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FDP-Chef Christian Lindner.

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    Christian Lindner: Hauptsache Aufmerksamkeit

    FDP-Chef Christian Lindner ging früh in die Politik und stieg dort schnell auf - auch weil er weiß, wie man Aufmerksamkeit generiert. Jetzt will er den Sprung auf die ganz große politische Bühne schaffen, vor dem er 2017 noch zurückschreckte.

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    Von
    • Tobias Betz

    Wenige Wochen vor der Bundestagswahl 2017 kursiert ein 20 Jahre alter Fernsehbeitrag der Deutschen Welle in den Social-Media-Kanälen. Zu sehen: ein 18-jähriger Schüler namens Christian Lindner. Damals ist er bereits als Unternehmensberater tätig. Altklug doziert er am Steuer eines Mercedes Benz über sein Unternehmen, sein "Business". Er sagt dabei alberne Sätze wie "Probleme sind nur dornige Chancen". Die Netzgemeinde spottet. Und Lindner? Er lacht mit und trägt selbst zur Verbreitung des Videos bei. Es geht um Aufmerksamkeit. Egal wie.

    "Bambi" Christian Lindner

    Geboren wird Christian Wolfgang Lindner 1979 als Sohn eines Lehrers in Wermelskirchen im Bergischen Land. Als 18-Jähriger tritt Christian Lindner in die FDP ein. Als 21-Jähriger zieht Lindner im Mai 2000 als jüngster Abgeordneter aller Zeiten in den Landtag von Nordrhein-Westfalen ein. Jürgen W. Möllemann (FDP) verpasste ihm damals den Spitznamen "Bambi".

    2009 macht ihn der damalige Bundesvorsitzende Guido Westerwelle zum jüngsten Generalsekretär der FDP – Lindner ist damals 30 Jahre alt. Vier Jahre später ist Christian Lindner Parteivorsitzender. Und er ist das Zentrum der FDP geworden. Parteivorsitzender, Fraktionsvorsitzender im Bundestag, Spitzendkandidat für die Wahl im September – in keiner der im Bundestag vertretenen Parteien ist die Macht derart zentral auf eine einzige Person ausgerichtet wie bei den Liberalen. Mit anderen Worten: Christian Lindner ist die FDP.

    Wechsel in die ungeliebte Landespolitik

    Lindners politische Bühne ist Berlin, daran hat er nie einen Zweifel gelassen. 2009 zieht er erstmals in den Bundestag ein und wäre dort auch gerne geblieben. Aber 2012 scheitert die Minderheitsregierung von Hannelore Kraft (SPD) und den Grünen in NRW. Neuwahlen stehen an.

    Die Angst, aus dem Landtag zu fliegen, ist groß bei den Liberalen. Lindner lässt sich überreden, die ungeliebte Spitzenkandidatur zu übernehmen. Mit sicheren 8,6 Prozent bleibt die FDP im Landtag. Lindner macht keine große Bundespolitik mehr, sondern kleine Landespolitik. Doch dieser Wechsel sichert sein Comeback.

    2013: FDP am Boden

    Die größte Krise der FDP erlebt er von NRW aus. 2013 schmeißen die Wählerinnen und Wähler die FDP aus dem Bundestag. Lindner übernimmt den liberalen Scherbenhaufen von Parteichef Philipp Rösler. Der Landtag in Düsseldorf wird zum Zentrum der FDP. Dort gibt es immerhin noch eine Fraktion.

    Lindner nutzt diese letzte Bühne der FDP geschickt als bundespolitische außerparlamentarische Opposition. Und es klappt: 2017 bringt Lindner die Liberalen zurück in den Bundestag. Um ein Haar wird er sogar direkt Finanzminister. Doch legendär lässt Lindner damals die Sondierungen zur Jamaika-Koalition mit Union und Grünen platzen. Lieber nicht regieren, als schlecht regieren – ein Satz, der bleibt. Aufmerksamkeit ist ihm damals jedenfalls sicher.

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