BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Bundesregierung ordert Millionen Antikörper-Tests | BR24

© BR

Bundesgesundheitsminister Spahn und Ministerpräsident Söder haben das Roche-Entwicklungslabor in Penzberg besucht. Dort wird der neue serologischen Antikörpertest produziert. Mitte Mai erfolgt die Markteinführung.

28
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Bundesregierung ordert Millionen Antikörper-Tests

Dank eines neuen Tests auf Antikörper gegen Corona will die Bundesregierung einen besseren Überblick über das Infektionsgeschehen gewinnen. Laut Gesundheitsminister Spahn liefert der Pharmakonzern Roche schon im Mai drei Millionen dieser Tests.

28
Per Mail sharen

Das Pharmaunternehmen Roche bringt einen neuen Bluttest auf Antikörper gegen das neuartige Coronavirus auf den Markt - und die Bundesregierung hat schon mehrere Millionen geordert. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte bei einem Besuch am oberbayerischen Roche-Standort Penzberg, das Unternehmen habe zugesichert, dass drei Millionen dieser Tests bereits in diesem Monat zur Verfügung stehen würden. Für die nächsten Monate sind demnach jeweils fünf Millionen monatlich eingeplant.

Die Entwicklung des Antikörper-Tests bezeichnete Spahn als "wichtige Wegmarke" im Kampf gegen Corona. Der neue Qualitätsstandard des Tests sei eine sehr gute Nachricht. Die zweite sehr gute Nachricht sei "die hohe Stückzahl, die hier produziert werden kann". Mit dem Test könne nachgewiesen werden, wer eine Corona-Infektion schon durchgemacht habe. Noch im Mai erhofft sich Spahn dadurch "eine bessere Übersicht" über die Gesamtzahl der bereits infiziert gewesenen Menschen.

"Immunitäts-Ausweis": Spahn zurückhaltend

Ob Antikörper auch eine Immunität bedeuten, ist bisher allerdings noch nicht abschließend nachgewiesen. Entsprechend zurückhaltend äußerte sich Spahn über einen möglichen "Immunitäts-Ausweis", der die positiv auf Antikörper getesteten Menschen von den aktuell geltenden Beschränkungen ausnehmen würde. Zunächst wolle man eine entsprechende Einschätzung des Deutschen Ethikrats abwarten, auch mit Blick auf die gesellschaftlichen Auswirkungen einer solchen Zweiteilung. "Bis dahin wird es keine gesetzliche Regelung dazu geben", betonte Spahn.

Roche-Verwaltungsratspräsident Christoph Franz erklärte, perspektivisch wolle das Unternehmen über 100 Millionen Tests im Monat produzieren. Man rede da "nicht von mehreren hundert Euro", betonte Franz mit Blick auf die Kosten pro Test-Kit. Laut Gesundheitsminister Spahn kann sich in Deutschland schon bald grundsätzlich jeder "nach Verfügbarkeit" testen lassen. In welchen Fällen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten übernehmen, soll noch geklärt werden. Dass Roche die Tests weltweit zum gleichen Preis verkaufen wolle, sei "fair gegenüber anderen Ländern".

© BR

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) informierten sich im Roche-Entwicklungslabor über den neuen serologischen Test Elecsys Anti-Sars-CoV-2.

Turczynski: "Immunität steht auf einem anderen Blatt"

Der Bundesgesundheitsminister erwähnte auch, dass die Bundesregierung auch von anderen Unternehmen Tests kaufe, beispielsweise vom Hersteller Euroimmun. Allerdings seien viele der aktuell angebotenen Tests nicht zuverlässig genug.

Laut BR-Wissenschaftsredakteurin Jeanne Turczynski ist der heute vorgestellte Test bei den genannten Werten tatsächlich besser und präziser als die bisher verfügbaren. Sie gab bei #BR24Live aber zu bedenken, dass die Zahlen bisher ausschließlich auf den Angaben des Herstellers beruhten. Zudem stehe die Frage nach der Immunität auf einem anderen Blatt. Mit Antikörper-Tests erfahre man lediglich etwas darüber, "ob jemand die Krankheit schon durchgemacht hat". Dennoch gibt es laut Turczynski Hinweise darauf, dass es nach durchstandener Infektion "eine gewisse Immunität wahrscheinlich für eine gewisse Zeit" gebe.

Söder: "weltweit führendes Testverfahren"

Auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach bei dem Pressetermin von einem "wichtigen Schritt" im Kampf gegen das Coronavirus. Mit diesem "weltweit führenden Testverfahren" könnten wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden, wie der Umgang mit Corona erleichtert werden könne. Söder kündigte den Aufbau eines Zentrums für Pandemie und Infektionsforschung in Penzberg an, an dem sich der Freistaat mit 40 Millionen Euro beteiligen werde.

"Arbeitsplätze der Zukunft"

Der Ministerpräsident betonte anschließend im BR24-Interview, Süddeutschland solle zu einem Zentrum der Anti-Corona-Forschung werden. "Wir werden mit Roche reden, wir werden aber auch mit universitären Partnern reden, um da ein richtiges Cluster zu entwickeln." Söder zeigte sich überzeugt, "dass wir solche Entwicklungen wie jetzt mit Corona noch öfter bekommen werden". Daher gelte es jetzt, sich darauf vorzubereiten. "Das wurde in den letzten Jahren viel zu viel vernachlässigt, auch international."

Das Forschungszentrum werde unter anderem zu einer Stärkung der Universitäten führen, sagte Söder. "Und man darf nicht vergessen, da sind auch Arbeitsplätze der Zukunft dahinter." Nach der Corona-Krise müsse Bayern wieder durchstarten, "und da wird der Medizinsektor eine wichtige Rolle spielen".

© BR

Ministerpräsident Markus Söder zeigt sich beim Besuch im Forschungszentrum der Firma Roche beeindruckt.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!