlassen.

All diese Komponenten weist auch der NSU auf: Diese führten Listen möglicher Anschlagsziele, auf der sich auch der Name des nun ermordeten CDU-Politikers Walter Lübcke findet, verübten einen Nagelbombenanschlag in der Kölner Keupstraße und bekannten sich erst nach der Selbstenttarnung zu den Morden. Auch das NSU-Kerntrio Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt wurde von den Behörden zum harten Kern von "Blood and Honour" gezählt. In Dortmund existierte bis ins Jahr 2006 eine "Combat 18"-Zelle, die sich kurz vor dem NSU-Mord an Mehmet Kubasik wieder aufgelöst haben soll.

"Combat 18" in Nürnberg

Auch in Nürnberg soll es um die Jahrtausendwende eine konspirativ agierende C18-Struktur gegeben haben. Darauf weisen Zeugenaussagen beim Bundeskriminalamt hin, die dem Bayerischen Rundfunk vorliegen. Demnach soll die Gruppe aus rund zwanzig Personen bestanden haben. Ein damals aktiver Neonazi, der C18 zugerechnet wurde, kaufte laut eigener Aussage auch Blumen bei Enver Simsek, der wenige Wochen später vom NSU ermordet wurde. Auf BR-Nachfrage bestritt der Neonazi jegliche Verbindungen zu C18. In der Nürnberger Innenstadt wurde erst Anfang Juni ein Neonazi fotografiert, der offen mit einem T-Shirt "Blood and Honour – Combat 18" herumlief.

Weitere Strukturen aktiv

In Deutschland agieren neben "Combat 18" noch weitere Strukturen der rechtsextremen Szene, die ähnlich militant ausgerichtet sind. Beispielsweise die Gruppe "Hammerskins". Die Organisation entstand Mitte der 1980er Jahre im US-amerikanischen Dallas und hat sich in Folge innerhalb der USA zu einer der militantesten Neonazigruppen entwickelt.

Auch die "Hammerskins" berufen sich auf das Konzept des "führerlosen Widerstandes". Sie sehen sich als elitäre Kaderorganisation, deren Ausrichtung und Organisation an kriminelle Rockerclubs erinnert. So müssen Anwerber erst eine Probezeit absolvieren, bevor sie als vollwertiges Mitglied in die "Bruderschaft" aufgenommen werden. Auch in Bayern gibt es einen derzeit aktiven "Hammerskin"-Chapter. Mehrere Aktivisten der Gruppe traten als Führungskader der 2012 verbotenen Kameradschaft "Freies Netz Süd" auf und sind heute bei der rechtsextremen Kleinpartei "Der dritte Weg" aktiv.

© BR

Politik diskutiert Verbot rechtsextremer "Combat 18"-Gruppierung