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Christliche Sekte sammelt Daten über tausende Politiker | BR24

© BR / Kontrovers 2020

Eine christliche Sekte sammelte massenhaft Informationen über Politikerinnen und Politiker. Darunter sensible Daten wie private Anschriften oder Telefonnummern. Nach BR-Recherchen sind auch Annegret Kramp-Karrenbauer und Sebastian Kurz betroffen.

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Christliche Sekte sammelt Daten über tausende Politiker

Eine christliche Sekte sammelte massenhaft Informationen über Politikerinnen und Politiker. Darunter sensible Daten wie private Anschriften oder Telefonnummern. Nach BR-Recherchen sind auch Annegret Kramp-Karrenbauer und Sebastian Kurz betroffen.

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Die Schweizer Sekte "Organische Christus Generation" (OCG) hat persönliche Daten von tausenden Politikerinnen und Politikern aus dem gesamten deutschsprachigen Raum gesammelt und gespeichert. Nach Informationen des BR-Politikmagazins Kontrovers sind davon mehr als 8.000 Personen betroffen. In dem Datensatz, der dem BR exklusiv vorliegt, finden sich sensible Daten wie private Wohnadressen, private Handynummern, Religionszugehörigkeit, Nationalität oder sexuelle Orientierung.

Auf Sekten-Liste: Kramp-Karrenbauer, Kurz, bayerische Abgeordnete

Viele Personen sind mit öffentlich zugänglichen Daten erfasst. Besonders sensible Informationen wurden unter anderem von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), dem österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und dem saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans (CDU) gespeichert. Rund 200 aktuelle und ehemalige Mitglieder des Bayerischen Landtags sind in der Liste verzeichnet.

Der gesamte Datensatz besteht aus rund 8.200 Einträgen. Auf der Liste finden sich Vertreter aller Parteien und aller Landesparlamente, des Bundestags, sowie Beamte und Journalisten. Bereits im Januar berichtete der Bayerischen Rundfunk, dass die Anhänger der Sekte "Organischen Christus Generation" (OCG) aufgefordert wurden, Daten über Politiker und Journalisten zu sammeln und herauszufinden, "wer Freund oder Feind" sei.

Das Ausmaß der Sammlung war damals noch nicht bekannt. Auf Kontrovers-Anfrage, weshalb die Sekte eine Liste mit über 8.000 Personen führt, schreibt Sektenführer Sasek, die Datensammlung diene der "Weiterbildung" der OCG-Mitglieder, um herauszufinden, "welcher Art und Gesinnung unsere Volksvertreter sind". Die Daten seien nur für den "internen Gebrauch", wie Sasek schreibt.

Extremismusforscher: "Hohe Gefahr"

Der Soziologe und Extremismusforscher Andreas Zick (Universität Bielefeld) spricht angesichts der erfassten Kategorien wie Religion, Nationalität und sexueller Orientierung von einer "rassistischen Liste", deren Umfang "ungeheuerlich" sei. Solche Listen seien bisher nur aus dschihadistischen oder rechtsextremen Kreisen bekannt. Zick schätzt die Gefahr solcher Listen grundsätzlich als hoch ein.

Wir wissen aus der Vergangenheit, aus der hohen Zahl der Hass-Taten gegen Amts- und Würdenträger: Sie kursierten vorher mit den Privatadressen auf Listen. Insofern ist das eine hohe Gefahr. Andreas Zick, Professor Universität Bielefeld.

Aktuell führt die Generalstaatsanwaltschaft München ein Vorermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Volksverhetzung. Das Bayerische Innenministerium äußerte sich zu den neuen Recherchen und dem bekannt gewordenen Umfang der Datensammlung auf BR-Anfrage nicht konkret.

Sektengründer: Seit Jahren im Kampf gegen "die Elite"

Die OCG-Sekte betreibt seit Jahren die Onlineplattformen "Anti-Zensur-Koalition" und "Klagemauer TV" (auch "kla.tv"), auf denen sich Verschwörungstheorien zu Themen wie dem Mobilfunkstandard 5G, Impfungen und aktuell zu Corona finden lassen. Darüber hinaus sind Bezüge zum Rechtsextremismus bekannt. Europaweit hat die Gemeinschaft laut Sektenbeauftragten mehrere tausend Anhänger.

Der Gründer, Ivo Sasek, betont auf Anfrage des BR, "voller Liebe zu allen Menschen" zu sein. Zugleich sieht er sich seit Jahren in einer Art Krieg gegen eine "dominante Elite", die man stürzen müsse.

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