Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Bundesumweltministerium verteidigt Stickoxid-Grenzwerte | BR24

Video nicht mehr verfügbar

Dieses Video konnte leider nicht geladen werden, da es nicht mehr verfügbar ist.

Weitere Information zur Verweildauer

© BR

Die Diskussion um Diesel-Fahrverbote in Großstädten nimmt neue Fahrt auf: Mehr als hundert Lungenärzte zweifeln daran, dass Stickstoffdioxid tatsächlich Tausende von Todesfällen verursacht. Die bisherigen Grenzwerte müssten überprüft werden.

11
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Bundesumweltministerium verteidigt Stickoxid-Grenzwerte

Im Streit um die Stickoxidbelastung hat das Bundesumweltministerium die Jahresgrenzwerte gegen die Kritik von Lungenärzten verteidigt. Die Werte seien darauf ausgerichtet, dass alle Menschen jederzeit die Außenluft problemlos einatmen könnten.

11
Per Mail sharen
Teilen

Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums betonte, die Grenzwerte fußten "auf solider wissenschaftlicher Basis". Es sei "unbestritten", dass Feinstaub und Stickoxide den Körper belasteten und die Lebenszeit verkürzen können. Zugleich verwies das Ministerium in einer Mitteilung am Abend auf die Position der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), wonach es keinen belastbaren Schwellenwert gebe, "bei dem sich Erkrankungen vollständig ausschließen ließen und somit auch bei niedrigeren Werten unter dem Grenzwert gesundheitliche Belastungen möglich sind".

EU-Umweltkommissar: Grenzwerte wissenschaftlich belegt

Auch EU-Umweltkommissar Karmenu Vella erklärte, die geltenden EU-Grenzwerte von 40 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel basierten auf "soliden wissenschaftlichen Erkenntnissen" der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität müssten "dringend" beschleunigt werden.

Lungenfachärzte: Feinstaubkonzentration in Zigaretten viel höher

Eine Gruppe von mehr als 100 Medizinern kritisierte in einer Stellungnahme, es gebe derzeit "keine wissenschaftliche Begründung für die aktuellen Grenzwerte" für Feinstaub und Stickoxide. In einer Stellungnahme heißt es, die Daten seien einseitig interpretiert worden. Andere Faktoren wie Lebensstil, Rauchen, Alkoholkonsum oder Bewegung hätten weitaus stärkere Auswirkungen auf Krankheitshäufigkeit und Lebenserwartung. Die Lungenfachärzte verwiesen auch darauf, dass die Feinstaubkonzentration in Zigarettenrauch bis zu einer Million Mal größer als der Grenzwert sei.

Städtebund fordert Neubewertung der Schadstoff-Grenzwerte

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sieht in der Kritik der Ärztegruppe einen wichtigen Beitrag, um "Sachlichkeit" in die Dieseldebatte zu bringen. Der Städtebund forderte eine Neubewertung der Schadstoff-Grenzwerte in Innenstädten. "Eine sachliche Diskussion über Grenzwerte und die Gesundheitsgefährdung ist dringend erforderlich", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe. FDP-Fraktionsvize Frank Sitta brachte eine Bundestagsabstimmung über ein Moratorium für Stickoxid-Grenzwerte ins Gespräch.

Grüne sprechen von Ablenkungsmanöver

Die Grünen sprachen hingegen von einem "Ablenkungsmanöver". Die Debatte "chaotisiert die ohnehin schon unübersichtliche Lage bei den Fahrverboten", erklärte Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer. In der Forschung gebe es einen breiten Konsens, dass die Stickoxid-Grenzwerte eigentlich noch verschärft werden sollten.

Widerspruch von anderen Medizinern

Widerspruch kam auch aus der Fachwelt. Der stellvertretende Direktor der Zentrums für Epidemiologie (EPI) am Helmholtz-Zentrum München, Holger Schulz, nannte es "irritierend und leichtfertig" von den Ärzten, die umfangreichen Forschungsergebnisse und hohen wissenschaftlichen Standards "so einfach vom Tisch zu wischen".

Der Konflikt im Fachverband der Lungenärzte hat große Bedeutung für die derzeit laufende Diskussion um Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge. Der aktuelle Grenzwert von 40 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel wird in vielen deutschen Städten überschritten, zahlreiche Verwaltungsgerichte hatten daraufhin Fahrverbote für Diesel-PKW verhängt. Der Wert basiert auf einer Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation. Andere Länder wie zum Beispiel die USA sind dieser Empfehlung nicht gefolgt, weil sie die wissenschaftliche Basis für unzureichend hielten. In fast allen Bundesstaaten der USA gilt mit 103 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter ein wesentlich höherer Jahresmittelwert. Mit diesem Wert gäbe es in Deutschland keine Fahrverbote für Diesel-Pkw.

Sendung

B5 aktuell

Von
  • BR24 Redaktion
Schlagwörter