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Chemnitz: Wirbel um Traueraktion für toten Neonazi | BR24

© pa/dpa/Robert Michael

Spieler des Chemnitzer FC

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    Chemnitz: Wirbel um Traueraktion für toten Neonazi

    Eine Beileidsbekundung für einen verstorbenen Fußballfan, der als Mitbegründer einer rechtsextremen Organisation galt, hat nicht nur beim FC Chemnitz für Aufregung gesorgt. Die Stadt distanziert sich, der Verein zog personelle Konsequenzen.

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    Der Chemnitzer FC steht schwer in der Kritik wegen einer umstrittenen Traueraktion für einen verstorbenen rechtsextremen Fan. Der Verein hatte seinen Anhängern am Samstag nach eigenen Angaben die Möglichkeit eingeräumt, im Stadion um den Verstorbenen zu trauern. Das Problem: Der Mann galt als Mitbegründer einer rechtsextremen früheren Hooligan-Organisation. Der Stadionsprecher habe den Hinterbliebenen sein Beileid ausgesprochen. Das sei aber "keine offizielle Trauerbekundung" gewesen, teilte der Verein am Sonntag mit.

    Traueraktion mit Großporträt, Schweigeminute und Pyro-Show

    Der CFC habe "nach dem Tod von Thomas Haller im Rahmen des Ablaufs des Stadionprogramms den CFC-Fans und Hinterbliebenen die Möglichkeit der gemeinsamen Trauer" eingeräumt. Haller soll Anfang der 1990er-Jahre die Organisation "HooNaRa" (Hooligans-Nazis-Rassisten) mitgegründet haben, die sich 2007 auflöste. Er leitete bis 2006 den Ordnungsdienst beim Chemnitzer FC. Einem Bericht des MDR zufolge wurde am Samstag auf der Video-Leinwand vor dem Spiel ein Porträt von Haller eingeblendet.

    Es habe eine Schweigeminute gegeben, ein schwarzes Kreuz und ein Transparent seien ausgerollt worden. Die schwarz gekleideten Fans in der Südkurve hätten zudem eine Pyro-Show in Rot und Weiß gezündet. In einer Rede seien die Verdienste Hallers für den Verein gewürdigt worden, schrieb der MDR.

    Fußballclub Chemnitz beruft sich auf Mitmenschlichkeit

    Der Chemnitzer FC erklärte dazu, gemeinsame Trauer zu ermöglichen, stelle keine Würdigung des Lebensinhalts dar. "Es ist ein Gebot der Mitmenschlichkeit, den Fans des CFC und Hinterbliebenen, die darum baten, die gemeinsame Trauer zu ermöglichen. Dies geschah in Übereinstimmung mit Abwägungen, die von den Sicherheitsbehörden getroffen worden waren", hieß es in der Stellungnahme.

    Kaufmännischer Geschäftsführer tritt zurück

    Die Aktion zog bereits erste personelle Konsequenzen nach sich. Am Sonntag legte der Kaufmännische Geschäftsführer Thomas Uhlig alle Ämter nieder, "um weiteren Schaden vom Chemnitzer FC fernzuhalten". In seiner Funktion trage er die Verantwortung für die Spieltage des CFC und dessen Begleiterscheinungen, erklärte der 46-Jährige.

    Frahn will nichts von der Bedeutung des T-Shirts gewusst haben

    Auch für Spieler Daniel Frahn, der vom CFC wegen seines Torjubels, bei dem er ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift "Support your local Hools" (Unterstütze deine lokalen Hools) hochhielt, mit einer Geldstrafe bedacht wurde. Wie hoch diese ist, gab der Club nicht bekannt, stellte aber fest: "Darüber hinaus droht Frahn eine Bestrafung von Seiten des Verbandes."

    Ihm persönlich gegenüber sei Haller nie politisch geworden, sagte Frahn in einer der Erklärungen. "Ich bin weit davon entfernt, sein Gedankengut zu teilen", bekräftigte Frahn. Das T-Shirt sei verkauft worden, "als Thomas Haller erkrankt ist, um die medizinische Betreuung zu gewährleisten. Daher hatte das Shirt für mich eine andere Bedeutung. Dass dieses T-Shirt so tief in der Nazi-Szene verbreitet ist, war mir dabei nicht bewusst", erklärte Frahn. Nach Vereinsangaben entschuldigte er sich bei den CFC-Verantwortlichen und der Mannschaft für seine Jubelaktion.

    "Dass ein Spieler während eines Spiels Botschaften, egal welcher Art, verbreitet und diese nicht vorher mit den Verantwortlichen des CFC bespricht, ist für uns nicht hinnehmbar", sagte CFC-Sportvorstand Thomas Sobotzik.

    Stadt Chemnitz distanziert sich - und fordert Konsequenzen

    Die Stadt Chemnitz distanziert sich von den Beileidsbekundungen. Man habe "die Ereignisse am Rande des Regionalligaspiels des CFC mit Befremden und Unverständnis zur Kenntnis genommen", teilte die Stadt am Sonntag mit. Chemnitz sei eine weltoffene, tolerante und friedliche Stadt. "Wir distanzieren uns deshalb ausdrücklich von allen rassistischen und rechtsextremen Handlungen und Statements." Die Stadtspitze forderte den CFC auf, das Geschehen am Samstag schnell auszuwerten und die nötigen Konsequenzen zu ziehen.