Corona-Schutzmasken in einem Zentrallager
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Corona-Schutzmasken in einem Zentrallager

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Bund und Länder verbrennen Millionen Corona-Masken

Der Bund will 755 Millionen Corona-Schutzmasken verbrennen, deren Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist - auch die Länder vernichten massenweise Masken. Kritiker sprechen von Überbeschaffung und bemängeln, dass eine bessere Lösung verschlafen worden sei.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

Das Bundesgesundheitsministerium plant die Vernichtung von 660 Millionen zertifizierten OP-Masken und rund 95 Millionen zertifizierte FFP2-Masken, die Anfang 2020 zu Pandemiebeginn beschafft wurden und mittlerweile ihr Haltbarkeitsdatum überschritten haben. Das erklärte das Bundesgesundheitsministerium gegenüber der "Welt". Das Ministerium plane nun eine "zoll- und abfallrechtlich konforme energetische Verwertung", sagte ein Sprecher. Die Masken sollten verbrannt werden.

"Überbeschaffung ist außer Kontrolle geraten"

Aus der Politik kommt scharfe Kritik an dem Vorhaben - sie richtet sich auch gegen den früheren Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), in dessen Amtszeit die Masken gekauft worden waren. "Die teure Überbeschaffung unter dem ehemaligen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist außer Kontrolle geraten", sagte der FDP-Haushaltsexperte Karsten Klein der Zeitung.

Auch sonst seien "Fehler begangen worden, die sich nicht wiederholen dürfen", so Klein. Es sei nichts unternommen worden, um die Masken doch noch sinnvoll verwenden zu können. Klein forderte die Bundesländer deshalb auf, nun ein "rollierendes System" zu etablieren, damit "Masken an medizinische Einrichtungen abgegeben werden, bevor sie ihre Haltbarkeit verlieren".

Linke: "Alternative Lösung" wurde verpasst

Scharfe Kritik äußerte auch die Opposition. "Die massenhafte Verbrennung von Corona-Masken durch das Bundesgesundheitsministerium ist ein Armutszeugnis für die Bundesregierung", kritisierte Kathrin Vogler, gesundheitspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, im Interview mit der "Welt". Es sei absehbar gewesen, dass die Masken nach Ende der Maskenpflicht in vielen Bereichen nicht mehr verwendet werden.

Der aktuelle Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hätte sich "rechtzeitig um eine alternative Lösung kümmern müssen und die Masken etwa in großem Umfang an Arztpraxen, Krankenhäuser oder Behinderteneinrichtungen abgeben können", kritisierte auch Vogler. Die Einrichtungen hätten dann selbst keine eigenen Masken mehr bestellen müssen und hätten Mitarbeiter und Patienten kostenlos schützen können.

Bisher rund zwei Millionen Masken vernichtet

Das Bundesgesundheitsministerium erklärte auf Nachfrage, man habe bereits in kleinerem Umfang Masken vernichten lassen. "In Deutschland wurden bisher rund zwei Millionen OP-Masken sowie rund eine Million PfH energetisch verwertet", sagte ein Sprecher. PfH-Masken sind FPP2- und ähnliche Masken.

Für die aktuelle Vernichtung im großen Stil hat das Haus von Minister Lauterbach Anfang Mai eine Ausschreibung gestartet, auf die sich externe Entsorgungsunternehmen bis Ende Mai bewerben konnten. Dies geht aus Dokumenten hervor, die das Ministerium auf einer Vergabeplattform des Bundes hochgeladen hat.

Auch die Länder beseitigen Millionen von Masken

Hinzu komme, dass auch ein Großteil der Bundesländer eine Verbrennung von Corona-Masken plant oder diese bereits durchgeführt hat. Dies geht aus einer "Welt"-Abfrage bei allen Gesundheitsministerien der Länder hervor. Zehn Länder geben demnach an, insgesamt 57,38 Millionen Masken verbrannt zu haben oder die Verbrennung zeitnah ausführen zu wollen. Bayern gehört aber wohl nicht dazu.

Bayerns Masken-Vorräte noch bis 2025 haltbar

Obwohl auch in Bayern noch Millionen Masken vorrätig sind. Ende Januar waren es noch 68,5 Millionen Stück – "für die Bewältigung künftiger pandemischer Krisensituationen", wie es vom Gesundheitsministerium Anfang des Jahres auf BR24-Anfrage hieß. Der überwiegende Teil der gelagerten Masken werde Mitte 2025 ablaufen, so das Gesundheitsministerium, also in zwei Jahren.

Dabei geht Bayern von einer langen Haltbarkeit aus: Einige Masken hätten eine "Verwendbarkeit von drei bis zu fünf Jahren". Der Maskenverband Deutschland hingegen betonte auf BR24-Anfrage, dass sämtliche Masken aus deutscher Produktion maximal zwei Jahre verwendbar seien. Der Freistaat hat seine Masken also vermutlich im Ausland erworben.

Um zu verhindern, dass Masken vernichtet werden müssen, hat das bayerische Gesundheitsministerium nach eigener Aussage vom Januar ein "rollierendes System" aufgebaut. Dieses soll sicherstellen, dass Masken vor Ablauf ihres Haltbarkeitsdatums an Kliniken, soziale Einrichtungen oder Behörden gehen. Bayern habe beispielsweise bereits Masken an das Universitätsklinikum Augsburg, das Klinikum rechts der Isar oder das Universitätsklinikum Regensburg geliefert. Um wie viele Masken es sich dabei handelt, sagte das Ministerium nicht.

Ohne Aufladung wirken Masken kaum noch

Dass Schutzmasken überhaupt ein Ablaufdatum haben und mit der Zeit einen großen Teil ihrer Wirkung verlieren, liegt daran, dass ihre elektrostatische Aufladung allmählich abnimmt. Diese Aufladung zieht Bakterien und Viren an, wenn sie immer weiter absinkt, ist der Schutz durch die Maske kaum noch gegeben.

Einige Viren und größere Tröpfchen könne eine Maske zwar auch ohne Aufladung noch stoppen, so David Beck von der SWR-Wissenschaftsredaktion gegenüber dem BR, der erhoffte Schutz sei aber nicht mehr vorhanden. Das gelte auch Masken, die noch originalverpackt sind.

Mit Informationen von AFP

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