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In Großbritannien kursiert eine Mutation des Coronavirus. Der Infektiologe Spinner vom Klinikum Rechts der Isar in München erläutert im Interview, dass damit zu rechnen war. Nach heutigem Kenntnisstand gebe es aber keinen Anlass zu besonderer Sorge.

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Drosten: Corona-Mutation dürfte schon in Deutschland sein

Der Virologe Christian Drosten geht davon aus, dass die in Großbritannien entdeckte Virus-Mutation bereits in Deutschland angekommen ist. Eine Beeinträchtigung der Impfung soll es laut Experten durch die neue Corona-Variante allerdings nicht geben.

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  • BR24 Redaktion

Der Leiter des Instituts für Virologie an der Berliner Charité, Christian Drosten, glaubt, dass die in Großbritannien entdeckte neue Variante des Coronavirus bereits in Deutschland angekommen ist. Er sei deshalb aber nicht besorgt, sagte Drosten im Deutschlandfunk. Er wolle die Lage allerdings auch nicht verharmlosen und sei - wie alle anderen auch - in einer "etwas unklaren Informationslage".

Ob die neue Virus-Variante tatsächlich deutlich ansteckender sei, könne noch gar nicht bewertet werden. Dafür müssten Informationen aus Großbritannien in dieser Woche abgewartet werden. Drosten sagt, er erwarte nicht, dass die veränderte Virus-Art Impfungen weniger effektiv mache.

Lauterbach: "...wäre eine Katastrophe"

Deutlich pessimistischer zur Verbreitung der neuen Virus-Variante äußerte sich dagegen Karl Lauterbach. Ein schnelles Vordringen der britischen Corona-Mutation nach Deutschland würde nach den Worten des SPD-Gesundheitsexperten eine "Katastrophe" auslösen. "Wenn es jetzt käme, wo wir mitten in der zweiten Welle sind, wo wir so hohe Fallzahlen haben, wäre das eine Katastrophe. Das ist so ähnlich, als wenn ich ein Feuer habe und gieße noch einmal Benzin nach", sagt er der "Bild".

Die Wahrscheinlichkeit, dass die neue, angeblich deutlich ansteckendere Corona-Mutation über kurz oder lang nach Deutschland kommt, beziffert Lauterbach mit 100 Prozent. Dies sei "ein weiterer Grund, warum wir den harten Lockdown rigoros durchführen müssen", bis die Fallzahlen deutlich unter 50 oder besser unter 25 liegen. Dann könne man "selbst wenn die neue Mutation da ist, jedes neue Cluster sofort entdecken und beenden und kommt wieder vor die Welle".

Virologe Spinner: Virus-Mutation "überrascht mich nicht"

Dass eine Variante des Virus aufkommt, haben Experten erwartet. "Die aktuelle Mutation überrascht mich nicht", erklärte beispielsweise Christoph Spinner, Infektiologe Rechts der Isar, im Interview mit dem BR Fernsehen.

Spinner äußerte sich auch zur erhöhten Ansteckungsgefahr der Mutation und sieht die Lage ähnlich wie Drosten. Es gebe zwar erste epidemiologische Berechnungen, dass diese neuartige Variante deutliche infektiöser als die bisher bekannten sei. "Bewiesen ist das aber tatsächlich nicht", sagte Spinner. Der britische Premierminister, Boris Johnson, hatte zuvor erklärt, dass die Virus-Mutation zu 70 Prozent ansteckender sei als die Ursprungsvariante.

Virus-Mutation: Experten erwarten keine Beeinträchtigung der Impfung

Wie Drosten glauben auch andere Experten, dass die derzeit in Großbritannien zirkulierende neue Virus-Variante sich vermutlich zunächst nicht nachteilig auf die Wirksamkeit der Impfung auswirken wird. "Ich sehe da derzeit keinen Grund für Alarm", sagt Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel. Auch Andreas Bergthaler von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (CeMM) in Wien, hält die derzeitige Entwicklung nicht für "wahnsinnig alarmierend". Dass Mutationen auftauchen, sei nicht ungewöhnlich, derzeit wisse man nicht, ob die beobachteten Veränderungen die Eigenschaften des Erregers überhaupt entscheidend beeinflussen.

Seit einigen Wochen verbreitet sich im Südosten Englands eine Coronavirus-Mutation. Dass sich diese schneller ausbreite, sei grundsätzlich plausibel, sagt Neher allerdings. Wenn sich das bestätige, seien deutlich schärfere Maßnahmen nötig, um die Ausbreitung einzudämmen. Denkbar sei aber auch, dass die derzeitige verstärkte Ausbreitung dieser Variante letztlich Zufall sei und etwa auf ein Superspreading-Event zurückgehe.

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Wegen einer mutierten Form des Coronavirus dürfen seit Mitternacht keine Flugzeuge mehr aus Großbritannien in der Bundesrepublik landen. Die Passagiere, die noch gelandet sind, sitzen jetzt am Flughafen München fest.

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