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"Charlie Hebdo"-Attentat: "Das ist ein historischer Prozess" | BR24

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Mehr als fünf Jahre nach dem Anschlag auf die französische Satirezeitung "Charlie Hebdo" beginnt der Prozess gegen mutmaßliche Komplizen der Attentäter.

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"Charlie Hebdo"-Attentat: "Das ist ein historischer Prozess"

"Je suis Charlie" - dieser Slogan ging nach den Anschlägen auf die französische Satirezeitung Charlie Hebdo um die Welt. Fünfeinhalb Jahre später beginnt heute der Prozess gegen mutmaßliche Komplizen der Attentäter.

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Von
  • Martin Bohne
  • tagesschau.de

Paris am 7. Januar 2015. Die Brüder Kouachi dringen in die Redaktionsräume von Charlie Hebdo ein, töten in nur zwei Minuten einen Großteil der anwesenden Mitarbeiter, darunter einige der bekanntesten Karikaturisten Frankreichs. Auf der Flucht erschiessen sie noch einen Polizisten.

Am nächsten Tag wird in Montrouge bei Paris eine Polizistin ermordet, von Amedy Coulibaly, dem Mann, der am Tag darauf Geiseln in einem jüdischen Supermarkt nehmen sollte. Es war eine minutiös koordinierte Aktion im Dienste von Al Kaida und des Islamischen Staates, der insgesamt 17 Menschen zum Opfer fielen. Und der Auftakt zu einer schrecklichen Terrorserie in Frankreich und anderen europäischen Ländern.

Ein prägender Angriff

Diese Anschläge sollten die französische Republik in ihrem Innersten treffen, sagt der Terrorismusexperte Jean-Charles Brisard:

"Diese Attentate haben Frankreich geprägt und verändert, und nicht nur Frankreich. Deshalb ist es so wichtig, dass dieser Prozess jetzt stattfindet. Das ist ein wichtiger, ein historischer Prozess." Jean-Charles Brisard, Terrorismusexperte

Die drei Attentäter selbst sind damals bei Feuergefechten mit der Polizei erschossen worden. Beim heute beginnenden Prozess geht es um ihre Helfer und Komplizen, insgesamt 14. Drei davon konnten sich vor fünf Jahren nach Syrien absetzen und sind mittlerweile wahrscheinlich tot.

"Es handelt sich bei den Angeklagten keineswegs um, wie in diesen Tagen zuweilen zu hören ist, zweitrangige Figuren. Alle haben - in unterschiedlichem Ausmaß - an der Vorbereitung der Anschläge mitgewirkt, sie haben Waffen oder Geld besorgt, Kontakte hergestellt oder die Radikalisierung der Täter vorangetrieben. Ohne ihre Unterstützung hätten die Attentate wohl nicht stattfinden können." Jean-Charles Brisard, Terrorismusexperte

Lebenslange Haft droht

Dem Hauptangeklagten Ali Reza Polat droht eine lebenslange Haftstrafe. Der Franzose türkischer Herkunft soll den Attentätern Waffen und Sprengstoff beschafft haben und genauestens mit den radikal-islamistischen Überzeugungen der Attentäter und ihren Plänen vertraut gewesen sein. Den meisten anderen Angeklagten wird die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen, sie müssen mit bis zu 20 Jahren Haft rechnen.

Jean-Charles Brisard erhofft sich von dem Prozess neue Erkenntnisse über die Terrorstrukturen. Denn noch liegt vieles im Dunkeln. Insbesondere weiß man nicht, wer dem Geiselnehmer Coulibaly den Auftrag zu Tat erteilt hat.

"Froh, dass der Prozess jetzt stattfindet" Jean-Charles Brisard, Terrorismusexperte

Große Erwartungen haben auch die Überlebenden der Attentate und die Angehörigen der Opfer. Zarie Zibony saß an der Kasse des jüdischen Supermarkts, als der Attentäter eindrang und vor ihren Augen einen Kunden erschoss:

"Das wird sehr schwer für mich, ich werde wieder in die Ereignisse von damals hineingestoßen werden. Aber ich bin froh, dass der Prozess jetzt stattfindet. Ich möchte aussagen, das halte ich für meine Pflicht. Es muss eine gerechte Strafe geben." Zarie Zibony, Augenzeugin

Das sagte die junge Frau, die nach der Tat nach Israel auswanderte, im französischen Fernsehen.

Knapp 100 Anwälte argumentieren

Rund 200 Nebenkläger werden vor dem Sondergericht auftreten, an die hundert Anwälte werden die Opfer und die Angeklagten vertreten, über 150 Zeugen und Experten sollen aussagen. Die Verhandlungen sind bis Mitte November angesetzt.

Das Geschehen im Gerichtssaal kann von Experten, Journalisten und der Öffentlichkeit in mehreren zusätzlichen Hörsälen verfolgt werden. Der Präsident des Pariser Gerichtshofes, Stéphane Noel, erwartet ein riesiges Interesse der Öffentlichkeit. Entsprechend umfangreich fallen die Sicherheitsmaßnahmen aus:

"Sowohl in einem weiten Umkreis um den Justizpalast als auch im Inneren des Gebäudes wird es massive Kontrollen geben. Mehrere hundert Polizisten werden im Einsatz sein. So etwas hat es noch nicht gegeben." Stéphane Noel, Präsident des Pariser Gerichtshofes

Die gesamte Verhandlung soll wegen ihrer historischen Bedeutung gefilmt werden - erstmals in einem solchen Prozess in Frankreich. Allerdings sind die Aufzeichnungen vorerst nur für die Archive bestimmt. Der Öffentlichkeit sollen sie erst nach 50 Jahren zugänglich gemacht werden.