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Bundesrat billigt Klimapaket: Das bedeutet es für Verbraucher | BR24

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Das Klimapaket der Bundesregierung hat die letzte Hürde genommen. Der Bundesrat stimmte dem im Vermittlungsausschuss ausgehandelten Kompromiss zu.

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Bundesrat billigt Klimapaket: Das bedeutet es für Verbraucher

Auch der Bundesrat hat das Klimapaket der Bundesregierung angenommen. Damit können die einzelnen Vorhaben jetzt nach und nach umgesetzt werden. Sie sollen das Verhalten der Verbraucher steuern. Manches wird teurer – anderes günstiger.

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Nach längeren Verhandlungen zwischen Bund und Ländern hat das Klimapaket jetzt die letzte Hürde überwunden. Auch der Bundesrat hat dem Vorhaben zugestimmt. Im Mittelpunkt steht die Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes in Deutschland: Die Menschen sollen sich umweltfreundlicher verhalten. Gelenkt werden soll das unter anderem über den Geldbeutel.

55 Prozent weniger CO2 bis 2030

Die Bundesregierung will bis zum Jahr 2030 den Ausstoß von CO2 – im Vergleich zu 1990 – um mehr als die Hälfte senken. Große Teile der Industrie und die Stromversorger sind dafür schon seit längerem in den europäischen Emissionshandel eingebunden, dadurch lassen sich staatliche Vorgaben umsetzen. Die Bereiche Verkehr und Gebäudeheizung sind bislang aber nicht reguliert. Das soll jetzt erfolgen.

Bahnfahren wird auf längeren Strecken um etwa 10 Prozent günstiger

In einem ersten Schritt wird dafür die umweltfreundliche Fahrt mit der Bahn günstiger gemacht, zumindest im Fernverkehr ab einer Distanz von 50 Kilometern. Schon ab Januar 2020 sinkt die Mehrwertsteuer für diese Fahrkarten – von 19 auf sieben Prozent. Ein Ticket das heute 100 Euro kostet, ist dann für etwa 90 Euro zu haben. Die Bahn rechnet deshalb im Fernverkehr mit etwa fünf Millionen Fahrgästen zusätzlich im Jahr.

Umlage für Ökostromerzeugung sinkt um etwa zwei Cent

Gesenkt wird ab 2021 auch die Umlage für Erneuerbare Energien. Damit wird im Wesentlichen der Ausbau der Ökostromversorgung bezahlt. Das Bundeswirtschaftsministerium geht im ersten Jahr von einer Absenkung von rund 1,8 Cent für jede Kilowattstunde Strom aus. Kostet sie den Endverbraucher derzeit ungefähr 30 Cent pro Kilowattstunde, wären es dann nur noch 28 Cent, eine Ersparnis von knapp sieben Prozent. Bei 1.000 Euro Stromrechnung wären das im Jahr 2021 um die 70 Euro weniger für Strom – Tendenz steigend.

CO2-Abgabe bezahlt künftig Teile der Ökostromförderung

Finanziert wird die Senkung der EEG-Umlage durch eine neue CO2-Abgabe, die ab 2021 erhoben wird. Im ersten Jahr wird jede Tonne Kohlendioxid, die im Verkehr oder bei der Gebäudeheizung ausgestoßen wird, mit 25 Euro belastet. Der erstmals festgelegte Betrag steigt bis 2025 auf dann 55 Euro pro Tonne CO2. Entsprechend stärker wird dann auch der Strompreis bei der EEG-Umlage entlastet. Später soll es auch hier dann einen Emissionshandel geben, der den Preis ermittelt.

Benzin wird um etwa sieben Cent teurer – Diesel um acht Cent

Der neue CO2-Preis wird unter anderem Benzin und Diesel verteuern. Im ersten Jahr, also 2021, sind es etwa sieben Cent bei Benzin und knapp acht Cent bei Diesel. Bis 2025 verdoppelt sich das dann in etwa. Ob das an den Tankstellen aber auch eins zu eins so weitergegeben wird, muss sich noch herausstellen. Schon heute liegen die täglichen Preisschwankungen an den Tankstellen in einer ähnlichen Größenordnung. Pendler die mehr als 20 Kilometer Entfernung zum Arbeitsplatz haben werden aber bei der Pendlerpauschale entlastet – die steigt, ab dem 21. Kilometer auf 35 Cent.

Teurer werden auch Heizöl und Erdgas

Auch beim Heizen wird es für die meisten Verbraucher teurer werden. Heizöl wird 2021 ähnlich wie Benzin und Diesel um etwa acht Cent pro Liter teurer und jede Kilowattstunde Erdgas einen halben Cent – oder umgerechnet auf den Kubikmeter rund 5 Cent.

Die Luftverkehrsabgabe steigt ebenfalls

Fliegen wird ebenfalls teurer werden. Dafür wird die Luftverkehrsabgabe im April 2020 erhöht. Strecken innerhalb Europas werden so gut fünf Euro teurer, Mittelstrecken knapp 10 Euro und Fernflüge werden mit zusätzlichen 17 Euro belastet.

Was heißt das jetzt für den Verbraucher?

Für Verbraucher, die ihre konkreten Lebensumstände und Verhaltensweisen ja kennen, ist es damit eigentlich recht einfach abzuschätzen, was auf sie zukommt – und wo sie am einfachsten gegensteuern können. Allerdings wird mit dem Klimapaket an so vielen Stellschrauben gedreht, dass Verallgemeinerungen schwierig sind.

Mehrkosten beim Heizen werden nicht durch sinkenden Strompreis ausgeglichen

Am einfachsten lassen sich die Belastungen bei Strom und Heizung abschätzen. Beim Heizen wird eine durchschnittliche Familie etwa 120 Euro im Jahr mehr ausgeben müssen, wenn sie Erdgas nutzt. Heizt sie mit Erdöl werden es 2021 erst einmal um die 160 Euro mehr sein. Bis 2025 verdoppelt sich der Betrag jeweils in etwa. Ein Single kann beim Heizen mit Erdgas von anfänglich 30 Euro mehr ausgehen, bei Heizöl von 40 Euro Mehrkosten im Jahr.

Eine Familie wird beim Strom dafür anfänglich um etwa 60 Euro im Jahr entlastet, ein Single um vielleicht 20 Euro. Auch hier gilt, der Betrag entwickelt sich proportional zur CO2-Abgabe – verdoppelt sich also bis 2025 ungefähr.

Für die meisten wird es teurer

Für die meisten Haushalte in Deutschland wird es unter dem Strich also teurer werden. Und das ist in gewisser Hinsicht auch so beabsichtigt. Wenn die Preise für den Verbrauch steigen, wird es attraktiver den Verbrauch zu senken - sei es durch sparsameren Umgang mit Energie oder die Investition in sparsamere Geräte. Attraktiver wird dadurch auch der Umstieg von Öl und Gas auf andere Brennstoffe oder auch Erneuerbare Energien.