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Christchurch-Attentäter: Anhörung vor Gericht | BR24

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Im neuseeländischen Christchurch hat die Anhörung wegen des rassistischen Terroranschlags 2019 begonnen. Am Ende der voraussichtlich viertägigen Anhörung soll das Urteil gegen den Australier gesprochen werden. Er könnte lebenslang in Haft kommen.

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Christchurch-Attentäter: Anhörung vor Gericht

Im neuseeländischen Christchurch hat die Anhörung wegen des rassistischen Terroranschlags 2019 begonnen. Am Ende der voraussichtlich viertägigen Anhörung soll das Urteil gegen den Australier gesprochen werden. Er könnte lebenslang in Haft kommen.

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Es war der schlimmste Terrorangriff, den Neuseeland je erlebt hatte: Im März 2019 tötete ein rechtsextremistischer Terrorist 51 Menschen in zwei Moscheen in Christchurch und übertrug seine Taten live per Helmkamera ins Internet. Erst ein Jahr später bekannte er sich schuldig. Ab Montag soll das Strafmaß verkündet werden; zuvor werden jedoch - wahrscheinlich über vier Tage hinweg - mehr als 60 Aussagen von Überlebenden und Angehörigen von Getöteten gehört, die erzählen, welche Auswirkungen die Terrorattacke auf ihr Leben hatte. Sie treten ihrem Trauma gegenüber, der Täter soll im Gericht anwesend sein. Die Berichterstattung unterliegt nicht nur wegen Covid-19 strengen Beschränkungen.

Strenge Sicherheitskontrollen

Polizisten führen Sprengstoffhunde rund um das Gerichtsgebäude von Christchurch, sie schnüffeln in Gebüschen nach Gefahr. Scharfschützen liegen auf dem Dach, lange Schlangen hatten sich am Morgen gebildet, als die Besucher im kalten Nieselregen strenge Sicherheitskontrollen passieren mussten. 66 Statements wird es geben heute und in den kommenden Tagen, Angehörige der Getöteten und Überlebende der Terrorattacke treten ihrem Trauma gegenüber. Vor Gericht, vor dem anwesenden Attentäter erzählen sie von ihrem Leben nach dem 15. März 2019, dem Tag, als Neuseeland sich für immer veränderte, als für alle Welt sichtbar der Hass einbrach in das Land, das bis dahin für Frieden und Miteinander stand, als 51 Menschen starben, gläubige Muslime, Einwanderer aus aller Welt, die hier ein Zuhause gefunden hatten.

Opfer und Angehörige treten ihrem Trauma gegenüber

Farid Ahmed ist nicht im Gericht. Er will nicht, dass der Terrorist als Berühmtheit gefeiert wird. Auf dem Friedhof, dort, wo im vergangenen März in großer Eile Dutzende Gräber ausgehoben werden mussten, betet er für seine Frau. Husna starb, als sie in der Moschee nach ihrem Mann suchte, der im Rollstuhl sitzt.

"Ich kenne den Schmerz, die Traurigkeit - ich habe meine Frau verloren. Ich möchte nicht, dass jemand anderes so einen Schmerz erfahren muss. Das ist die wichtigste Veränderung in meinem Leben: Ich möchte allen sagen - lasst uns zusammenarbeiten, um so ein grausames Töten zu verhindern." Farid Ahmed, Ehemann eines Opfers

Farid Ahmed hat den Weg der Vergebung eingeschlagen: Der Attentäter sei fehlgeleitet gewesen und habe durch seine Taten das Leben anderer, aber auch sein eigenes ruiniert. Alles was geschehe, lehre uns etwas, sagt er. "In diesem Fall ist die wichtigste Lektion, dass Hass hier existiert. Und wir müssen zusammen alles tun um den Hass zu verhindern, um das Töten zu stoppen."

Attentäter hatte sich jahrelang auf Amoklauf vorbereitet

Der australische Attentäter soll sich jahrelang auf seine Taten vorbereitet haben, sagte der Staatsanwalt heute. Er habe die Moscheen ausgekundschaftet, seine Schnellfeuerwaffen beschafft und alles getan, um seine Opferzahl zu maximieren. Die angebliche Überlegenheit der weißen Rasse war sein Antrieb, wie er in einem Dokument im Internet vorher verbreitete. Viele Menschen zeigten sich zunächst erschrocken und erstaunt zeigten, dass Rassismus in der multikulturellen, friedlichen Gesellschaft Neuseelands auftrat. Doch Experten bemerkten, dass vorher einfach nicht genau hingeschaut wurde - und nicht zugehört. Das kritisiert der Rat islamischer Frauen in Neuseeland. "Menschen haben der Regierung gesagt: wir sind hier nicht sicher, sie haben Beispiele genannt - und die Regierung hat nicht zugehört", so Aliya Danzeisen, Sprecherin des Rates. Die Organisation hat der Regierung jetzt ein Dokument geschickt, in dem sie darlegen, wie solche Taten verhindert werden können - aber vor allem auch auf tausend Seiten diskriminierende Übergriffe dokumentiert.

Rassismus in Neuseeland - Warnungen wurden ignoriert

"Entweder haben sie uns nicht geglaubt oder es einfach als nicht so bedeutsam abgetan. Als nicht wirklich gefährlich. Sie haben unsere Stimme nicht gehört, bis hoch auf Ministerebene. Nicht in der vorigen und auch nicht in der jetzigen Regierung." Aliya Danzeisen, Sprecherin des Rates islamischer Frauen in Neuseeland

Dennoch sagen die meisten Muslime, dass sie sich in Neuseeland immer noch willkommen fühlen. Dass dieses Land sie liebt und sie dieses Land lieben. Dass sie nicht klein beigeben. Wie eine Angehörige an den Terroristen gewandt sagte: "Du dachtest du könntest uns zerbrechen. Aber du bist jämmerlich gescheitert."

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Am 15. März 2019 erschießt Brenton T. im neuseeländischen Christchurch 51 Menschen. Motiv: Hass auf Muslime. Seine Tat streamte er ins Internet. Bevor er sein Urteil bekommt, werden Opfer und Angehörige gehört.