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Bundeswehr ermittelt: Über 60.000 Schuss Munition fehlen | BR24

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Munitionsdepot der Bundeswehr in Setzingen (Baden-Württemberg)

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    Bundeswehr ermittelt: Über 60.000 Schuss Munition fehlen

    Die Bundeswehr hat Ermittlungen eingeleitet, um den Verlust von zehntausenden Schuss Munition aufzuklären. Die "Welt" hatte unter Berufung auf Angaben der Bundesregierung berichtet, dass seit 2010 mindestens 60.000 Schuss Munition vermisst würden.

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    Von
    • Kai Küstner

    Es sind jede Menge Fragen, die man bei der Bundeswehr nun beantworten muss. Durchaus beunruhigende Fragen: Wie konnte das passieren? Wo ist das fehlende Material? Und: welche Gefahr birgt die Tatsache, dass aus Bundeswehr-Beständen zehntausende Schuss Munition und mehr als 100 Dienstwaffen verschwanden? Lauten nur drei davon:

    "Wir müssen jetzt klären, was die Gründe sind", erklärt David Helmbold, Sprecher des Verteidigungsministeriums. "Ob das Schlamperei ist? Sind Bestände in den Einsatzgebieten verblieben? Oder steckt da auch kriminelle Energie hinter und es hat jemand etwas abgezweigt." Keine der drei Möglichkeiten könne derzeit ausgeschlossen werden, so der Sprecher weiter.

    Rechte Umtriebe bei Eliteeinheit KSK?

    Die Sache ist deshalb brisant, weil bei der Bundeswehr insgesamt und insbesondere bei deren Eliteeinheit KSK untersucht wird, inwieweit es dort rechtsextreme Netzwerke gibt. Also der Verdacht besteht, dass Extremisten versucht haben könnten, sich mit Waffen und Munition zu versorgen.

    Im Mai hatte die Polizei bei einer Razzia auf dem Grundstück eines KSK-Soldaten ein regelrechtes Waffenlager ausgehoben und dabei neben einem SS-Liederbuch auch jede Menge Sprengstoff plus Zündschnur sichergestellt.

    "Wenn Sie das beides zusammenbringen, dann wird das etwas, das durchaus gefährlich oder im Rahmen von Attentaten eingesetzt werden könnte. Das ist meine Sorge, die ich hab." Generalinspekteur Eberhard Zorn

    Mit diesen Worten hatte Anfang des Monats der ranghöchste deutsche Soldat, der Generalinspekteur Eberhard Zorn, seiner Beunruhigung angesichts vermissten Materials bei den Spezialkräften vom KSK Ausdruck verliehen. Denn: Unabhängig von den über 60.000 Schuss Munition, die bei der Bundeswehr insgesamt fehlen, ist darüber hinaus auch unklar, wo 62 Kilogramm Sprengstoff und 48.000 Schuss Munition aus den KSK-Beständen abgeblieben sind. In beiden Fällen wird nun laut Ministerium intensiv ermittelt.

    Linke: "Es kann sich nicht um Einzelaktionen handeln"

    "Wenn es um Straftaten geht, wird selbstredend die Staatsanwaltschaft eingeschaltet", kündigte der Sprecher des Verteidigungsministeriums an. Dem Abgeordneten der Linken, Tobias Pflüger, reicht das nicht. Er fordert im Gespräch mit dem ARD-Hauptstadtstudio eine externe Untersuchung der Waffenverluste, der Ministerin Kramp-Karrenbauer nun höchste Dringlichkeit einräumen müsse. Pflüger vermutet, dass rechte Netzwerke für das Verschwinden der Waffen verantwortlich sind:

    "Es kann sich dabei nicht um Einzelaktionen handeln. Wir wissen im Kontext des KSK, dass es Mitwisser gegeben haben muss für das Herausbringen von Waffen aus den Kasernen. Und diese Mitwisser sind höchstwahrscheinlich in diesem Bereich rechter Netzwerke zu suchen." Tobias Pflüger, Die Linke

    All dies sind Dinge, die man bei der Bundeswehr nun aufzuklären verspricht. Denn ob die Munition längst verschossen ist und dies einfach durch einen Buchungsfehler nicht registriert wurde oder aber Kriegsgerät bewusst entwendet wurde und nun in verborgenen Privatkellern lagert - das macht für die innere Sicherheit in Deutschland durchaus einen Unterschied.

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