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Archivbild: Söder zugeschaltet beim digitalen Neujahrsempfang der CDU in NRW mit Armin Laschet

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"Er zeigt Führungsstärke": CDU-Rufe nach Söder-Kandidatur

Für CDU-Vize Strobl ist die Sache klar: Die CDU wolle ihren Vorsitzenden Laschet als Kanzlerkandidaten der Union. Zugleich mehren sich in der Partei aber Stimmen, die eine Kandidatur Söders fordern - auch mit Verweis auf dessen bessere Umfragewerte.

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Von
  • Petr Jerabek

Der genaue Zeitpunkt ist weiter offen: Irgendwann zwischen Ostern und Pfingsten wollen die Vorsitzenden von CDU und CSU, Armin Laschet und Markus Söder, sich über die Unions-Kanzlerkandidatur für die Bundestagswahl verständigen.

Der frühere Unions-Fraktionsvize im Bundestag, Wolfgang Bosbach, hat keinen Zweifel daran, dass Laschet Kanzlerkandidat werden möchte. "Und wenn er es werden will, dann wird er es auch", sagte er im Deutschlandfunk. Denn er könne sich nicht vorstellen, dass Söder und die CSU Laschet "beiseite schieben".

Dennoch plädiert Bosbach für eine Kandidatur Söders. Er sei immer für den gewesen, mit dem die Union die besten Sieg-Chancen habe: "Das ist Stand heute nach allen Umfragen eindeutig Markus Söder."

Bosbach: An Söder kann man sich orientieren

Es gehe im Wettstreit zwischen Laschet um Söder weniger um Qualität als um "die Frage der Performance", betonte Bosbach. Und da sieht er eindeutig Söder im Vorteil: "Markus Söder kann kurze Sätze, klare Botschaften." Zwar seien die Corona-Zahlen in Bayern keineswegs überragend besser als in anderen Bundesländern. "Aber er zeigt Führungsstärke. Er hat immer ganz klare Aussagen und Ansagen, und an ihm kann man sich orientieren. Und das imponiert vielen."

Bosbach mahnte zugleich eine schnelle Entscheidung in der K-Frage an. Die Union könne sich nicht weiter permanent mit sich selbst beschäftigen. Er hoffe daher auf eine Entscheidung "zeitnah nach Ostern".

CDU-Vize Strobl: CDU will nicht Umfragen gewinnen

Auch der stellvertretende CDU-Vorsitzende Thomas Strobl hatte kürzlich dafür plädiert, die Führungsfrage schnell zu klären. Er setzt aber auf Laschet - und hofft auf die Unterstützung seiner Partei: "Die CDU in Deutschland möchte, dass unser Bundesvorsitzender Armin Laschet Kanzlerkandidat der Union wird und im Herbst auch Bundeskanzler", sagte der baden-württembergische Innenminister der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten".

Aktuelle Umfragewerte sind nach Meinung Strobls dabei zweitrangig: "Die Union will nicht jetzt Umfragen gewinnen, sondern im Herbst die Bundestagswahl - dafür ist Armin Laschet als Mann der Mitte mit dem Blick nach vorne genau der Richtige."

Mehrere Abgeordnete favorisieren Söder

Das sehen innerhalb der CDU-Bundestagsfraktion aber längst nicht alle so: Mehrere Bundestagsabgeordnete plädieren mittlerweile offen für Söder. Aus Strobls eigenem baden-württembergischen Landesverband favorisiert laut "Spiegel" die Abgeordnete Ronja Kemmer den CSU-Vorsitzenden. "Die letzten Wahlen zeigen, dass besonders das Vertrauen in Persönlichkeiten entscheidend ist", argumentierte die Vizechefin der Jungen Gruppe von CDU und CSU. "Das muss zusammen mit der Frage, wer den besten Plan für Deutschland hat und die wichtigen Zukunftsthemen angeht, der Maßstab sein."

Der rheinland-pfälzische CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Steiniger sagte dem Magazin: "Wir müssen mit dem antreten, mit dem wir nach Umfragen die besten Chancen haben, und das ist mit großem Abstand Markus Söder." Er kenne bei sich an der Parteibasis "praktisch niemanden", der für Laschet sei. Die Union müsse alles dafür tun, im Herbst überhaupt noch regieren zu können. "Ich habe keine Lust auf vier Jahre Opposition."

Deutliche Kritik an Laschet

Auf Twitter verwies am Sonntag auch der brandenburgische CDU-Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke auf eine weitere Umfrage, die Söder bei der "Kanzlertauglichkeit" klar vor Laschet sieht. Dazu schrieb er: "Da bleiben eigentlich keine Fragen mehr offen." Und nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Sonntag in der TV-Sendung "Anne Will" öffentlich Laschet für seinen Corona-Kurs gerügt hatte, retweetete Steineke folgenden Satz eines Politikwissenschaftlers: "Heute ist Markus Söder der Kanzlerkandidatur ein großes Stück näher gekommen."

Die sächsische Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann, die am liebsten Friedrich Merz als Kanzlerkandidaten hätte, forderte ihren Parteichef Laschet zum Verzicht auf die Kandidatur auf: "Wenn Armin Laschet der Union und dem Land einen Dienst erweisen will und selbst ein Höchstmaß an Souveränität an den Tag legen würde, dann würde er seinen Hut nicht in den Ring der Kanzlerkandidatur werfen", sagte sie dem "Spiegel" und fügte hinzu: "Manches Material will einfach nicht strahlen, egal wie stark man es auch beleuchten mag."

Sorgen bereitet vielen in der Union vor allem, dass die Umfragewerte von CDU und CSU zuletzt stark gesunken sind. Bosbach sprach von einer "ernsten Lage". Söder warnte am Freitag eindringlich: "Die Frage ist nicht, mit wem die Union nach der Wahl regiert, sondern ob sie regiert." CDU und CSU müssten vom "Kamillentee- in den Red-Bull-Modus". Die Union müsse "das Kämpfen wieder lernen".

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Bayerns Ministerpräsident Söder hat bundesweite abendliche Ausgangsbeschränkungen im Kampf gegen die Pandemie gefordert.

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