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Weihnachten im Lockdown - Gottesdienste auf dem Prüfstand | BR24

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Weihnachten im Lockdown - Gottesdienste auf dem Prüfstand (Symbolbild)

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    Weihnachten im Lockdown - Gottesdienste auf dem Prüfstand

    Erst sollte es eine Ausnahme geben, dann wurde die Ausgangssperre auch auf Christmetten erweitert. Jetzt überlegen erste Politiker, Gottesdienste an Weihnachten ganz zu verbieten. Die Mehrheit der Deutschen findet das gut - selbst gläubige Christen.

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    Von
    • Martin Jarde

    Anders als während der ersten Corona-Welle zu Ostern hatten sich Bund und Länder vergangene Woche trotz der jetzt noch deutlich höheren Infektions- und Todeszahlen gegen ein Verbot von öffentlichen Weihnachtsgottesdiensten während des harten Lockdowns entschieden.

    Es sollte zuerst sogar eine Ausnahme vom Lockdown an Heiligabend und den zwei Weihnachtsfeiertagen geben. Diese wurde allerdings kurze Zeit später wieder gekippt: Die Kirchen und Gläubigen müssen sich nun auch an die Ausgangssperre zwischen 21 Uhr und 5 Uhr halten, betonte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Die Christmetten wurden daher nach kurzem Protest der katholischen Bischöfe in Bayern vorverlegt oder als Livestream ins Internet verlagert. Die Kirchenvorsteher seien aber froh, überhaupt Präsenz-Gottesdienste feiern zu dürfen, wie der Würzburger Bischof Franz Jung betonte.

    Laschet will nochmals über Weihnachtsgottesdienste reden

    Doch auch die aktuelle Regelung der Gottesdienste zu Weihnachten scheint zu wackeln. Angesichts der hohen Corona-Infektionszahlen hat sich der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und Anwärter auf den CDU-Parteivorsitz Armin Laschet skeptisch gezeigt, ob Weihnachtsgottesdienste tatsächlich in der bisher geplanten Form stattfinden können.

    "In den nächsten Tagen werde ich angesichts der aktuellen Lage noch einmal Gespräche mit den Kirchen führen", kündigte der CDU-Politiker im "Tagesspiegel am Sonntag" an. Die evangelische Kirche in Westfalen habe bereits gesagt, dass sie Gottesdienste auch absagen werde, berichtete Laschet.

    "Die Glaubensgemeinschaften nehmen die Lage sehr ernst. Sie wissen auch, dass dies das Fest des Lebens und der Nächstenliebe ist, und dass man sorgsam abwägen muss." NRW-Ministerpräsident Armin Laschet

    Die Corona-Infektionszahlen legten nahe, "dass man noch vorsichtiger sein muss, als wir es vor zwei Wochen dachten", sagte Laschet weiter.

    Mehrheit für Verbot von Gottesdiensten an Weihnachten

    Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident steht mit dieser Forderung nicht alleine da. Jeder zweite Deutsche ist angesichts der hohen Corona-Infektionszahlen für ein Verbot öffentlicher Weihnachtsgottesdienste. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sprachen sich 50 Prozent dafür aus, Präsenz-Gottesdienste zu untersagen, nur 35 Prozent sind für die Gottesdienste. 15 Prozent machten keine Angaben.

    Selbst unter den Gläubigen überwiegt nach den Ergebnissen der YouGov-Umfrage die Ablehnung öffentlicher Gottesdienste. Unter Katholiken und Protestanten sind jeweils 47 Prozent für ein Gottesdienstverbot und nur 38 beziehungsweise 39 Prozent dagegen.

    Nur kleiner Teil der Gläubigen will in Kirche gehen

    Die Bereitschaft, an Weihnachten Gottesdienste zu besuchen, ist nach den YouGov-Ergebnissen eher gering. Nur 6 Prozent der Befragten sagten, dass sie an den Feiertagen in die Kirche gehen wollen. 87 Prozent wollen dagegen auf die Teilnahme an einem Gottesdienst verzichten und 6 Prozent machten keine Angaben. Von den Katholiken wollen etwas mehr Gläubige in die Kirche (9 Prozent) als von den Protestanten (7 Prozent).

    Bamberger Erzbischof: Streit um Christmetten beenden

    Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat dazu aufgerufen, den Streit um Einschränkungen bei den Christmetten einzustellen. Durch die Debatte von Politik, Medien und auch Kirchen in den vergangenen Tagen sei viel unnötige Hektik in den vorweihnachtlichen Tagen erzeugt worden, sagte Schick in seiner Predigt zum vierten Adventssonntag.

    "Jeder solle in der Corona-Krise Weihnachten feiern, wie es ihm möglich sei: in der Kirche beim Gottesdienst, durch die Mitfeier am Fernsehen oder im Livestream oder mit einer Hausandacht", forderte der Erzbischof. Die Feier werde in diesem Jahr für die meisten Menschen anders sein als in der Vergangenheit, so Schick. Alt und Jung, Familien und Alleinstehende müssten ihre Form finden. Es sei bei allem Ungewohnten und Notvollem aber auch die Chance gegeben, "die wahre Weihnacht" mehr zu entdecken.

    Evangelische Berliner Bischof: Ganz schwer, richtigen Weg zu finden

    Der evangelische Berliner Bischof Christian Stäblein sagte im Deutschlandfunk es sei "ganz schwer, in dieser Situation den richtigen Weg zu finden." Es sei eine Frage, "die uns als Kirchen ganz zerrissen macht". Er könne beide Seiten verstehen - sowohl jene, die freiwillig auf Gottesdienste verzichten, als auch jene, die "gerade jetzt mit öffentlichem Gebet für die Menschen und für die Gesellschaft da sein wollen". Beide Positionen seien richtig. Es gehe darum, in evangelischer Freiheit zu entscheiden, was "dem Schutz des Nächsten dienlich" sei.

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