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Bund hilft Thomas-Cook-Pauschalurlaubern | BR24

© BR/Marcel Eberlein

Bund hilft Thomas-Cook-Pauschalurlaubern

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Bund hilft Thomas-Cook-Pauschalurlaubern

Hoffnung für Pauschalreisende, die bei Thomas Cook gebucht haben: Die Bundesregierung will nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios bei den Entschädigungen einspringen.

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Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios will die Bundesregierung heute im Kabinett beschließen, Pauschalurlaubern des insolventen Reiseunternehmens Thomas Cook finanziell zu helfen.

Dabei geht es Regierungskreisen zufolge um jenen Betrag, für den der zuständige Versicherer, die Zurich Versicherung, aller Voraussicht nach nicht aufkommen wird. Denn die Versicherungssumme, mit der die Kunden abgesichert waren, reiche nach Angaben der Zurich nicht aus. Die Versicherung wird also vermutlich nur einen geringen Anteil der tatsächlichen Schadensumme übernehmen.

Bis zu 500 Millionen Euro Schaden

Damit die Kunden nicht auf den restlichen Kosten sitzen bleiben, will die Bundesregierung einspringen. Demnach ist offenbar vorgesehen, den Betrag zu übernehmen, der deutschen Kunden nicht durch die Versicherung ersetzt wird.

Hintergrund ist, dass Pauschalreisen eigentlich gesetzlich verpflichtend über einen sogenannten Sicherungsschein abgesichert sind, damit Kunden im Fall einer Insolvenz des Reiseveranstalters ihr Geld zurückbekommen. Das geht auf Vorgaben der Europäischen Union zurück. 2015 hatte die EU diese verschärft und eine neue Richtlinie zu Pauschalreisen beschlossen. In Deutschland wurde diese 2018 zwar umgesetzt, allerdings wurde die Haftungsobergrenze hierzulande gesetzlich auf 110 Millionen Euro begrenzt. Dementsprechend hatte Thomas Cook in Deutschland Kundengelder nur bis zu diesem Betrag abgesichert.

Bis Anfang November hatte die Zurich Versicherung bereits einen Schaden von 250 Millionen Euro registriert, allerdings waren da nach Auskunft des Unternehmens noch nicht alle Schadensmeldungen eingegangen. Die Summe dürfte deutlich höher liegen. Experten gehen von 300 bis 500 Millionen Euro aus.

Vorwürfe an die Bundesregierung

Kundenvertreter hatten bereits mit Klagen gegen die Bundesregierung gedroht. Ein im Auftrag der Zurich Versicherung erstelltes Rechtsgutachten kommt zu dem Schluss, dass eine Staatshaftung denkbar sei, weil die Bundesregierung die EU-Richtlinie unzureichend umgesetzt habe.

Sehr wahrscheinlich ist deshalb laut Branchenkennern nun auch, dass das deutsche Gesetz geändert wird und für die Absicherung von Pauschalreisen künftig andere finanzielle Regeln gelten könnten.