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Bundesrat: Mehr Freiheiten für Sauen im Kastenstand | BR24

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Mehr Bewegungsfreiheit für Zuchtschweine - dafür hat heute der Bundesrat gestimmt. Bislang verbringen die Tiere einen Großteil ihres Lebens zwischen Metallgittern, in so genannten Kastenständen. Jetzt sollen sie deutlich mehr Raum bekommen.

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Bundesrat: Mehr Freiheiten für Sauen im Kastenstand

Muttersauen bekommen in deutschen Schweineställen mehr Freiheiten. Das hat heute der Bundesrat entschieden. Das Ergebnis ist ein Kompromiss, aber sowohl Tierschützer als auch Bauern sind unzufrieden.

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Dass Sauen über viele Wochen in engen Käfigen, sogenannten Kastenständen, gehalten werden, ist ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Nach jahrelangen Diskussionen hat der Bundesrat heute Verbesserungen beschlossen: es ging um Maße, um die Verweildauer der Tiere im Kastenstand und um Übergangsfristen für die betroffenen Landwirte.

Tierschützer kritisieren Entscheidung

In den Kastenständen können sich Muttersauen kaum bewegen. Nur ein Schritt nach vorne oder hinten geht, umdrehen ist nicht möglich. Das ist Tierquälerei, sagen Tierschützer. Mit der heutigen Entscheidung würden illegale Zustände legalisiert.

"Das ist an Scheinheiligkeit nicht mehr zu überbieten…. Sauen werden weiterhin einen beträchtlichen Teil ihres Lebens in Käfigen verbringen - man muss sich schon sehr verbiegen, um darin einen Wendepunkt für die Tiere zu sehen." Mahi Klosterhalfen, Präsident der Albert-Schweitzer Stiftung

Auch Landwirte sind unzufrieden

Auch die Bauern kritisieren die Entscheidung.

"Wir haben große Sorgen, dass gerade kleine und mittlere Betriebe, die Politik und Gesellschaft sich doch stets wünschen, diese Anforderungen und die damit verbundenen Investitionskosten nicht stemmen können und die Sauenhaltung aufgeben." Walter Heidl, Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, in einer Stellungnahme

Sauen dürfen nach Besamung nicht mehr eingesperrt werden

Sauen werden bisher für vier Wochen in einem Kastenstand fixiert, wenn sie künstlich besamt werden. Der Grund: wenn man sie nach der Besamung in Gruppen hält, verletzen sie sich bei Rangkämpfen, das kann zu Abgängen in den ersten Wochen führen. Erst wenn die befruchteten Eier sich fest in der Gebärmutter eingenistet haben, also nach vier Wochen, dürfen die Tiere in größere Buchten.

Der Bundesrat hat heute entschieden: Die Sauen dürfen im sogenannten Deckzentrum zur künstlichen Besamung nicht mehr im Kastenstand gehalten werden, sondern nur noch für den kurzen Zeitraum der Besamung fixiert werden.

Zum Abferkeln eingesperrt im Ferkelschutzkorb

Kurz bevor die Sauen abferkeln, werden sie wieder eingesperrt, in einen anderen Kastenstand, den sogenannten Ferkelschutzkorb, etwa 2,50 Meter lang, 70 Zentimeter breit. So soll verhindert werden, dass die Schweine nach der Geburt beim Hinlegen ihre Ferkel erdrücken. Die Ferkel werden im Durchschnitt vier Wochen gesäugt. Gestritten wurde im Vorfeld der heutigen Bundesratsentscheidung, ob die Sau während der gesamten Säugezeit im Ferkelschutzkorb verbringen müssen. Das Argument der Landwirte: Das sei Tierschutz für die Ferkel. Der heutige Bundesratsbeschluss: Die Sauen dürfen nur noch fünf Tage im Ferkelschutzkorb eingesperrt werden.

Klöckner zufrieden, Übergangsfristen für die Landwirte

Für die Landwirte ist wichtig, welche Übergangsfristen für die heute beschlossenen Maßnahmen gelten. Für den Kastenstand im Deckzentrum gilt eine Übergangsfrist von acht Jahren, bei Härtefällen zehn Jahre, für den Kastenstand (Ferkelschutzkorb) im Abferkelbereich 15 Jahre.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner meint dazu: "Das setzt im Hinblick auf den Tierschutz neue Maßstäbe und ist in der EU richtungsweisend." Mit 300 Millionen Euro aus dem Konjunkturprogramm will das Bundeslandwirtschaftsministerium die Tierhalter bei der Umstellung für mehr Tierwohl finanziell unterstützen.

Hohe Umbaukosten – Produktion könnte ins Ausland abwandern

Während Tierschutzverbände die Übergangsfristen kritisieren, sind sie den Ferkelerzeugern zu kurz. Ein Stallumbau koste viel Geld. Das Bundeslandwirtschaftsministerium schätzt die nötigen Investitionen auf rund 1,1 Milliarden Euro. Ein Stallneubau in der Landwirtschaft amortisiert sich nach Angaben des Bayerischen Bauernverbandes erst nach einer Nutzungsdauer von 20 bis 25 Jahren.

Außerdem, so die Kritik der Ferkelerzeuger, bedeute mehr Platz für die Schweine weniger Tiere im Stall und somit weniger Einkommen. Manche Landwirte haben schon angekündigt, ihren Stall zuzusperren. Die Konsequenz: die Ferkel würden dann aus dem Ausland kommen, unabhängig davon, welche Tierschutzstandards dort gelten.

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