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Bundesverdienstkreuz für Einsatz gegen Missbrauch | BR24

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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Wolfgang Kumm

Bundespräsident Steinmeier hat zwei Vorreitern bei der Aufklärung des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche das Bundesverdienstkreuz verliehen

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Bundesverdienstkreuz für Einsatz gegen Missbrauch

Der eine war selbst Betroffener, der andere schenkte Missbrauchs-Opfern in der katholischen Kirche Glauben und forschte weiter nach. Heute wurden Matthias Katsch und Jesuitenpater Klaus Mertes mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

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  • BR24 Redaktion

Für ihre Verdienste zur Bekämpfung von Missbrauch an Kindern sind Matthias Katsch und der Jesuitenpater Klaus Mertes mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Bundespräsident Frank Walter Steinmeier sagte, Katsch und Mertes hätten sich "mit viel Mut und großer Beharrlichkeit für die Aufdeckung und Aufklärung abscheulicher Verbrechen in unserer Gesellschaft engagiert" und hätten sich damit um das Gemeinwesen verdient gemacht.

Katsch wurde selbst Opfer

In den 1970er Jahren war Matthias Katsch Schüler am Berliner Canisius-Kolleg, ein staatlich anerkanntes, privates katholisches Gymnasium unter der Trägerschaft des Jesuitenordens. In dieser Zeit wurde Katsch selbst Opfer sexueller Übergriffe. Bereits seit vielen Jahren vertritt er nun selbst Betroffene sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche - unter anderem als Mitbegründer des Eckigen Tischs. Außerdem ist er Mitglied der Unabhängigen Kommission für die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch beim zuständigen Beauftragten der Bundesregierung.

Ex-Schüler und Lehrer im Kampf gegen Missbrauch

Jesuitenpater Klaus Mertes war früher Rektor des Berliner Canisius-Kollegs und löste in dieser Funktion 2010 eine ganze Reihe von Enthüllungen über Missbrauchsfälle in kirchlichen Einrichtungen aus, nachdem sich drei ehemalige Schüler - darunter auch Matthias Katsch - mit ihren Missbrauchserfahrungen an ihn gewandt hatten. Ein Schreiben von Mertes an ehemalige Schüler des Kollegs brachte den Stein ins Rollen, als es in die Öffentlichkeit gelangte.

Skandal am Canisius-Kolleg stieß gesellschaftliche Debatte an

Der Kampf gegen Missbrauch beschäftigt seit Bekanntwerden der Vorfälle im Canisius-Kolleg nicht nur katholische und evangelische Einrichtungen in ganz Deutschland. Er hat eine breite Debatte über die gesellschaftliche Verantwortung ausgelöst. Sexueller Kindesmissbrauch sei seither auf der Tagesordnung geblieben, lobte Steinmeier.

Dank für Unterstützung und Mahnung zur Wachsamkeit

Matthias Katsch stellte fest, im Kampf gegen Missbrauch habe es in den vergangenen Jahren durchaus Fortschritte gegeben. Er forderte zugleich "eine gemeinsame Anstrengung als Gesellschaft, damit es aufhört". Mertes bedankte sich bei der damaligen Schülerschaft des Canisius-Kollegs, die hinter ihm gestanden habe. Der Jesuiten galt lange als "Netzbeschmutzer", war aufgrund seiner Enthüllungen innerhalb der katholischen Kirche stark angefeindet worden.

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