BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

"Combat 18" - Wer ist die verbotene Gruppierung? | BR24

© BR

Nach dem Verbot der rechtsextremen Gruppierung "Combat 18" sind in sechs Bundesländern Wohnungen durchsucht worden.

7
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

"Combat 18" - Wer ist die verbotene Gruppierung?

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat die rechtsextreme internationale Gruppe "Combat 18" in Deutschland verboten. Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) warnt vor der "hochgefährlichen", "schwer zu erfassenden" Vereinigung.

7
Per Mail sharen

Mit einem Verbot flankiert von Polizei-Razzien in sechs Bundesländern hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) der rechtsextremen Gruppierung "Combat 18" den Kampf angesagt. Die Forderungen danach sind schon seit der Ermordung des Kassler Regierungspräsidenten Walter Lübcke im Frühjahr 2019 immer lauter geworden. Lübckes mutmaßlicher Mörder soll Kontakte zu "Combat 18" gehabt haben. Auch im Zusammenhang mit der NSU-Mordserie wurde bereits über ein Verbot diskutiert.

Nun hat das Bundesinnenministerium den deutschen Ableger der Gruppierung, "Combat 18 Deutschland", als "neonazistische, rassistische und fremdenfeindliche Vereinigung" eingestuft, "die in ihrer Zweckrichtung eine Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus aufweist". Allerdings lägen dem Ministerium keine Hinweise vor, wonach es sich bei "Combat 18 Deutschland" um den bewaffneten Arm der Vereinigung "Blood and Honour" handele, die bereits im Jahr 2000 verboten wurde.

"Combat 18" steht für "Kampftruppe Adolf Hitler"

Was für eine Gruppierung also ist "Combat 18“? Ihre Ursprünge liegen in Großbritannien, wo "Combat 18" (C18) Anfang der 1990er Jahre gegründet wurde. Übersetzt heißt "Combat 18" Kampftruppe Adolf Hitler: Die Zahl 18 steht für den ersten und den achten Buchstaben im Alphabet, also AH. In der neonazistischen Szene wird der Zahlencode als Synonym für Adolf Hitler verwendet.

"Combat 18" ist dabei nicht unabhängig von der in den 1980er Jahren gegründeten Gruppierung "Blood and Honour" (BH) zu sehen. In einer Broschüre des rechtsextremen Musiknetzwerks wird "Combat 18" explizit als "bewaffneter Arm von Blood and Honour" genannt, obgleich das Bundesinnenministerium dafür keine Hinweise gefunden hat. Eigenständige C18-Zellen sollen laut der Broschüre mit Bombenanschlägen und Exekutionen einen Rassenkrieg auslösen.

International werden "Combat 18"-Mitglieder für Bombenanschläge, Morde und Mordversuche verantwortlich gemacht. In Griechenland kam es zu einem Ermittlungsverfahren gegen eine C18-Zelle, deren Mitgliedern unter anderem der Besitz von Sprengstoff vorgeworfen wurde. Zudem sollen sie mehrere Anschläge begangen haben. Kanada setzte die Gruppen "Combat 18" und "Blood and Honour" Mitte 2019 auf die Terrorliste.

"Blood and Honour": "Trotz Verbot nicht tot"

Nachdem "Blood and Honour" in Deutschland bereits im Jahr 2000 verboten wurde, zeigte sich die Szene selbstbewusst. Sprüche wie "Trotz Verbot nicht tot" waren auf rechten Veranstaltungen allgegenwärtig. Dennoch gingen die offenen Aktivitäten von "Blood and Honour" und "Combat 18" nach 2000 in Deutschland zurück. Auf Konzerten im Ausland trugen Aktivisten aber weiter die verbotenen Symbole. Bei einem Konzert zum "Führergeburtstag" am 20. April 2019 in Norditalien trugen auch bayerische Neonazis T-Shirts mit der Aufschrift "Blood and Honour Deutschland", andere wiederum Merchandise mit "Combat 18"-Bezügen.

"Combat 18" seit 2013 wieder aktiv

Wie aus einer 2017 gestellten Anfrage der Linken im Bundestag hervorgeht, gibt es mindestens seit 2013 wieder "Combat 18"-Strukturen in Deutschland. Deren Mitglieder sollen demnach in Hessen, Brandenburg, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz aktiv sein. In eben diesen Bundesländern veranlassten die Behörden nun auch Razzien in mehreren Objekten. Laut Polizeiangaben wurde dabei auch Stanley R., der als wichtige Figur in der Szene gilt, an seinem Arbeitsplatz aufgegriffen und zu seiner Wohnung gebracht, die daraufhin durchsucht wurde.

Eine genaue Mitgliederanzahl ist der Bundesregierung aber nicht bekannt. Laut Recherchen des antifaschistischen Rechercheverbundes "exif" soll es sich um rund 50 Personen handeln. In einem Regelwerk von 2019 heißt es: "Alle Gruppeninternas dürfen niemals mit Nichtmitgliedern besprochen werden. Absolute Verschwiegenheit", was die Konspirativität der Gruppe erneut unterstreicht. In einer Videobotschaft zum Mordfall Lübcke und möglichen Verbindungen des Tatverdächtigen zu "Combat 18" äußerte ein C18-Mitglied: "Deutschland ist an einem Punkt angelangt, an dem jeder Bürger in einer Zwangssituation ist, sich und seine Familie selbst schützen zu müssen."

