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Kevin Kühnert mit Rekord-Ergebnis zum Juso-Chef wiedergewählt | BR24

© dpa/pa, Gregor Fischer

Kevin Kühnert (SPD), Bundesvorsitzender der Jusos

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Kevin Kühnert mit Rekord-Ergebnis zum Juso-Chef wiedergewählt

Kevin Kühnert bleibt Vorsitzender der Jungsozialisten in Deutschland. Auf dem Bundeskongress der SPD-Parteijugend in Schwerin wurde der 30-Jährige am Abend mit mehr als 88 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Eine Analyse:

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Keine Frage: Der heimliche oder vielleicht gar nicht mehr so heimliche Chef der SPD heißt Kevin Kühnert. Auch wenn der Juso-Vorsitzende nicht in Regionalkonferenzen auftrat und offiziell ein Liebäugeln mit dem Partei-Vorsitz weit von sich wies: Der Mann, 30 Jahre alt, hat Potential. Und zwar keineswegs nur als Störenfried.

Auf dem Bundeskongress der Jusos hat er wieder gezeigt, dass er seinen Verband im Griff hat, keine leichte Übung: Es handelt sich schließlich um die Jusos, die sehr streitbare und konfrontationslustige Jugendorganisation der SPD. 88,59 Prozent bei der Wahl zum Juso-Vorsitzenden ist das beste Ergebnis seit über 50 Jahren. Ein Pfund.

Kühnert: Stratege und Netzwerker

Kühnert straft auch all diejenigen Lügen, die sagen, die SPD habe kein passables – und junges – Personal. Kühnert ist ein Stratege, ein Netzwerker, und das macht ihn so gefährlich für die alten verkrusteten Strukturen der Partei. Dass er jetzt angekündigt hat, natürlich werde er für den Partei-Vorstand kandidieren, dürfte in der Parteizentrale, im Willy-Brandt-Haus, für Frösteln gesorgt haben. Und Kühnert wird keineswegs zurückziehen: Die Vorbereitung der Kandidatur läuft auf Hochtouren. Und der Mann will mehr: Er will mehr Radikalität und Probleme bei der Wurzel beheben. Mehr Radikalität bedeutet in gewisser Weise auch Rückkehr zu echt sozialdemokratischen Wurzeln – denen vor einer Großen Koalition.

Pakt mit Walter-Borjans und Esken

Kühnert will die SPD rausholen aus dem Maschinenraum und aufs Sonnendeck. Dass er dafür mit einem ehemaligen Finanzminister aus Nordrhein-Westfalen und einer reichlich spröden Digital-Expertin aus Baden-Württemberg paktieren muss, nimmt er in Kauf. Glücklich ist er nicht – aber Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken haben einen entscheidenden Vorteil: Sie sind nicht Olaf Scholz und Klara Geywitz. Sollte die Wahl der Mitglieder auf Scholz und Geywitz fallen - was nicht sicher ist, aber wahrscheinlicher als das andere Duo - dann können sie sich warm anziehen.

Kühnert für weitere zwei Jahre an der Spitze der Jusos

Kühnert hat angekündigt, dass er noch zwei Jahre Juso-Vorsitzender bleiben wird. In diesen zwei Jahren will er vor allem an einem arbeiten: die SPD bereit machen für Rot-Rot-Grün – und zwar nicht nur in den Bundesländern, sondern im Bund. Er will die bleierne Zeit der ewigen Großen Koalition überwinden, so sagt er – und er nutzt sein strategisches Geschick, um bereits jetzt überall Jusos zu installieren. Er will, wenn er dann nach dem Parteivorsitz greifen sollte, eine Machtbasis haben. Das hat er sich vielleicht von den Altvorderen abgeschaut. Aber die haben ja auch nicht immer alles falsch gemacht.

© BR

Juso Bundeskongress in Schwerin