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Der Platz von Bundeskanzlerin Merkel im Konrad-Adenauer-Haus ist nur von ihrer Tasche belegt.
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tagesschau.de
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Der Platz von Bundeskanzlerin Merkel im Konrad-Adenauer-Haus ist nur von ihrer Tasche belegt.

Um die Nachfolge von Bundeskanzlerin Angela Merkel als CDU-Vorsitzende bewerben sich mittlerweile zwölf Männer und Frauen. Die aussichtsreichen Kandidaten sollen sich auf bis zu neun Regionalkonferenzen der Basis vorstellen. Die Zeit drängt, bis zum Parteitag in Hamburg sind es noch viereinhalb Wochen. Dann stimmen 1001 Delegierte über die neue Parteispitze ab.

Mit großer Wahrscheinlichkeit werden viele CDU-Landesverbände keine gemeinsame Empfehlung für die Delegierten auf dem Bundesparteitag abgeben. Große Verbände wie Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen sind gespalten.

Debatte über Neuausrichtung der CDU

Vor allem drei Kandidaten dürften gute Chancen auf die Merkel-Nachfolge haben: Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, der frühere Unions-Fraktionschef Friedrich Merz sowie Gesundheitsminister Jens Spahn.

Verbunden mit der Personalentscheidung ist auch die Entscheidung über die künftige Ausrichtung der CDU. Während Merz und Spahn eher für einen konservativeren Kurs stehen, gilt Kramp-Karrenbauer als Verfechterin eines eher liberalen Kurses. Zu ihrer Bewerbung will sie sich in dieser Woche äußern.

Die CDU-Vize-Chefin und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner warnte ihre Partei jedoch vor einem radikalen Kurswechsel.

"Die CDU muss weder nach rechts rücken oder nach links rücken" Julia Klöckner, CDU

sagte Klöckner im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF. Die Partei müsse stattdessen thematisch breiter werden. Die CDU sei keine Klientelpartei: "Als Volkspartei mit Regierungsanspruch werden wir natürlich nicht nur Politik für Arbeitgeber machen. Wir werden auch nicht nur Politik für Arbeitnehmer machen."

"Wir hatten noch nie die Auswahl"

EU-Kommissar Günther Oettinger forderte, jeder neue CDU-Chef müsse gut mit Kanzlerin Merkel zusammenarbeiten, die bis 2021 im Amt bleiben solle. Dies sei mit Blick auf die EU gerade 2019 sehr wichtig. "Wer der Kanzlerin das Leben schwer macht, wird selbst keine gute Basis haben", warnte der CDU-Politiker im Bericht aus Berlin. Hintergrund sind Vermutungen, dass Merz im Falle einer Wahl nicht gut mit seiner früheren Kontrahentin Merkel zusammenarbeiten könnte.

Oettinger lobte, dass sich die CDU zwischen mehreren Kandidaten entscheiden könne. Er sei seit 1979 bei Parteitagen dabei - "und wir hatten noch nie die Auswahl". Das sei nun eine große Chance für die CDU und ihre Zukunft.

Der neue Parteivorsitzende der CDU wird laut Ralph Brinkhaus, dem Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, aber nicht automatisch als nächster Bundeskanzler gehandelt. Die beiden Ämter müssten nicht, wie bisher in der CDU üblich, in einer Person vereint sein, sagte er dem SWR: "Wir haben neue Zeiten. Da wird es neue Modelle geben."

Die Partei ist "praktisch wachgeküsst"

Viele CDU-Politiker loben den belebenden Effekt der Personaldebatte. Der Wahlkampf tue der Partei gut, sagte CDU-Vize Armin Laschet. Die CDU mache derzeit den Eindruck, "als sei sie praktisch wachgeküsst worden", ergänzte Vize Thomas Strobl. Es gehe sehr munter zu. Auch Schleswig-Holsteins Regierungschef Daniel Günther äußerte sich in diesem Sinne.

Bei allem Lob für das Prozedere und die Stimmung lassen einzelne Politiker ihre Vorlieben deutlich erkennen. Oettinger warb im Bericht aus Berlin für Merz. Dieser sei "immer nah an der CDU" gewesen. Er schätze an Merz dessen europäischen Bezug, außerdem kenne Merz die Arbeitswelt. "Er weiß, wie Arbeitsplätze entstehen, wie die Wirtschaft tickt, und das könnte ein großer Vorteil für die Arbeit der CDU in den nächsten Jahren sein."

Die Vorsitzende der Frauen Union, Annette Widmann-Mauz, sagte im Bericht aus Berlin Kramp-Karrenbauer ihre Unterstützung zu. "Sie hat gezeigt, dass sie Wahlen gewinnen kann, sie ist eine erfolgreiche Ministerpräsidentin gewesen und sie ist in der Lage, die unterschiedlichen Strömungen in der CDU zusammenzuführen." Das brauche die Partei jetzt.