In dem Video wird auch ein NDR-Journalist namentlich benannt. Dieser wurde wenige Tage zuvor von einem führenden thüringischen Neonazi auf einer Veranstaltung im sächsischen Ostritz mit den Worten bedroht: "Der Revolver ist schon geladen".

Munitionsschmuggel an der oberfränkischen Grenze

Im September 2017 griff die GSG 9, eine Spezialeinheit der Bundespolizei, zwölf deutsche Rechtsextremisten an der deutsch-tschechischen Grenze bei Schirnding auf. Die Gruppe soll von einem zweitägigen Schießtraining von einem bei deutschen Neonazis beliebten Waffenstand im tschechischen Cheb (deutsch: Eger) zurückgekehrt sein.

Bei der Polizeikontrolle wurde Munition gefunden, ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz wurde eingeleitet. Bei den Personen handelte es sich laut Sicherheitsbehörden um C18-Mitglieder. Das Amtsgericht Hof verurteilte zwei Angeklagte daraufhin wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz. Die beiden aus Hessen stammenden Angeklagten wurden wegen Schmuggels der Munition zu Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt. Die Munition war für Sturmgewehre und Schrotflinten gedacht. Nachfragen vonseiten des Gerichts nach "Combat 18"-Bezügen wurden von den Angeklagten nicht beantwortet.

NSU-Terror erinnert an "Combat 18"-Strategien

Der Name von "Combat 18" fällt auch immer wieder im Zusammenhang mit den Morden und Bombenanschlägen des rechtsterroristischen Nationalsozialistischen Untergrunds, kurz NSU. Deren Vorgehen erinnert stark an die Idee des bewaffneten Kampfes von C18. So heißt es in einer Terroranleitung der Gruppe, die Kämpfer sollen "Todeslisten" führen, in kleinen Zellen operieren, Nagelbomben gegen Migranten einsetzen und keine Bekennerschreiben hinterlassen.

All das trifft auch auf den NSU zu: Deren Anhänger führen Listen möglicher Anschlagsziele, auf der sich auch der Name des nun ermordeten CDU-Politikers Walter Lübcke findet, verübten einen Nagelbombenanschlag in der Kölner Keupstraße und bekannten sich erst nach der Selbstenttarnung zu den Morden. Das NSU-Trio Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt wurde von den Behörden zum harten Kern von "Blood and Honour" gezählt. In Dortmund existierte bis ins Jahr 2006 eine "Combat 18"-Zelle, die sich kurz vor dem NSU-Mord an Mehmet Kubasik wieder aufgelöst haben soll.

"Combat 18" in Nürnberg

Auch in Nürnberg soll es um die Jahrtausendwende eine konspirativ agierende C18-Struktur gegeben haben. Darauf weisen Zeugenaussagen beim Bundeskriminalamt hin, die dem BR vorliegen. Demnach soll die Gruppe aus rund zwanzig Personen bestanden haben. Ein damals aktiver Neonazi, der C18 zugerechnet wurde, kaufte laut eigener Aussage auch Blumen bei Enver Simsek, der wenige Wochen später vom NSU ermordet wurde. Auf BR-Nachfrage bestritt der Neonazi jegliche Verbindungen zu C18. In der Nürnberger Innenstadt wurde noch im Sommer 2019 ein Neonazi fotografiert, der offen mit einem T-Shirt "Blood and Honour – Combat 18" herumlief.

Vor diesem Hintergrund hat Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) das bundesweite Verbot von "Combat 18" begrüßt. Das sei "ein wichtiger Schritt im Kampf gegen ein rechtsextremistisches Netzwerk". Dieses sei "hochgefährlich", so Herrmanns Einschätzung, "wegen seiner losen Strukturen" allerdings nur schwer zu erfassen. Aktuell fanden in Bayern zwar keine Razzien statt, wie Hermanns Ministerium mitteilte. Unter Federführung des Landeskriminalamtes sei es aber schon im Oktober vergangenen Jahres zu Durchsuchungen gekommen. Anlass gaben Droh-E-Mails mit islamfeindlichen Inhalten, die in Teilen mit "Combat 18" unterzeichnet waren. Die Ermittlungen dazu liefen noch.

Weitere Strukturen aktiv

In Deutschland agieren neben "Combat 18" noch weitere Strukturen der rechtsextremen Szene, die ähnlich militant ausgerichtet sind. Beispielsweise die Gruppe "Hammerskins". Die Organisation entstand Mitte der 1980er Jahre im US-amerikanischen Dallas und hat sich in Folge innerhalb der USA zu einer der militantesten Neonazigruppen entwickelt. Auch in Bayern gibt es einen derzeit aktiven "Hammerskin"-Chapter. Mehrere Aktivisten der Gruppe traten als Führungskader der 2012 verbotenen Kameradschaft "Freies Netz Süd" auf und sind heute bei der rechtsextremen Kleinpartei "Der dritte Weg" aktiv.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

© BR

Politik diskutiert Verbot rechtsextremer "Combat 18"-Gruppierung