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Bildrechte: picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte

Der Verfassungschutz geht vor der Bundestagswahl bei einem insgesamt niedrigen Niveau von einer Zunahme von Cyberattacken aus. Die Behörde beobachtet unter anderem Versuche, die privaten E-Mail-Adressen von Abgeordneten zu kapern.

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Bundestagswahl: Politiker bekommen IT-Nachhilfe

In gut zwei Monaten ist Bundestagswahl und die Sorge vor Hackerangriffen steigt. Deshalb klopfen die Behörden das deutsche Wahlsystem nach Schwachstellen ab und bieten Politikern IT-Nachhilfe an.

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Von
  • Christian Sachsinger

Bundesinnenminister Horst Seehofer hat seine wichtigsten Berater zur Pressekonferenz mitgebracht und versucht erst einmal Ruhe auszustrahlen. Er könne der Öffentlichkeit sagen, dass Vorbereitung und Durchführung der Wahl sicher seien und dass die Behörden auch in den nächsten Wochen alles Erdenkliche tun würden, damit das so bleibe.

Zu diesen Behörden gehört zunächst einmal das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV). Dessen Präsident Thomas Haldenwang geht etwas tiefer ins Detail und dabei schwindet der beruhigende Anfangseindruck gleich wieder ein wenig. "Wir sehen durchaus das Interesse bestimmter Staaten auch auf die diesjährige Bundestagswahl Einfluss nehmen zu wollen", räumt Haldenwang ein. Auch wenn die Aktivitäten derzeit angeblich noch auf niedrigem Niveau stattfinden, so laufen sich die Hacker offensichtlich schon mal warm. Man sehe durchaus Vorbereitungshandlungen, die dann gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt intensiver genutzt werden könnten, so der oberste Verfassungsschützer.

Gute Hacker versuchen Wahlsystem zu hacken

Bundeswahlleiter Georg Thiel erklärt, wie man es den Cyberkriminellen so schwer wie möglich machen will. Dabei wird zunächst die Wahlsoftware ausführlich abgeklopft. Mit Hilfe sogenannter Penetrationstests versuchen "gute" Hacker mögliche Lücken zu finden und helfen, diese zu schließen. Eine Woche vor der Bundestagswahl werden die IT-Systeme des Wahlteams dann eingefroren.

Das heißt, die Programme werden von niemandem mehr angerührt, damit sich bis zum großen Tag nichts mehr verändert. Zuständig für diese technischen Sicherheitschecks ist Arne Schönbohm, der Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Was kann vor der Bundestagswahl schiefgehen?

Derzeit rollt eine Angriffswelle auf Bundestags- und Landtagsabgeordnete. Innenminister Seehofer bestätigt Berichte, wonach seit Februar mehrere hundert Attacken auf die Mailaccounts von Abgeordneten registriert worden sind –die Vorbereitungshandlungen der Hacker, von denen BfV-Chef Haldenwang sprach. So wie es aussieht, steckt der russische Geheimdienst GRU dahinter.

Mit gekaperten Mail-Accounts lässt sich Verwirrung stiften, man kann Mails im Namen von Abgeordneten verschicken und darin falsche Dinge behaupten, die dann erst einmal glaubwürdig erscheinen. Zudem kommen Kriminelle über Mail-Accounts womöglich auch an geheime Dokumente. Wie kompromittierende Informationen eine Wahl sogar kippen können, ließ sich bei den US-Präsidentschaftswahlen 2016 beobachten. Damals wurden der Mail-Account von Bewerberin Hillary Clinton gehackt.

BSI gibt Politikern IT-Unterricht

Um alle Kandidaten vor größeren Pannen zu bewahren, hat das BSI eine Art Nachhilfe-Kurs eingerichtet. Hier können sich alle zur Wahl zugelassenen Parteien noch einmal genau zeigen lassen, welche Angriffsversuche es gibt und wie man sich am besten davor schützt. Die Politiker werden auch dabei unterstützt, ihre privaten Rechner abzusichern. Viele Hacker-Angriffe führen vor allem über diesen Weg zum Erfolg und nicht über die besser abgesicherten Büro-Rechner. Außerdem springt das BSI allen zur Seite, die das Gefühl haben, tatsächlich gehackt worden zu sein.

Und aus welchen Ländern kommen die Angriffe?

Weder der Bundesinnenminister, noch einer seiner Behördenleiter will offiziell mit dem Finger auf einzelne Länder zeigen. Allerdings ist es ein offenes Geheimnis, dass vor allem Russland versucht, auf westliche Wahlen und politische Strukturen Einfluss zu nehmen. Bestes Beispiel: der Angriff auf den deutschen Bundestag im Jahr 2015. Es wurde eindeutig nachgewiesen, dass ein Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes hinter diesem Hack stand.

Für Horst Seehofer sind allerdings gar nicht unbedingt solche Angriffe aus anderen Ländern das größte Problem. Seiner Überzeugung nach gibt es im Inland genügend Demokratiefeinde, die die Behörden auf Trab halten. Gleichzeitig versucht der Minister die Bevölkerung für Fake-News zu sensibilisieren: „Und da kann ich nur appellieren an die gesamte Bevölkerung, damit aufmerksam und aufgeklärt umzugehen.“

Wie sicher ist die Bundestagswahl selbst?

Bundeswahlleiter Georg Thiel ist zuversichtlich. Selbst wenn es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen gelingen sollte, die Wahl-IT zu hacken, so liegen die Stimmen ja immer noch schwarz auf weiß vor. Anders als etwa in den USA gebe es hierzulande ja keine Wahlautomaten, sondern nur Wahlzettel., so Thiel. Die aufgestellten Computer, mit denen man in manchen Staaten sein Kreuz per Mausklick machen kann, sind - das haben Experten bereits gezeigt - relativ leicht knacken. Solche Stimmen sind dann endgültig verloren. Das Kreuz auf dem Papier kann man aber nicht hacken.

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Der Bundestagswahlkampf ist in vollem Gange - auch für die Sicherheitsbehörden. Es gibt immer mehr Cyberangriffe gegen Politiker und Versuche, die Wahl zu manipulieren. Oft stecken ausländische Geheimdienste dahinter.

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