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Chrupalla wird Nachfolger von Gauland an der AfD-Spitze | BR24

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Die AfD hat einen neuen Vorstand. Nachdem Alexander Gauland nicht mehr antrat, war die Wahl beim Bundesparteitag in Braunschweig auch eine Richtungsentscheidung. Jörg Meuthen wurde wiedergewählt. Co-Chef wurde Tino Chrupalla, Gaulands Favorit.

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Chrupalla wird Nachfolger von Gauland an der AfD-Spitze

Die AfD hat den sächsischen Bundestagsabgeordneten Tino Chrupalla zum zweiten Parteivorsitzenden neben Jörg Meuthen gewählt. Der 44-Jährige tritt die Nachfolge von Alexander Gauland an, der ihn als Kandidaten vorgeschlagen hatte.

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Der Sachse Tino Chrupalla ist neuer Vorsitzender der AfD. Der Parteitag wählte den 44-Jährigen in Braunschweig in einer Stichwahl gegen den Bundestagsabgeordneten Gottfried Curio mit knapp 55 Prozent zum Nachfolger von Alexander Gauland. Die Entscheidung fiel in der Stichwahl. Die niedersächsische Landesvorsitzende Dana Guth war im ersten Wahlgang ausgeschieden.

Der zweite Vorsitzende Jörg Meuthen war zuvor in seinem Amt bestätigt worden. Der 58-Jährige erhielt 69,2 Prozent der Stimmen. Damit setzte er sich klar gegen die Gegenkandidaten Nicole Höchst und Wolfgang Gedeon durch.

Chrupalla will neues Wählerpotenzial erreichen

Mit Chrupalla vollzieht sich ein Generationswechsel, denn mit Gauland gibt der letzte Mitbegründer der rechtspopulistischen Partei den Vorsitz auf. Er wolle neues Wählerpotential erreichen, sagte der 44-Jährige sächsische Bundestagsabgeordnete, der auf seine ostdeutsche Biografie und seine Handwerker-Ausbildung verwies. "Das größte Wählerpotential sehe ich bei den Menschen, die keine politische Heimat mehr haben, weil die konservativen Parteien sie verraten haben, bei den Menschen, die im Dunkeln aufstehen und zur Arbeit fahren und im Dunkeln wieder nach Hause kommen", rief Chrupalla den Parteimitgliedern zu.

Dana Guth hatte in ihrer Rede für eine Doppelspitze aus Mann und Frau geworben, "so wie Baerbock und Habeck, nur in intelligent". Guth wird dem vergleichsweise moderaten Lager innerhalb der AfD zugerechnet. Gottfried Curio skizzierte seine Vision der AfD als Partei der pragmatischen Problemlöser. "Wir sind es doch, die dem Land die verlorene Mitte zurückgeben", so Curio.

Chrupalla war Gaulands Favorit

Der Malermeister Chrupalla, der als Favorit von Gauland gilt, wird keiner der Strömungen in der Partei zugerechnet. Zum sogenannten Flügel um den Thüringer Landeschef Björn Höcke unterhält er ebenso wie zum gemäßigteren Teil der Partei enge Beziehungen. Der rechtsnationalistische Flügel wird vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall für rechtsextremistische Bestrebungen eingestuft.

Der einflussreiche Gauland rief in seiner Rede vor den Delegierten dazu auf, sich Bündnissen mit der CDU zu öffnen. Mit Blick auf die Ergebnisse bei Landtagswahlen in Ostdeutschland sieht er die Chancen der CDU zu Regierungsbündnissen mit anderen Parteien schwinden. "Wenn Grüne, Rote und Dunkelrote zusammengehen, wird der Tag kommen, an dem eine geschwächte CDU nur noch eine Option hat: uns", sagte Gauland.

Weidel sorgt für Überraschung

Für eine Überraschung sorgte die Wahl des ersten Stellvertreters des Bundesvorstandes: Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel stellte sich zur Wahl und gewann das Votum um den Vize-Posten. Bei der Abstimmung traten keinen Gegenbewerber an.

Die bayerischen Vertreter sehen das neue Führungsduo auf Bundesebene mit gemischten Gefühlen: Der schwäbische Landtagsabgeordnete Gerd Mannes begrüßt die Wiederwahl Meuthens: "Er strahlt Seriosität und Gelassenheit, aber auch Aggressivität in der Sache aus", sagt der Günzburger AfD-Politiker. Nun gelte es, die Partei weiter zu professionalisieren, so Mannes.

Die Vorsitzende der Bayern-AfD, Corinna Miazga, gratulierte dem neuen Bundessprecher Chrupalla, macht aber keinen Hehl daraus, dass eine Wiederwahl Gaulands in ihren Augen besser gewesen wäre: "Es war eine knappe Entscheidung und ich habe Sorge, dass es somit wieder Reibereien geben könnte zwischen den beiden Lagern." Laut Miazga wird man "diesen alten Herren“" (Gauland) noch vermissen.

Protest am Rande des Parteitags

Am Rande des Parteitags in Braunschweig kam es zu friedlichen Protesten. Das "Bündnis gegen rechts", ein Zusammenschluss von mehr als 160 Verbänden, Gewerkschaften und Initiativen, hatte zu einer Großdemonstration mit Kundgebung in der Innenstadt aufgerufen. Mehr als 20.000 Teilnehmer folgten nach Veranstalterangaben dem Ruf.

Die Initiatoren warnten vor einem Rechtsruck in Deutschland und werfen der AfD vor, die Gesellschaft zu spalten, Gleichberechtigung zu bekämpfen und Hass und Hetze zu verbreiten. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort und hat den Zugang zum Veranstaltungsort, der Volkswagenhalle Braunschweig, abgeriegelt.

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Die AfD-Delegierten haben Tino Chrupalla zum Nachfolger des scheidenden Parteivorsitzenden Alexander Gauland gewählt. Das ist nicht nur ein Generationenwechsel. BR-Reporterin Birgit Schmeitzner mit ihren Eindrücken vom AfD-Parteitag in Braunschweig.