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Bundestag beschließt Masern-Impfpflicht | BR24

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Masernimpfpflicht für Kitas und Schulen: Der Bundestag hat ein Gesetz verabschiedet, das den Schutz vor Masern erhöhen soll.

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Bundestag beschließt Masern-Impfpflicht

Masern gehören zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten der Welt. Zur stärkeren Eindämmung der Erkrankungen kommt deshalb eine Impfpflicht in Kindergärten und Schulen. Das Gesetz von Gesundheitsminister Spahn soll zum 1. März 2020 in Kraft treten.

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Impfen gehört zum Alltag von Kinderarzt Jakob Maske. Aber immer häufiger kommen impfkritische Eltern in seine Praxis. Wenn der Arzt vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte dann über die Risiken von Krankheiten aufklärt, kann er die Eltern meist überzeugen.

Der Kinderarzt warnt, dass Masern im schlimmsten Fall zu einer tödlichen Gehirnentzündung führen können. "Masern können aber auch noch andere Komplikationen hervorrufen, wie zum Beispiel Ohrenentzündungen, die dann zu lebenslangen Hörstörungen führen, schwere Lungenentzündungen etc.", sagt der Arzt.

Impfquote bei Masern ist zu gering

Nur wenn mindestens 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sind, können sich Masern nicht mehr ausbreiten. Erst dann wären auch die geschützt, die sich nicht impfen lassen können, zum Beispiel weil sie krank sind. Oder Babys, die noch zu jung zum Impfen sind. Laut Robert Koch-Institut waren zuletzt 92,8 Prozent der Schulanfänger ausreichend gegen Masern geschützt. Dafür sind zwei Impfungen nötig. Die Impfquote in Deutschland ist also noch zu gering, um Masernausbrüche zu verhindern.

Spahn will Masern-Impfpflicht einführen

Kinderarzt Jakob Maske findet es deshalb gut, dass Bundesgesundheitsminister Spahn eine Masern-Impfpflicht einführen will. Spahn räumt ein, dass eine Pflicht zum Impfen ein Eingriff in die "körperliche Unversehrtheit" sei. Der Bundesgesundheitsminister hält das in der Abwägung aber für vertretbar. Spahn sagt, es gehöre zur Freiheit auch dazu, "dass ich mich darauf verlassen kann, dass mich andere nicht unnötig gefährden. Und eine Maserninfektion jedenfalls wäre eine unnötige Gefährdung, weil es eben einen sehr, sehr sicheren Impfstoff gibt."

Bei Verstößen können Gesundheitsämter Bußgelder verhängen

Spahns Gesetz sieht vor, dass Kinder, die in die Kita oder die Schule gehen, geimpft sein müssen. Gleiches gilt für Erzieher, Lehrer, medizinisches Personal und Asylbewerber, die in Gemeinschaftsunterkünften leben. Die Gesundheitsämter sollen das kontrollieren. Bei Verstößen können sie Bußgelder von bis zu 2.500 Euro verhängen oder nicht-geimpften Kindern den Besuch einer Kita verbieten.

Sind Gesundheitsämter mit der Kontrolle überfordert?

Der Kinderarzt Jakob Maske bezweifelt, dass die Gesundheitsämter dieser Aufgabe gewachsen sind. Er sagt, der öffentliche Gesundheitsdienst sei auch jetzt schon völlig überfordert und leider seien dessen Gelder in der letzten Zeit eher gekürzt worden, als dass man ihn unterstützt habe von Seiten der Politik. Ein Problem, das auch die Psychologin und Professorin für Gesundheitskommunikation Cornelia Betsch sieht. Die Wissenschaftlerin der Universität Erfurt hat dazu geforscht, warum Menschen sich impfen lassen oder sich dagegen entscheiden.

Impfpflicht – womöglich Aufwind für Impfgegner?

Betsch kommt zum Ergebnis, dass eine Impfpflicht nicht ausschlaggebend dafür ist, dass die Impfquote steigt. Die Psychologin sieht sogar die Gefahr, dass Impfgegner durch eine Impfpflicht Aufwind bekommen könnten und freiwillige Impfungen weniger wahrgenommen werden. Sie sagt, "dass eine Investition in wieder impfende Gesundheitsämter hier eigentlich klüger wäre. Dann könnten die zum Beispiel wieder in Schulen gehen, in Kindergärten und wieder eine Impfstelle aufmachen."

Reihenimpfungen in Schulen

Im Gesetz der Bundesregierung heißt es hierzu, dass die Krankenkassen mit dem öffentlichen Gesundheitsdienst zusammenarbeiten sollen. Zum Beispiel, um Reihenimpfungen in Schulen anzubieten, sagt der Bundesgesundheitsminister. Die Wissenschaftlerin Betsch hält das für hilfreich, wenn solche Angebote zügig umgesetzt werden. Im Kern geht es aus ihrer Sicht darum, es den Menschen so einfach wie möglich zu machen, sich impfen zu lassen.

Psychologin fordert automatisches Impf-Erinnerungssystem

Die Psychologin plädiert deshalb dafür, ein automatisches Impf-Erinnerungssystem einzuführen: "Zum Beispiel durch die Krankenkassen, die die Daten ja haben, oder auch durch die Ärzte. Das würde sicherlich einen guten Effekt zeigen." Kinderarzt Jakob Maske bemüht sich schon jetzt darum, seine kleinen Patienten und deren Eltern an nötige Impfungen zu erinnern. Denn oftmals sind auch die Eltern nicht ausreichend gegen Masern geschützt.

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Kinder und Personal in Kindertagesstätten und Schulen müssen künftig gegen Masern geimpft sein. Der Bundestag beschloss ein Gesetz von Bundesgesundheitsminister Spahn. Es soll zum ersten März kommenden Jahres in Kraft treten.