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Die Basis der AfD hat entschieden: Alice Weidel und Tino Chrupalla sollen als Spitzenduo in den Wahlkampf ziehen.

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Was das Team Weidel-Chrupalla für die AfD bedeutet

Die Basis der AfD hat entschieden: Alice Weidel und Tino Chrupalla sollen als Spitzenduo in den Wahlkampf ziehen. Das Wunschteam von Co-Parteichef Jörg Meuthen fiel im Wahlergebnis deutlich ab – das schwächt Meuthen im innerparteilichen Machtkampf.

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Von
  • Birgit Schmeitzner

Das Duo Alice Weidel/Tino Chrupalla kam in der Online-Abstimmung auf 71 Prozent. Joana Cotar und Joachim Wundrak, die sich als "frischen Wind" für die AfD beworben hatten, landeten bei 27 Prozent. Rund 32.000 AfD-Mitglieder hatten in den vergangenen Tagen ihr Wunschteam für den Wahlkampf wählen können, knapp die Hälfte davon machte von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Das ist eine Beteiligung, die nicht recht passen will zu einer Partei, die so offensiv für Basisdemokratie ist – aber von Weidel und Chrupalla als "extrem hoch und repräsentativ" angesehen wird.

AfD will Wahlkampf gegen die CDU machen

Die Bundestags-Fraktionschefin und der Co-Parteichef sollen also den Wahlkampf-Auftritt der AfD prägen und erklären dafür den innerparteilichen Machtkampf der vergangenen Monate als befriedet. Chrupalla bezeichnet das Abstimmungsergebnis als klares Votum für ein Ende der Richtungsdebatte.

Den größten politischen Gegner sieht das AfD-Spitzenduo in der CDU. Auch wenn, wie Weidel einräumt, die Grünen Themen besetzen, die für junge Menschen sehr wichtig seien. Chrupalla ist der Ansicht, dass die CDU derzeit "von beiden Seiten zerrieben" wird, das sei für die AfD "perfekt". Inhaltlich werde es im Wahlkampf darum gehen, wie die Wirtschaft nach Corona wieder stark werden kann. Der Lockdown sei "völlig überzogen", Grundrechte verkämen zu "Gnadenrechten".

Basis will lieber bekannte Gesichter

Weidel und Chrupalla gehören zu den bekanntesten Gesichtern der Partei. Sie sind über ihre Funktionärsposten gut vernetzt und mit Macht ausgestattet und verstehen sich, wie Chrupalla es formuliert, durch die gemeinsame Arbeit in Fraktion und Vorstand "fast blind". Das alles spricht für "Zugpferd"-Qualitäten im anstehenden Bundestagswahlkampf.

Das mag so manch innerparteiliche Bedenken wegen ihrer guten Vernetzung mit dem völkischen Lager um den Thüringer Landeschef Björn Höcke überstrahlt haben.

Meuthens Abgrenzung zu Höcke

Einer, der für diese Bedenken steht, ist Chrupallas Co-Parteichef Jörg Meuthen. Der AfD-Europaabgeordnete ist zuletzt deutlich von Höcke abgerückt und beansprucht für sich, die "Gemäßigten" in der Partei zu repräsentieren.

Meuthen hatte ein Team favorisiert, das im Sinne der innerparteilichen Strömungen ausbalancierter gewesen wäre: Der von der Ost-AfD unterstützte sächsische Handwerksmeister Chrupalla stand ja schon seit Monaten bereit. Meuthen hätte dazu gern Joana Cotar im Spitzenteam gesehen. Die Bundestagsabgeordnete stammt aus Hessen und deckt damit Westdeutschland ab. Sie formuliert durchaus scharf – will aber nicht dem Höcke-Lager zugerechnet werden.

Wenn mitreißende Reden den Unterschied machen"

Das Team Chrupalla/Cotar hätte beim Parteitag in Dresden gute Chancen bei den Delegierten gehabt. Alice Weidel wollte dort gar nicht erst antreten, Cotar ist eine versierte Rednerin und hätte wohl Stimmung für sich machen können. Bei der Online-Abstimmung der AfD-Mitglieder fehlte ihr nun aber dieser Rückenwind.

Den brachte auch ihr Tandem-Partner Joachim Wundrak, ein Drei-Sterne-General im Ruhestand, nicht mit. Er ist zwar Spitzenkandidat der Niedersachsen-AfD für die Bundestagswahl, hat aber als politische Erfahrung bisher nur eine gescheiterte Kandidatur für das Oberbürgermeisteramt in Hannover vorzuweisen.

Co-Parteichef Meuthen auf Abruf

Das Scheitern von Cotar und Wundrak ist auch ein Scheitern von Meuthen. Sein Vorstoß, nicht die Parteitags-Delegierten, sondern alle AfD-Mitglieder entscheiden zu lassen, hat sich als taktischer Fehler herausgestellt. Dass sich "sein" Team nicht durchsetzen konnte, bedeutet auch: Es gibt an der Basis keine Mehrheit für Meuthens innerparteiliche Abgrenzung zu Höcke und dessen formal aufgelösten Flügel.

Das hatte sich bereits beim Parteitag in Dresden abgezeichnet, als die Delegierten das Wahlprogramm im Sinne des Höcke-Lagers verschärft haben – beim Thema Austritt aus der EU sogar gegen die eindringliche Mahnung Meuthens.

Weidel wieder im Aufwind

Weidel hingegen kann sich freuen. Ihre Wahlschlappe bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg hat ihr innerparteilich nicht geschadet. Auch die drohende Strafe wegen dubioser Spenden und der Unmut in der Bundestagsfraktion über ihren Führungsstil scheint die AfD-Mitglieder nicht zu stören.

Weidel ist mit dem heutigen Wahlergebnis im Aufwind. Mit einem entsprechenden Bundestagswahlergebnis könnte sie bei der AfD-Vorstandswahl Ende des Jahres aufrücken – von der stellvertretenden Bundessprecherin zur Co-Vorsitzenden. Zu ihren Ambitionen wollte sie sich heute aber noch nicht äußern. Bis dahin werde noch viel Wasser durch den Rhein fließen.

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