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Die AfD-Basis soll entscheiden, wer auf die Plakate für die Bundestagswahl kommt: Alice Weidel und Tino Chrupalla, die zu den bekanntesten AfD-Gesichtern gehören? Oder doch lieber Joana Cotar und Joachim Wundrak, die deutlich weniger bekannt sind?

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Bundestagswahl: Der interne Vorwahlkampf der AfD

Die AfD-Basis soll entscheiden, wer auf die Plakate für die Bundestagswahl kommt: Alice Weidel und Tino Chrupalla, die zu den bekanntesten AfD-Gesichtern gehören? Oder doch lieber Joana Cotar und Joachim Wundrak, die deutlich weniger bekannt sind?

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Von
  • Birgit Schmeitzner

In den kommenden Tagen bekommen rund 32.000 AfD-Mitglieder Post. Sie erhalten einen personalisierten Online-Link, über den sie dann abstimmen können: Welches Spitzenduo soll die Partei in den Bundestagswahlkampf führen? Joana Cotar und Joachim Wundrak oder Alice Weidel zusammen mit Tino Chrupalla. Das Ergebnis soll am 25. Mai feststehen. Sollte es nicht eindeutig sein, wäre ein zweiter Wahlgang nötig mit einem Ergebnis am 2. Juni. Wer steht nun zur Auswahl? Ein Überblick über die vier Kandidaten:

AfD-Kandidatin Joana Cotar

Joana Cotar ist 48 Jahre alt, sie kam als Kind mit ihrer Familie aus Rumänien nach Deutschland. Die Politologin ist AfD-Mitglied der ersten Stunde. Sie sitzt für den Landesverband Hessen im Bundestag und ist digitalpolitische Sprecherin der Fraktion. Sie beansprucht für sich das Label "freiheitlich" – und sie nutzt schon mal antisemitische Codes, etwa wenn sie über die Grünen-Spitzenkandidatin Baerbock redet, die der "Liebling von Globalisten" sei.

AfD-Kandidat Joachim Wundrak

Cotar bewirbt sich gemeinsam mit Joachim Wundrak, der einen ganz anderen Werdegang hat als sie: Er war 44 Jahre lang bei der Bundeswehr, zuletzt als Generalleutnant bei der Luftwaffe. Er ist seit 2018 im Ruhestand. Wundrak gilt als preußisch korrekt und ehrgeizig. Er hatte sich 2019 – erfolglos – für das Oberbürgermeisteramt in Hannover beworben und ist jetzt Spitzenkandidat der AfD Niedersachsen für die Bundestagswahl.

AfD-Kandidatin Alice Weidel

Die promovierte Volkswirtin Alice Weidel kam wegen der Anti-Euro-Politik zur AfD. Sie gab sich anfangs gemäßigt, hat aber inzwischen den Ruf einer "Scharfmacherin". Allerdings ist der Führungsstil der 42-Jährigen nicht unumstritten. Auch hat sie mit ihrem Landesverband Baden-Württemberg jüngst eine Wahlschlappe eingefahren und dazu kommen noch drohende Strafzahlungen wegen dubioser Spenden.

AfD-Kandidat Tino Chrupalla

Co-Parteichef Tino Chrupalla ist wie Weidel in der Partei ganz oben angekommen und dementsprechend gut vernetzt. Er steht für die starken Ost-Landesverbände der AfD. Der 45 Jahre alte Malermeister hat in seinem Wahlkreis Görlitz den späteren sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer von der CDU besiegt. Chrupallas Themen: der Mittelstand, Wirtschaft und Energie – den menschengemachten Klimawandel sieht er als "Hype".

Anbindung an den rechten AfD-Parteiflügel

Entscheidend bei der Online-Wahl der AfD-Mitglieder wird wohl eine Frage sein: Wie nahe stehen die Kandidaten-Teams dem Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke und seiner völkischen Denkweise? Chrupalla und Weidel setzen auf Höckes Unterstützung. Ganz anders Cotar und Wundrak, die als Wunsch-Kandidaten von Co-Parteichef Jörg Meuthen gelten. Auf die Frage, ob sie gemeinsam mit Höcke Wahlkampf-Auftritte machen würden, geben sich Cotar und Wundrak schmallippig: Das werde zu entscheiden sein.

Und was ist mit der Aufteilung Ost-West?

Das Team Weidel/Chrupalla deckt beides ab: Sie kommt aus Baden-Württemberg, er aus Sachsen. Beim Duo Cotar/Wundrak sieht das anders aus: Sie ist aus Hessen, er aus Niedersachsen, beides also westdeutsche Bundesländer. Co-Parteichef Meuthen sieht das nicht als Nachteil an, er sagt, die Aufteilung Ost/West solle doch der Vergangenheit angehören.

Prinzipiell lässt sich eines feststellen: Die AfD ist im Vergleich zu den anderen Parteien in Ostdeutschland stärker als in den westdeutschen Bundesländern. Betrachtet man aber die Zahl der Mitglieder und der potentiellen Wähler, so gibt es weitaus mehr im Westen als im Osten.

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