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Bundespolizei warnt: Lebensgefahr bei Selfies auf Gleisen | BR24

© colourbox.com/Bildmontage:BR

Symbolbild: Mädchen bei Selfie

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    Bundespolizei warnt: Lebensgefahr bei Selfies auf Gleisen

    Bahngleise erfreuen sich als Symbol unendlicher Freundschaft großer Beliebtheit - vor allem bei Mädchen. Daher posten sie in sozialen Medien Selfies von sich auf Gleisen. Außerdem gelten solche Selfies als Mutprobe. Das kann tödlich enden.

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    Die Geschichten, die Manfred Ludwig, Präventionsbeauftrager der Bundespolizei im bayerischen Selb, den Schülern einer fünften Klasse einer Schule in Kirchenlamitz erzählt, sind keine Gute-Nacht-Geschichten. Er erzählt von abgetrennten Armen, von Hirnschäden, von Toten. Er zeigt Fotos von zerquetschten Fahrrädern, von einem Kindersarg neben einem Bahnübergang.

    Manfred Ludwig möchte den Schülern keine Angst machen - er möchte sie warnen. Vor dem Spielen im Gleis, vor dem Überqueren eines Bahnüberganges mit heruntergelassener Schranke, vor Mutproben - und vor Selfies im Gleisbett.

    Todesfälle junger Mädchen durch Selfies auf Gleisen

    "Mit solchen Fotos wollen manche Mädchen in sozialen Medien ihre Freundschaft zeigen", erklärt der Polizeimitarbeiter. Die zwei verbundenen und scheinbar unendlichen Schienen empfänden einige Mädchen als Symbol für eine enge Freundschaft. Ein solches Selfie ist eine lebensgefährliche Geste.

    Im schwäbischen Memmingen starben 2011 zwei Mädchen auf den Gleisen. Zwei Jahre später verunglückten zwei Freundinnen im westfälischen Lünen tödlich. "Ihre Instagram-Profile sind gelöscht. Sie brauchen jetzt keine Fotos mehr", sagt Ludwig zu den Schülern. Im oberfränkischen Hof holten Ludwigs Kollegen erst vor wenigen Wochen zwei 14-Jährige samt ihrer Handys aus dem Gleisbett - noch rechtzeitig bevor ein Zug kam.

    Der Bundespolizist rät: "Wenn ihr die Fotos unbedingt für eure sozialen Medien braucht, stellt sie mit Bildbearbeitungsprogrammen nach". Andere Experten würden vielleicht auch davon abraten: Denn auch manipulierte Fotos könnten schließlich weitere Kinder auf die Idee bringen, auf echte Schienen zu gehen.

    Lebensgefahr droht durch Strom der Oberleitungen

    "Fotos auf Bahnanlagen werden auch als Mutprobe gemacht", sagt eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Das Phänomen nehme definitiv zu. Manche Jugendliche kletterten für Fotos auf stehende Züge oder Oberleitungsmasten. Die Oberleitungen sind ebenfalls eine tödliche Gefahr." Der Strom kann bis zu einem Meter überspringen", erklärt Ludwig den Schülern. Brennend stürzte 2017 ein 14-Jähriger in Bremen von einem Mast zu Boden, nachdem er Handyfotos machen wollte.

    Laut Bundespolizei starben 2018 neun Menschen durch Bahnstrom, darunter ein Kind. Insgesamt verunglückten drei Kinder an Bahnanlagen tödlich. Wie vielen Kindern Fotos zum Verhängnis werden, ist unklar. Auch die Anzahl der Gleis-Selfies ohne schlimme Folgen erfasst die Bahn nach eigenen Angaben nicht.

    Zusammenarbeit von Deutscher Bahn und Bundespolizei zur Prävention

    Um Unfälle zu verhindern, arbeiten Bahn und Bundespolizei eng zusammen, unter anderem mit der Kampagne "Sicher drüber" für Bahnübergänge. Den Selfie-Trend hat die Bahn schon 2015 in einem Youtube-Video aufgegriffen. "Auf die Gefahren kann man nicht oft genug aufmerksam machen", sagt ein Pressesprecher der Bundespolizei. Für die Präventionsbeamten stelle die Polizei Medienpakete zusammen, mit denen sie an die Schulen gehen könnten.

    Kein Rückgang der Bahngleis-Selfies trotz Aufklärung über Gefahren

    Manfred Ludwig ist drei bis vier Mal pro Woche an Schulen unterwegs. Dabei betreut der 58-Jährige gerade mal vier Landkreise. Besonders die Aufklärungsarbeit für Selfies scheint wie ein Fass ohne Boden. "Ich erkenne keinen Rückgang", sagt Ludwig. Die Vorfälle blieben auf relativ hohem Niveau. Auch Lehrer berichteten immer wieder davon.

    Ludwig zeigt den Schülern zwei Videos von Überwachungskameras. Auf ihnen ist zu sehen, wie sich Kinder nur in letzter Sekunde vor einem Zug in Sicherheit bringen konnten. "Die Züge sind oft so leise, so dass ihr sie gar nicht hört", erläutert Ludwig. Und auf den glatten Schienen bräuchten die Züge sehr lange zum Bremsen. "Bis sie stehen, fahren die Züge noch eine Strecke so lang wie zehn Fußballfelder."

    Selfies auf Bahngleisen - auch bei Erwachsenen beliebt

    Die Schulung mitsamt den Alptraum-Geschichten könnte auch für Erwachsene ratsam sein. Fotos auf Bahngleisen finden sich im Netz nämlich auch von balancierenden Erwachsenen, von Liebespaaren, von Menschen beim Spaziergang mit ihren Hunden, von professionellen Foto-Shootings. Allein unter dem Hashtag #Gleise zeigt Instagram knapp 40.000 Bilder an. Die wenigsten stammen von Kindern.