| BR24

 
 

Bild

Friedrich Merz
© dpa-Bildfunk/Karlheinz Schindler
© dpa-Bildfunk/Karlheinz Schindler

Friedrich Merz

"Allergrößten Respekt und wirklich große Hochachtung vor Angela Merkel. Das ist eine souveräne, großartige Entscheidung, die sie da getroffen hat." Worte, die Friedrich Merz genauso auch heute hätte sagen können - möglicherweise hat er sie sich gedacht. Ausgesprochen hat er sie im Januar 2002, als Angela Merkel, seit knapp zwei Jahren CDU-Vorsitzende, zugunsten des CSU-Chefs Edmund Stoiber auf die Kanzlerkandidatur verzichtete. Dass dies so gelaufen sei, mache ihn persönlich "außerordentlich glücklich“, fügte Merz damals noch hinzu. Das sollte sich nach der Bundestagswahl ändern.

Merz sieht die Bundesregierung im "Dämmerzustand“

Zu diesem Zeitpunkt ist Friedrich Merz Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag und damit Oppositionsführer. "Eine Regierung im Wachschlaf“ nennt er die rot-grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder während einer Bundestagsdebatte, wirft ihr "einen jämmerlichen Zustand" vor, einen "Dämmerzustand". Als wortgewaltig und angriffslustig gilt er schon damals.

Der gebürtige Sauerländer Merz tritt mit 17 der CDU bei, studiert Jura in Bonn, ist Richter am Amtsgericht Saarbrücken und schließlich Rechtsanwalt. 1989 betritt der Vater dreier Kinder die politische Bühne, zunächst als Abgeordneter des Europäischen Parlaments, von 1994 an im Bundestag. Er gilt als ebenso wirtschaftsliberal wie konservativ, prägt im Jahr 2000 den Begriff der deutschen Leitkultur.

"Es geht im Wesentlichen darum, dass die hier in Deutschland lebenden Ausländer auch bereit sind, sich einer deutschen Leitkultur anzuschließen und bereit sind, auch einen eigenen Integrationsbeitrag zu leisten." Friedrich Merz im Jahr 2000

Vom Hoffnungsträger zum Merkel-Kritiker

Fraktionsvorsitzender ist Merz nur zwei Jahre. Nach der für die Union verlorenen Bundestagswahl 2002 beansprucht Merkel den Posten für sich. Merz bleibt Fraktionsvize, doch fortan liegen die beiden im Clinch. Der einstige Hoffnungsträger wird zum Merkel-Kritiker. Hätte Stoiber die Wahl gewonnen, wäre Merz wohl Finanzminister geworden - und hätte dafür auch Merkels Unterstützung gehabt.

"Deshalb möchte ich noch einmal daran erinnern, dass es Friedrich Merz ganz wesentlich mit zu verdanken ist, dass wir es innerhalb der CDU in dieser Legislaturperiode geschafft haben, wieder Sozialpolitik und Wirtschaftspolitik und Finanzpolitik in einer Einheit zu definieren und zu sehen, nämlich aus einem ordnungspolitischen Grundverständnis heraus." Angela Merkel im Jahr 2002

Steuererklärung auf dem Bierdeckel

Für Aufsehen sorgt Merz 2003 mit seinem Konzept für eine grundlegende Steuerreform. Das Steuersystem will er radikal vereinfachen: "Es kann sich jeder auf dem Bierdeckel ausrechnen, wir hoch seine Steuerschuld ist", umreißt Merz sein Ziel. Gelingen soll das mithilfe sehr viel geringerer Steuersätze: einem "Steuerstufentarif mit 12, 24 und 26 Prozent".

Aus dem Bierdeckel-Modell wird nichts, auch wegen des Widerstands der CSU. Wohl auch deshalb verzichtet Merz 2004 auf seinen Posten als Fraktionsvize und seinen Sitz im Präsidium der CDU; 2009 zieht er sich aus der aktiven Politik zurück.

"Ich habe immer gesagt: Wer reingeht in politische Mandate, muss auch – jedenfalls für sich selber - wissen, wann er wieder rausgeht. Ich möchte ganz einfach nach zwanzig Jahren hauptamtlicher politischer Tätigkeit wieder zurück in meinen Beruf. Ich bin dann Mitte 50 und ich glaube, das ist ein guter Zeitpunkt." Friedrich Merz im Jahr 2007

Mittlerweile ist Friedrich Merz 62 Jahre alt, Mitglied einer internationalen Anwaltskanzlei und Vorsitzender in mehreren Aufsichtsräten, unter anderem beim deutschen Ableger der Investment-Firma BlackRock. Außerdem ist er Vorsitzender des Netzwerks Atlantik-Brücke.

Friedrich Merz übt Kritik an der CDU

Die Politik - auch und vor allem seiner Partei - hat er dabei nicht aus den Augen verloren. Im Juni kritisiert er im Fernsehsender Phoenix, dass die CDU es nicht mehr schaffe, national-konservativ denkende Menschen anzusprechen.

"Diesen Anspruch hat die CDU in den letzten Jahren – aus meiner Sicht als einfaches Mitglied – nicht mehr genügend gezeigt und gelebt. Man muss zur politischen Mitte hin integrieren wollen." Friedrich Merz im Juni 2018

Dass er noch einmal in die aktive Politik zurückkehren würde, hatte er angeblich nicht geplant. "Ich habe keine Veranlassung, über irgendetwas nachzudenken", sagte Merz noch im Juni. Nun kandidiert er für den CDU-Parteivorsitz.

Autoren

Janina Lückoff

Sendung

Nachrichten vom 30.10.2018 - 17:00 Uhr