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Bundesrat entscheidet über Kastenstandhaltung für Muttersauen | BR24

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Bundesrat entscheidet über Kastenstandhaltung für Muttersauen

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    Bundesrat entscheidet über Kastenstandhaltung für Muttersauen

    Über viele Wochen werden Muttersauen bisher in engen Käfigen gehalten, sogenannten Kastenständen. Bereits 2015 bestätigte ein Gericht, dass das gegen das Tierschutzgesetz verstößt. Heute will der Bundesrat mehr Freiheit für Sauen auf den Weg bringen.

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    Von
    • Christine Schneider

    In den Kastenständen können sich Muttersauen kaum bewegen. Nur ein Schritt nach vorne oder hinten geht, umdrehen ist nicht möglich. Das ist Tierschutz, sagen die Landwirte. Das ist Tierquälerei, sagen Tierschützer. Obwohl 2015 mit dem sogenannten Magdeburger Urteil bereits Fakten geschaffen wurden, dass die derzeitige Haltung in Kastenständen nicht rechtskonform sei, hat sich bis heute nichts getan. Heute Mittag soll endlich im Bundesrat Klarheit geschaffen werden.

    Sauen werden zur Besamung eingesperrt

    Sauen werden meist für vier Wochen in einen engen Kastenstand gesperrt, wenn sie künstlich besamt werden. Der Grund: Wenn man sie nach der Besamung in Gruppen hält, verletzen sie sich bei Rangkämpfen, das könnte zu Abgängen in den ersten Wochen führen. Erst wenn die befruchteten Eier sich richtig in der Gebärmutter eingenistet haben, dürfen die Tiere in größere Buchten.

    Sauen können Gliedmaßen nicht ausstrecken

    Sauen können im Kastenstand beim Hinlegen oft ihre Füße nicht komplett ausstrecken, ohne gegen den Körper einer anderen Sau zu stoßen. Diese Praxis im Deckzentrum ist unzulässig, hat das Oberverwaltungsgericht des Landes Sachsen-Anhalt im sogenannten "Magdeburger Urteil" 2015 festgelegt. Denn schon seit 1992 müsste es jeder Sau nach der Nutztierhaltungsverordnung möglich sein, die Gliedmaßen ohne Hindernisse auszustrecken.

    Zum Abferkeln eingesperrt im Ferkelschutzkorb

    Kurz bevor die Sauen abferkeln, werden sie wieder eingesperrt, in einen anderen Kastenstand, den sogenannten Ferkelschutzkorb. So soll verhindert werden, dass die Schweine nach der Geburt beim Hinlegen ihre Ferkel erdrücken. Die Ferkel werden im Durchschnitt vier Wochen gesäugt und danach abgesetzt. Vom Ferkelschutzkorb kommt die Sau dann sofort wieder in den Kastenstand im Deckzentrum, um dort rund fünf Tage nach dem Absetzen der Ferkel wieder besamt zu werden.

    Mehr Freiheit für Muttersauen

    Darüber will der Bundesrat heute entscheiden: über die Maße des Kastenstandes im Deckzentrum, über die maximale Dauer der Fixierung der Sauen und über Übergangsfristen für die Landwirte beim Stallumbau. Hinter den Kulissen war in den letzten Monaten heftig darüber gestritten worden, die Entscheidung im Bundesrat war mehrmals kurzfristig vertagt worden.

    Hohe Umbaukosten – Produktion könnte ins Ausland abwandern

    Während Tierschutzverbände Übergangsfristen von mehreren Jahren kritisieren, sind sie den Ferkelerzeugern viel zu kurz. Nicht jeder könne sofort seine Ställe umbauen, schließlich koste das viel Geld. Das Bundeslandwirtschaftsministerium schätzt die nötigen Investitionen für den Umbau der Schweineställe nach der Verordnung auf rund 1,1 Milliarden Euro. Außerdem, so die Kritik der Ferkelerzeuger, bedeute mehr Platz für die Schweine weniger Tiere im Stall und somit weniger Einkommen. Viele Landwirte haben schon angekündigt, ihren Stall zuzusperren. Die Konsequenz: Die Ferkel würden aus dem Ausland kommen.

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