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Die drei Kandidaten für den CDU-Parteivorsitz Norbert Röttgen, Armin Laschet und Friedrich Merz im Konrad-Adenauer-Haus

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Merz, Laschet, Röttgen: Diese Drei kämpfen um die CDU-Spitze

Am Samstag wählt die CDU auf einem virtuellen Parteitag ihren neuen Vorsitzenden. Drei Kandidaten stehen zur Wahl. Doch noch ist unklar, ob der neue Parteichef auch Kanzlerkandidat der Union sein wird. Der Wettstreit um die Spitze - eine Chronologie.

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Von
  • Julio Segador

Es war eine Zeitenwende. Am 29.Oktober 2018 kündigt Angela Merkel an, nicht mehr als CDU-Vorsitzende zu kandidieren. Mit dieser Entscheidung beginnt sie ihren Rückzug von der politischen Bühne. Merkel war die erste Frau an der CDU-Spitze, nur Helmut Kohl hielt sich dort so lange. Nachfolgen soll Merkel jemand, der die Partei nach einer ganzen Reihe schwacher Ergebnisse bei Wahlen wieder aufrichtet, und dem Erstarken der AfD etwas entgegensetzt. Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, Gesundheitsminister Jens Spahn und Ex-Fraktionschef Friedrich Merz werfen ihren Hut in den Ring.

Frauenpower 2.0 - AKK soll es richten

Die CDU-Delegierten beim Parteitag in Hamburg im Dezember 2018 entscheiden sich in einer Stichwahl knapp für Kramp-Karrenbauer. Erneut steht eine Frau an der Spitze der Christdemokraten. AKK, wie die Saarländerin genannt wird, soll die CDU modernisieren und die Spaltung zwischen Konservativen, Liberalen und der Wirtschaftsunion auflösen.

Doch schon bald kommt Kritik hoch. In der Partei grummelt es wegen der Grundrente. Wahlschlappen und unglückliche Äußerungen - etwa ihr Spott über Toiletten für intergeschlechtliche Menschen - bringen sie in Bedrängnis. Noch mehr das Video des Youtubers Rezo über die Zerstörung der CDU. Nach nicht einmal einem Jahr im Amt stellt die CDU-Chefin im November 2019 beim Parteitag in Leipzig die Machtfrage:

"Wenn ihr der Meinung seid, dass dieser Weg, den ich gemeinsam mit euch gehen möchte, nicht der Weg ist, den ihr für den Richtigen haltet, dann lasst es uns heute aussprechen, und dann lasst es uns heute auch beenden. Hier und jetzt und heute." CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer

Kramp-Karrenbauer wirft zermürbt das Handtuch

Zwar bleibt der Aufstand aus. Doch die Wirkung dieses Machtwortes hält nur kurz. Immer wieder wird ihre Durchsetzungsfähigkeit in Frage gestellt. Als Kramp-Karrenbauer hilflos zusehen muss, wie in Thüringen FDP-Mann Thomas Kemmerich mit Hilfe von AfD und CDU zum Ministerpräsidenten gewählt wird, offenbart sich die Zerrissenheit ihrer Partei.

Nach nur 14 Monaten im Amt zieht AKK einen Schlussstrich und kündigt ihren Rücktritt zum nächsten Parteitag an.

Dreikampf um den CDU-Vorsitz

Kramp-Karrenbauer ist ab sofort eine CDU-Vorsitzende auf Abruf. Drei Männer drängt es dagegen an die Macht. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (zum Porträt), CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen (zum Porträt) und Friedrich Merz (zum Porträt) wollen an die CDU-Spitze. Merz, der frühere Unions-Fraktionschef im Bundestag, hatte bereits gegen Kramp-Karrenbauer kandidiert. Er setzt auf eine konservative CDU und gibt sich selbstbewusst:

"Ich spiele auf Sieg und nicht auf Platz." Kandidat Friedrich Merz

NRW-Ministerpräsident Laschet gewinnt Gesundheitsminister Jens Spahn als Partner für seine Kandidatur. Der ist als Corona-Krisenmanager populär. Davon erhofft sich Laschet, der den Merkel-Kurs der Mitte fortsetzen will, einen Vorteil.

"Ich glaube nicht, dass einer alleine diese starke CDU mit all ihren Strömungen repräsentieren kann. Und deshalb trete ich an im Team mit Jens Spahn." Kandidat Armin Laschet

Röttgen ist der Außenseiter. Für ihn geht es um eine komplette Neuausrichtung der CDU. Sie soll weiblicher, ökologischer und digitaler werden:

"Es geht um die politische, also personelle und inhaltliche, strategische Positionierung der CDU." Kandidat Norbert Röttgen

Coronabedingtes Terminchaos um Parteitag

Die Wahl zum neuen CDU-Parteivorsitzenden ist ursprünglich für Ende April 2020 vorgesehen. Wegen der Corona-Pandemie wird der Wahl-Parteitag dann auf das zweite Halbjahr verschoben. Doch auch dieser Termin ist coronabedingt nicht zu halten. Was Merz, der in den Umfragen vorne liegt, verärgert. Der Sauerländer wittert eine Verschwörung.

"Es gibt Teile des Partei-Establishments, beachtliche Teile, die verhindern wollen, dass ich Parteivorsitzender werde." Kandidat Friedrich Merz

Premiere: CDU entscheidet sich für virtuellen Wahl-Parteitag

Der Termin für die Wahl zum CDU-Vorsitz wird schließlich auf den 16. Januar gelegt. Die CDU verzichtet auf einen Präsenz-Parteitag wie ursprünglich geplant. Die Wahl soll nun virtuell ablaufen - eine Premiere in der deutschen Parteienlandschaft. Vorgesehen ist, dass die 1001 Delegierten zunächst eine digitale Vorauswahl treffen, die sie dann durch eine Briefwahl bestätigen.

"Am 22. Januar wird öffentlich ausgezählt, und das Ergebnis durch den Wahlvorstand bekanntgegeben. Es ist, wenn man es sicher und professional machen möchte, sehr, sehr aufwändig. Aber wir leben im Jahr 2021. Demokratie muss auch in Zeiten von Pandemie funktionieren." CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak

Wird der neue CDU-Chef auch Kanzlerkandidat der Union?

Die Frage, ob der neue CDU-Vorsitzende am Ende auch der Kanzlerkandidat der Union sein wird, ist offen. Während Noch-Parteichefin Kramp-Karrenbauer beides in einer Hand favorisiert, haben zuletzt Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble und der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag Ralph Brinkhaus angedeutet, dass es hier keinen Automatismus geben muss.

Damit eröffnen sich auch Chancen für Gesundheitsminister Spahn und CSU-Chef Markus Söder, denen ebenfalls Ambitionen auf eine Kanzlerkandidatur nachgesagt werden.

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Die CDU bestimmt an diesem Wochenende über ihre künftige Führung. Drei Kandidaten stellen sich zur Wahl: NRW-Ministerpräsident Laschet, der Außenpolitiker Röttgen und Ex-Fraktionschef Merz. Einen klaren Favoriten gibt es nicht.

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