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Bundesjagdgesetz: Streit um Abschussquoten | BR24

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Jäger bei der Jagd.

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    Bundesjagdgesetz: Streit um Abschussquoten

    Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) will das Bundesjagdgesetz erneuern. Vor allem über die höhere Abschussquote von Wild gibt es langwierigen Streit. Gerade erst wurde die abschließende Beratung im Bundestag zum zweiten Mal verschoben.

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    Von
    • Daniel Peter

    Dem Kiefernwald im Jagdrevier von Volker Bauer, Vorsitzender des Bayerischen Jagdverbands in Mittelfranken, geht es schlecht. Trockenheit und Hitze haben den Bäumen zugesetzt. In vielen Baumkronen haben sich schon Misteln angesiedelt. Dies sei ein Zeichen, dass die Bäume geschwächt sind, sagt Volker Bauer. Schon vor Jahren wurden deshalb zum Beispiel Eichen gepflanzt, weil sie robuster sind.

    Warum höhere Abschussquote?

    Viele dieser jungen Bäume sind inzwischen rund einen halben Meter und größer gewachsen. An einigen Trieben ist zu erkennen, dass Rehe daran gefressen haben, trotzdem sind noch einige junge Eichen vorhanden. Für Volker Bauer ist es deshalb unverständlich, warum es eine höhere Abschussquote von Rehen, die die Novellierung des Bundesjagdgesetzes vorsieht, benötigen soll. Derzeit schießt er rund 12 Rehe pro 100 Hektar im Jahr in seinem Jagdrevier. Mehr zu schießen - also bis zu 40 Stück pro 100 Hektar - sei in manchen Reviergebieten gar nicht möglich, weil es einem "Totalabschuss" gleich käme, so Volker Bauer.

    Waldverjüngung nur durch höheren Abschuss möglich

    Einige Kilometer vom Jagdrevier von Volker Bauer entfernt, in der Nähe der Gemeinde Rohr im Landkreis Roth, befindet sich ein Waldumbauprojekt. Vor rund 10 Jahren wurde hier auf einer Fläche von über 60 Hektar ein Mischwald gepflanzt, zum großen Teil aus Buchen, der sich in den bestehenden Fichtenwald integriert hat. Dieser sei den Herausforderungen des Klimawandels besser gewachsen, erzählt Ralf Straußberger, Wald- und Jagdreferent des BUND Naturschutz.

    Monokulturen aus Kiefern- und Fichtenwäldern, wie sie in Bayern weit verbreitet sind, seien höheren Temperaturen und Trockenheit weniger gut gewachsen als ein Mischwald mit zum Beispiel Buchen. Das Besondere an dem Waldumbauprojekt ist, dass hier auch die Jäger mit einbezogen worden sind. Man habe sich auf eine höhere Abschussquote von 20 bis 30 Rehen geeinigt, erzählt Straußberger. Nur so können die Jungbäume aufwachsen, ohne dass diese eingezäunt oder mit Plastikkappen auf den Trieben geschützt werden müssten.

    Rehe trotzdem vorhanden

    Trotz der höheren Abschusszahlen seien hier nach wie vor Rehe im Waldgebiet vorhanden, die auch an den Trieben der jungen Bäumen knabbern, sagt Ralf Straußberger. Die Rehe würden natürlich zum Ökosystem dazugehören, durch den höheren Abschuss habe man aber eine Überpopulation der Rehe abgebaut und nur so könne ein Waldumbau in Zukunft auch gelingen, ist sich Ralf Straußberger sicher.

    Nach Angaben der Bayerischen Forstverwaltung ist in fast der Hälfte der Hegegemeinschaften, also den Einheiten, zu denen die rund 11.000 Jagdreviere in Bayern zusammen gefasst werden, der Verbiss an Jungbäumen durch das Wild zu hoch. Geht es nach der Novelle des Bundesjagdgesetzes, sollen die Abschusspläne der Jäger in Zukunft anhand der sogenannten Verbiss-Gutachten festgelegt werden. Für Richard Mergner, Landesvorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern, ist klar, dass es diese Regelung dringend braucht. Es gebe keinen Kompromiss zwischen einem Zukunftswald und den privaten Jagdinteressen einiger.

    Unruhe in den Wäldern

    Das sieht Volker Bauer vom Bayerischen Jagdverband in Mittelfranken anders. Eine höhere Abschussquote hält er nicht für vertretbar, er und der Bayerische Jagdverband sehen eine Abschussquote von rund 10 Rehen pro 100 Hektar pro Jahr als vernünftig und nachhaltig an. Ein höherer Verbiss in manchen Gebieten in Bayern sei auch durch einen höheren Stress des Wildes verursacht. Niemand könne es den Leuten verübeln, wenn sie in diesen Zeiten vermehrt in die Wälder gingen, doch das würde auch das Wild in Unruhe versetzen.

    Auch so käme ein größerer Verbiss in den Wäldern zustande. Deshalb fordert Volker Bauer, brauche es in manchen Bereichen auch Besucherlenkungen um Ruhezonen für das Wild zu schaffen. In stadtnahen Gebieten sei es schon jetzt schwierig, Abschussquoten zu erfüllen, denn da sei nachts um halb zehn auch noch ein Spaziergänger oder Jogger unterwegs - was natürlich auch OK sei, aber dann sei der Abschuss des Wildes besonders herausfordernd.

    Novellierung des Bundesjagdgesetz vor dem Aus?

    Beim Konflikt um die Novellierung des Bundesjagdgesetzes scheint derzeit keine schnelle Lösung zwischen Jägern, Waldbesitzern und Naturschützern in Sicht. Schafft es der Bundestag nicht nach Ostern abschließend über die Novelle des Gesetzes zu beraten, droht der Reform das Aus. Der Bundesrat kann das Gesetz nämlich sonst nicht mehr fristgerecht in dieser Legislaturperiode verabschieden. Schon in der vergangenen Legislaturperiode war die Novellierung des Bundesjagdgesetzes gescheitert.

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