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Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer.
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Birgit Schmeitzner
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Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer.

9. November 1918

Am frühen Nachmittag tritt der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann auf den Balkon des Lesezimmers im Reichstag. Er ruft die erste deutsche Republik aus. Ein Tondokument von damals gibt es nicht, aber eine von Scheidemann einige Jahre später produzierte Schallplattenaufnahme: "Das alte und morsche, die Monarchie ist zusammengebrochen. Es lebe das Neue! Es lebe die Deutsche Republik!" Das Kaiserreich ist Geschichte. Wilhelm II. unterschreibt die Abdankungsurkunde, bekommt eine großzügige Abfindung und lebt fortan im Exil. Deutschland wird zur parlamentarischen Demokratie. Die Weimarer Republik endet mit der Machtergreifung durch Adolf Hitler im Januar 1933.

9. November 1938

Eine Hetzrede von Propagandaminister Joseph Goebbels löst die Reichs­pogrom­nacht aus. In der Nacht auf den 10. November brennen Synagogen. Schläger­trupps ziehen durch die Straßen, demolieren jüdische Geschäfte, greifen Juden an, verschleppen sie. Eine Zeitzeugin: Hedy Epstein, damals ein kleines Mädchen in Baden-Württemberg. Epstein ist vor zweieinhalb Jahren gestorben, im Bildarchiv des Hauses der Bayerischen Geschichte findet sich aber ein Zeitzeugeninterview mit ihr. Darin erinnert sie sich, wie sie am Morgen nach der Progromnacht ins Klassenzimmer kam und plötzlich der Direktor vor ihr stand: "Ich war damals das einzige jüdische Kind in der Klasse. Und auf einmal deutete er seinen Finger auf mich und sagte: Raus mit Dir, Du Dreckjude!"

Verunsichert sei sie gewesen, erinnert sich Epstein, sie habe darüber nachgedacht, was sie falsch gemacht haben könnte. Dabei war es der Antisemitismus, der eine neue Dimension erreichte. Die Reichspogromnacht - ein Vorbote des Holocausts.

9. November 1989

Es ist ein Missverständnis, das den Fall der Berliner Mauer einläutet: Günter Schabowski, Mitglied im Politbüro der DDR-Staatspartei SED, hält eine Pressekonferenz. Die Frage nach dem Entwurf für eine neue Reiseregelung trifft ihn unvorbereitet. Er sucht nach Unterlagen, spricht von vereinfachter Ausreise, von der souveränen Entscheidung des Bürgers, zu reisen, wohin er will. Auf die Frage, wann das in Kraft tritt, antwortet er verunsichert: "Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort … unverzüglich." Westliche Nachrichtenagenturen und Fernsehsender greifen die Meldung auf. Ost-Berliner, die die im DDR-Fernsehen live übertragene Pressekonferenz gesehen haben, strömen zur Mauer. Einige Stunden später kapitulieren die Grenzposten vor dem Ansturm. Die innerdeutsche Grenze öffnet sich. Auch weil sich zusätzlich der Eiserne Vorhang öffnet, wird die Wiedervereinigung Deutschlands möglich.