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Kulturgefäße mit Embryonen

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    Bundesverwaltungsgericht urteilt zur Präimplantationsdiagnostik

    Die Untersuchung von Embryos vor einer künstlichen Befruchtung, um Krankheiten auszuschließen, ist in Deutschland nur in Ausnahmefällen erlaubt. Heute entscheidet das Bundesverwaltungsgericht über die Zukunft der Präimplantationsdiagnostik.

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    Von
    • Markus Kaiser

    Die Präimplantationsdiagnostik, kurz PID, ist nur bei einer künstlichen Befruchtung, einer In-vitro-Fertilisation, möglich. Dabei wird einem Embryo vor der Einpflanzung in die Gebärmutter mindestens eine Zelle entnommen und auf Genmutationen oder Chromosomen-Anomalien untersucht.

    Diese Praxis ist nach einem Gesetz von 2011 in Deutschland nur in Ausnahmefällen erlaubt. Dann, wenn "das hohe Risiko einer schwerwiegenden Erbkrankheit" besteht oder eine genetische Schädigung oder Abweichung in den Chromosomen zu einer Fehl- oder Todgeburt führen würde. Verboten ist sie etwa zur Bestimmung des Geschlechts eines Babys.

    Ethikkommissionen entscheiden im Einzelfall

    Worauf der Embryo untersucht wird, hängt jeweils vom Elternpaar ab. Es gibt also keine umfassenden Untersuchungen auf alle Erbkrankheiten. Auch ist nicht festgelegt, bei welchen Erkrankungen eine PID bewilligt wird. Ethikkommissionen, bestehend aus Ärzten, Juristen, Ethikern, sowie Interessensvertreter von Patienten und Menschen mit Behinderung, entscheiden im Einzelfall und nach einer Beratung mit dem Paar über die Bewilligung.

    So kann es vorkommen, dass bei gleichem Krankheitsbild ein Paar eine Bewilligung bekommt, ein anderes aber nicht für eine PID zugelassen wird. Das wird zum Teil als ungerecht empfunden und hat zu Klagen geführt, so Prof. Arne Manzeschke, stellvertretender Vorsitzender der bayerischen Ethikkommission für Präimplantationsdiagnostik.

    Soll es eine Art Katalog mit Erkrankungen geben, in dem Kriterien zur Bewilligung einer PID festgelegt sind - oder sollen die Ethikkommissionen weiterhin nach eigenem Ermessen entscheiden? Und wie groß soll ihr Spielraum dabei sein? Unter anderem darum geht es bei der heutigen Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig.

    Diskriminierung von Menschen mit Behinderung

    Es hat gute Gründe, dass es keinen Katalog mit einer festen Liste an Erbkrankheiten gibt, die durch eine PID ausgeschlossen werden dürfen, meint Arne Manzeschke. Der Gesetzgeber habe 2011 auf Sorgen von Behindertenverbänden reagiert. Eine solche Liste könne zu Diskriminierung führen, "wenn Menschen, die mit bestimmten Krankheiten leben, ihre Krankheit auf einer Liste wiederfinden, die sagt: das ist offenbar unerwünschtes Leben".

    Auch sei das Risiko, ein und dieselbe Krankheit zu vererben, bei verschiedenen Paaren unterschiedlich zu bewerten. "Bestimmte Krankheiten stellen sich in ihrer Ausprägung unterschiedlich dar, je nachdem ob sie über die mütterliche oder die väterliche Linie übertragen werden", sagt Manzeschke. Bei einer Krankheit wie der zystischen Fibrose steigere sich außerdem das Risiko der Übertragung an ein Neugeborenes, wenn es in der Familie bereits ein Kind mit dieser Erkrankung gibt.

    Die Beratung von Paaren und die genaue Analyse des Risikos im Einzelfall sei daher nicht durch den bloßen Blick auf eine Liste mit Erkrankungen zu ersetzen, meint der Ethiker. Die Kommissionen würden einen gewissen Ermessenspielraum für ihre Entscheidung brauchen, sagt Manzeschke, "sonst bräuchte es uns nicht mehr." Wie groß dieser Spielraum künftig sein wird und welche Voraussetzungen für eine Präimplantationsdiagnostik in Zukunft gelten, darüber entscheiden heute die Leipziger Richter.

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