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Bürgermeisterwahl in Istanbul: Oppositionskandidat gewinnt | BR24

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Nach der Annullierung der Bürgermeisterwahl in Istanbul wegen angeblicher Regelwidrigkeiten haben die Menschen heute ein zweites Mal abgestimmt. Klar gewonnen hat der Herausforderer Ekrem Imamoglu. Für Erdogan ist dessen Sieg eine Blamage.

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Bürgermeisterwahl in Istanbul: Oppositionskandidat gewinnt

Der Oppositionskandidat Ekrem Imamoglu hat die Bürgermeisterwahl in Istanbul im zweiten Anlauf gewonnen. Binali Yildirim von der AKP gestand seine Niederlage ein.

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Nach Auszählung fast aller Stimmen geht Ekrem Imamoglu von der oppositionellen CHP-Partei aus der Bürgermeisterwahl in Istanbul als Sieger hervor. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu erhielt Imamoglu rund 54 Prozent der Stimmen. Sein Gegner, der ehemalige Ministerpräsident Binali Yildirim von der AKP, kam auf rund 45 Prozent.

Yildirim gestand seine Niederlage ein, gratulierte Imamoglu zu seinem Vorsprung und wünschte ihm viel Glück. Dieser sagte, die Demokratie habe gesiegt.

Präsident Erdogan gratuliert Imamoglu zum Sieg

Auch Präsident Recep Tayyip Erdogan beglückwünschte Oppositionspolitiker Imamoglu zu seinem Sieg: "Der nationale Wille hat sich heute einmal mehr gezeigt. Ich gratuliere Ekrem Imamoglu, der inoffiziellen Ergebnissen zufolge die Wahl gewonnen hat", schrieb Erdogan am Sonntag auf Twitter.

Ergebnis nach erster Bürgermeisterwahl annulliert

Imamoglu hatte die erste Bürgermeisterwahl am 31. März knapp gewonnen. Die Wahlkommission (YSK) annullierte das Ergebnis jedoch Anfang Mai wegen angeblicher Regelwidrigkeiten und gab damit einem Antrag der Regierungspartei AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan statt.

Die Entscheidung begründete die Behörde unter anderem damit, dass in einigen Fällen die Vorsitzende der Wahlräte - anders als gesetzlich vorgesehen - keine Beamten gewesen waren. Die Annullierung wurde international kritisiert.

Neuwahl weitgehend geordnet verlaufen

Die mit Spannung erwartete Neuwahl des Bürgermeisters in Istanbul ist weitgehend geordnet verlaufen. Das bestätigten Beobachter an den Urnen. Vielen galt die Wahl als Test für den Zustand der Demokratie im Land.

Die Wahlbeteiligung lag nach Angaben von Anadolu bei 84,4 Prozent und damit etwa auf dem gleichen Niveau wie bei der ersten Wahl Ende März. Wahlberechtigt waren rund 10,5 Millionen Menschen.

Imamoglus Erfolg für viele ein Zeichen politischen Wandels

In Istanbul leben mit rund 16 Millionen Menschen fast 20 Prozent aller Türken, der Istanbuler Bürgermeisterposten ist der wichtigste im Land. Imamoglu von der oppositionellen CHP war der Erste seit langem, der sich der Regierungspartei AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan entgegengestellt hatte. Damit wurde der bisher unbekannte Lokalpolitiker zum Shootingstar.

Für Erdogan-Verdrossene ist sein Erfolg ein Zeichen dafür, dass politischer Wandel möglich ist. Einige sehen ihn ihm schon den nächsten Präsidenten der Türkei.

"Kein Sieg, sondern Neuanfang": Imamoglu will Erdogan bald treffen

Während Imamoglus Anhänger auf den Straßen Istanbuls feierten, trat der neu gewählte Bürgermeister in der CHP-Zentrale vor die Presse: "Das ist kein Sieg, sondern ein Neuanfang." Er bedankte sich bei allen Unterstützern, forderte sie jedoch dazu auf, die Wahlurnen nicht zu verlassen. Er habe eine "heilige Aufgabe" übernommen und werde sein Amt "mit Leib und Seele" ausführen.

Imamoglu kündigte an, den Präsidenten und Chef der konservativen AKP-Partei, Erdogan, bald zu besuchen. Es sei dringend geboten, dass die Zentralregierung mit den Kommunen zusammenarbeite - "in Harmonie", so Imamoglu.

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Anhänger des Oppositionskandidaten Imamoglu jubeln über dessen Wahlsieg. Auch Präsident Erdogan gratulierte dem neuen Bürgermeister von Istanbul.

Ekrem Imamoglu: Erdogans neuer Herausforderer

Jung, dynamisch – konservativ. So hat sich Ekrem Imamoglu in diesem Wahlkampf präsentiert. Im Fastenmonat Ramadan zelebrierte er fast jeden Abend das Fastenbrechen bei einer anderen Familie, zum Abschluß dann medienwirksam zusammen mit seiner eigenen. Frauen mit kurzen Röcken und großzügigem Dekolletee und Frauen mit Kopftuch: So bunt wie seine Familie ist, ist auch seine Anhängerschaft, vom modernen, säkularen Geschäftsmann bis hin zum konservativen Kurden

In manchem erinnert Imamoglu an den jungen Erdogan. Nicht nur, dass auch dieser seine Karriere als Bürgermeister in Istanbul begann. Beide kommen aus der konservativen Schwarzmeer-Region, Imamoglu wurde in Trabzon geboren. Und auch Imamoglu beherrscht die große, perfekt inszenierte Show auf der Bühne.

In seiner Rede am Wahlabend spricht Imamoglu von einem Neuanfang. Das dürften vor allem die gerne hören, die in ihm nicht nur den neuen Bürgermeister von Istanbul sehen, sondern den Nachfolger von Erdogan als türkischer Präsident.