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Carola Rackete: Wie weit darf ziviles Engagement gehen? | BR24

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Für viele ist Carola Rackete, Kapitänin der Sea-Watch 3, eine neue Heldin. Doch sie hat kein offizielles Amt. Darf sie so weit gehen, geltende Gesetze zu ignorieren? Arnd Pollmann ist Professor für Ethik und Sozialphilosophie in Berlin.

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Carola Rackete: Wie weit darf ziviles Engagement gehen?

Für viele ist Carola Rackete, Kapitänin der Sea-Watch 3, eine Heldin. Doch sie hat kein offizielles Amt. Darf sie so weit gehen, geltende Gesetze zu ignorieren? Ein Interview mit Arnd Pollmann, Professor für Ethik und Sozialphilosophie in Berlin.

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Bayern 2-radioWelt: Carola Rackete hat kein offizielles Amt, ist nicht - wenn man so will - von der Gesellschaft legitimiert. Darf sie so weit gehen, Gesetze zu ignorieren?

Arnd Pollmann, Professor für Ethik und Sozialphilosophie, Berlin: Die generelle Frage, ob und wann es legitim ist, im Namen der Gerechtigkeit gegen geltende Gesetze zu verstoßen, hängt immer von den Verhältnissen ab, in denen wir leben. In einem totalitären Unrechtsstaat beispielsweise mag sogar ein Akt des Tyrannenmords legitim erscheinen. In relativ gut funktionierenden liberal-demokratischen Rechtsstaaten wird das Establishment vielleicht schon durch einen Schulstreik hinreichend herausgefordert. Carola Rackete jedenfalls war meiner Ansicht nach im Recht, weil die geltende italienische Rechtslage unvereinbar mit den Menschenrechten gewesen ist und die konsequente Befolgung dieser Rechtslage tendenziell Menschenleben gekostet hätte.