Der Regler einer Heizung steht auf aus

Die Bundesnetzagentur hält es für denkbar, nur noch einzelne Räume in einer Wohnung zu heizen.

Bildrechte: picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst
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    Bundesnetzagentur: Bürger müssen "viel mehr" Energie sparen

    Bundesnetzagentur: Bürger müssen "viel mehr" Energie sparen

    Dass im Winter eine Gasknappheit droht, ist kein Geheimnis mehr. Aber was müssen die Verbraucher tun? Die Bundesnetzagentur mahnt jetzt schon, den Gürtel enger zu schnallen. Eine Idee: Nur noch einzelne Räume zuhause sollen beheizt werden dürfen.

    Die Menschen in Deutschland müssen aus Sicht der Bundesnetzagentur weit mehr Energie sparen, um einen Gasmangel im Winter abzuwenden. Behördenchef Klaus Müller sagte, die Reduktion der Gaslieferungen aus Russland auf nur noch 20 Prozent der vereinbarten Menge habe zur Folge, dass sich der Mangel nur noch in zwei Best-Case-Szenarien verhindern lasse.

    Für diese Szenarien müssten die Verbraucher aber mindestens 20 Prozent einsparen - also viel mehr als bislang, sagte er der Zeitung "Welt am Sonntag". In allen anderen Szenarien drohten schon im Dezember eine Gasmangellage oder man weise am Ende der kommenden Heizperiode niedrige Speicherfüllstände auf.

    Auch Privathaushalte sollen sparen

    Müller sagte, um Arbeitsplätze zu sichern, halte er Sparmaßnahmen für private Haushalte für legitim, solange sie nicht den geschützten, lebensnotwendigen Bereich berührten. Dies könne auch vom Gesetzgeber verordnet werden. Denkbar sei auch, nur noch das Beheizen einzelner Räume zu erlauben.

    Zusätzlich zu Einsparungen müssten auch die Durchleitungen von Gas an Nachbarländer um 20 Prozent reduziert werden, außerdem benötige man zehn bis 15 Gigawattstunden Gas aus anderen Ländern.

    Heizlüfter "wahnsinnig teure Idee"

    Auch längere Laufzeiten für Atomkraftwerke schloss Müller nicht aus. Es gebe Herausforderungen, die Kohlekraftwerke mit Kohle zu versorgen und eine besondere Situation in Frankreich, wo man auf deutschen Strom angewiesen sei. Außerdem sehe man mit Sorge, dass viele Menschen sich strombetriebene Heizlüfter kauften. Laut Müller eine "wahnsinnig teure Idee", weil es selbst bei den aktuell astronomisch hohen Gaspreisen noch 50 Prozent teurer sei, mit Strom zu heizen als mit Gas.

    Boom bei Elektro-Heizungen

    In einer Umfrage des Vergleichsportals Verivox gaben zehn Prozent der Befragten an, sich in den vergangenen sechs Monaten eine Elektroheizung gekauft zu haben, also einen Heizlüfter, Heizstrahler oder einen Radiator. Elf Prozent planen, dies zu tun, und 19 Prozent denken darüber nach.

    Die Umfrage fand nicht nur unter Gaskunden statt, sondern sie war repräsentativ für die Bevölkerung im Alter von 18 bis 69 Jahren. Die Zahlen sind hoch, auch weil nur etwa die Hälfte der deutschen Haushalte mit Gas heizt. Ein Viertel tut dies mit Öl und der Rest zum Beispiel mit Fernwärme.

    Der Boom bei den Elektro-Heizungen löst Bedenken aus. Es gibt Sorgen, dass es zu Stromausfällen wegen Überlastungen im Netz kommen kann. Mobile elektrische Direktheizungen lohnten sich für Räume, die nur kurz und sporadisch erwärmt werden sollen, sagte Verivox-Energieexperte Thorsten Storck. Für eine ganze Wohnung sollten sie nicht eingesetzt werden.

    Handwerker-Engpässe gefährlich

    Die Chefin des Verbraucherzentralen-Bundesverbandes (vzbv), Ramona Pop, forderte die Bundesregierung auf, etwas gegen den Handwerkermangel zu tun - damit Menschen mehr Gas einsparen können. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher, die technische Maßnahmen zur Senkung ihres Gasverbrauchs ergreifen wollen, scheiterten an Engpässen.

    So seien derzeit die Wartezeiten für die Umrüstung auf elektrisch betriebene Wärmepumpen oder die Installation von Photovoltaikanlagen auf dem eigenen Dach sehr lang. Die Bundesregierung, so Pop in der Rheinischen Post, sollte Maßnahmen ergreifen, um den Mangel an Handwerkern zu bekämpfen.

    SPD-Fraktion: Energiesparpakt nötig

    Mit Blick auf die nötigen Einsparungen fordern die Energiepolitiker der SPD-Bundestagsfraktion einen Energiegipfel im Kanzleramt und einen Energiesparpakt von Bürgern, Unternehmen und dem Staat. In einem Energiesparpakt gelte es, nun solidarisch so viel wie möglich Energie einzusparen, sagte die energiepolitische Sprecherin der Fraktion, Nina Scheer, dem Blatt. Fraktionsvize Matthias Miersch sagte dem "Tagesspiegel", Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) solle das Thema Energiesparen zur Chefsache machen.

    Der Linken-Bundestagsabgeordnete Gregor Gysi schlug einen Preisdeckel für Strom und Gas vor. Pro Person und Jahr sollten 1.000 Kilowattstunden Strom und 3.000 Kilowattstunden Gas zu einem festen Preis bei zusätzlichen Hilfen für finanziell Benachteiligte garantiert werden, sagte Gysi der "Welt am Sonntag".

    Das könnten zum Beispiel zehn Cent pro Kilowattstunde für Gas und 30 Cent für Strom sein für diese Mengen. Alles, was darüber verbraucht werde, sei teurer. So würden Menschen abgesichert und zugleich zum Energiesparen angeregt, sagte der frühere Chef der Linksfraktion.

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