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Christchurch: Neuseeland trauert um die Terroropfer | BR24

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Die Zahl der Toten nach dem Doppelanschlag auf Moscheen in Christchurch ist auf 50 gestiegen. Die Bluttat wühlt die Menschen im Land noch immer auf.

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Christchurch: Neuseeland trauert um die Terroropfer

Nach den Anschlägen in Neuseeland hat die Polizei den 50. Toten gefunden. Viele Menschen bangen noch, ob sich ihre vermissten Angehörigen unter den Opfern befinden. Während die Polizei weiter ermittelt, werden die Schicksale hinter der Zahl deutlich.

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Bei den Anschlägen auf zwei Moscheen in Neuseeland ist ein Mensch mehr getötet worden, als bislang bekannt. In einer der Moscheen fand die Polizei einen weiteren Toten, die Zahl der Anschlagsopfer liegt jetzt bei 50. Zwei der 38 Verletzten schweben noch in Lebensgefahr.

Nach neuseeländischen Medienberichten sind alle Opfer Muslime, im Alter von zwei bis 77 Jahren. Eine offizielle Bestätigung fehlt bisher: Erst am Mittwoch sollen alle Toten identifiziert sein und zur Beisetzung freigegeben werden.

Akhta Khokhur bangt um ihren Mann

Für viele Menschen eine Zeit quälender Ungewissheit - etwa für die 58-jährige Akhta Khokhur, die ihren Mann vermisst und der bisher niemand sagen kann, ob er sich unter den Todesopfern befindet. Bis dahin steht sie mit seinem Handyfoto vor dem Informationszentrum für die Angehörigen.

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Akhtar Kokhur (58) vermisst seit dem Anschlag ihren Mann. Solange die Toten nicht identifiziert sind, lebt sie in quälender Ungewissheit.

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Eine Gruppe muslimischer Männer zeigt das Foto eines Freundes, der mutmaßlich bei dem Anschlag ums Leben gekommen ist.

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Unter den Opfern sind viele Flüchtlinge, die erst vor kurzem vor der Gewalt in Syrien und Afghanistan geflohen waren.

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Nur etwa 50.000 der 4,8 Millionen Neuseeländer sind Muslime, doch die Trauer ist allgemein. Die Botschaft hier: Wir stehen zusammen.

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Die Areale um die beiden Moscheen sind weiträumig abgesperrt. Die Stimmung drumherum: fassungslos.

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Die Polizei sichert weiterhin Spuren. Hier: In einer Pension in der Nähe der Al Noor Moschee.

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Auf dem muslimischen Friedhof in Christchurch graben Arbeiter derweilen Gräber für die Opfer des Anschlags aus.

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Die Mauer eines nahegelegenen botanischen Gartens hat sich in eine Art Zentrum der Trauer verwandelt. Blumen und Kerzen sollen Trost spenden.

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Australien, das Herkunftsland des Attentäters, hat die Oper Sydney mit einem Silberfarn illuminiert - der Nationalpflanze Neuseelands.

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In Istanbul versammeln sich trauernde Menschen nahe der Hagia Sophia.

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Die Stimmung ist vielerorts aufgeheizt. In Pakistan verbrennen wütende Muslime Fotos des mutmaßlichen Attentäters.

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Premierministerin Jacinda Ardern (M.) versucht Trost zu spenden und hat als Zeichen der Solidarität nach muslimischer Sitte ihren Kopf verhüllt.

Farid Ahmad trauert um seine Frau

Der 58-jährige Ahmad weiß bereits, dass seine 44 Jahre alte Frau Husna eine der 50 Toten des Attentats ist. Als die ersten Schüsse fielen, habe sie "viele Frauen und Kinder" aus dem Gotteshaus geführt, erzählt Ahmad. "Dann kam sie zurück, um nach mir zu sehen, weil ich in einem Rollstuhl saß, und als sie sich der Tür näherte, wurde auf sie geschossen." Von ihrem Tod habe er erst später erfahren, als sich ein Foto ihrer Leiche in den sozialen Netzwerken im Internet verbreitete. Jetzt, so sagt Ahmad, betet er - auch für den Mörder.

"Vergebung ist das Beste, Großzügigkeit, Liebe und Fürsorge, Optimismus" Farid Ahmad

Die meisten Opfer sind Einwanderer

Viele der Opfer waren als Einwanderer nach Neuseeland gekommen. Ihre Familien haben Wurzeln in Ländern wie Pakistan, Bangladesch, Ägypten, Saudi-Arabien und Indien, einige kamen wohl als Kriegsflüchtlinge aus Syrien nach Neuseeland.

Brenton Tarrant: Mutmaßlich ein Einzeltäter

Die Ermittler gehen unterdessen mit wachsender Wahrscheinlichkeit davon aus, dass es sich bei Brenton Tarrant um einen Einzeltäter handelt. Zwei Männer, die am Freitag an einer Polizeisperre festgenommene worden waren, weil sie Schusswaffen bei sich hatten, sollen in keiner Beziehung zu dem Attentäter stehen.

"Manifest" ging per Mail an Politiker

Regierung und Polizei bestätigten zudem einen Pressebericht, wonach der dringend tatverdächtige Australier sein rechtsextremes "Manifest" nicht nur zusammen mit einer Live-Aufzeichnung der Tat ins Netz gestellt, sondern zudem neun Minuten vor der Tat via E-Mail an Premierministerin Jacinda Ardern und etwa 70 weitere Adressaten geschickt hatte. Weil Tarrant darin keinen Hinweis auf den Schauplatz des geplanten Massenmords angegeben hatte, habe es aber keine Möglichkeit gegeben, ihn zu stoppen.

Keine Auslieferung des Tatverdächtigen geplant

Die Regierungschefin trat Spekulationen entgegen, wonach Brenton Tarrant nicht in Neuseeland, sondern in seiner Heimat Australien vor Gericht gestellt werde: "Er wird sich vor dem neuseeländischen Justizsystem für seinen terroristischen Angriff zu verantworten haben." Der mutmaßliche Massenmörder sitzt inzwischen in einem Hochsicherheitsgefängnis. Wegen vielfachen Mordes droht ihm lebenslange Haft. Sein nächster Gerichtstermin ist der 5. April.

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Mindestens 50 Todesopfer sind es inzwischen: Das Massaker in zwei Moscheen wird Neuseeland verändern. Dem mutmaßlichen Täter droht lebenslange Haft. Bei einem Auftritt vor Gericht macht er eine Geste, die in der rechten Szene wohlbekannt ist.

Von
  • Michael Kubitza
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