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Buchmacher sehen Thunberg als Favoritin für Friedensnobelpreis | BR24

© dpa-Bildfunk/Robin Loznak

Greta Thunberg, schwedische Klima-Aktivistin

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    Buchmacher sehen Thunberg als Favoritin für Friedensnobelpreis

    Zum 100. Mal wird am Vormittag der Friedensnobelpreis vergeben. Bei Buchmachern gilt Klima-Aktivistin Greta Thunberg als Favoritin. Vieles spricht für die junge Schwedin als mögliche Preisträgerin - aber auch einiges dagegen.

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    Selten war die Favoritenrolle für den Friedensnobelpreis so klar vergeben. Greta Thunberg - wer sonst? Glaubt man den Buchmachern, steht die schwedische Klima-Aktivistin ganz oben auf der Liste, dann lange niemand, und dann kommen genau 300 andere Kandidaten.

    Sehr viele setzen auf Greta

    Heißt in Zahlen: Ein Euro auf Greta ergibt im Fall ihrer Auszeichnung 1,40 Euro. Oder andersherum: Die Wettbüros rechnen zu rund 70 Prozent mit ihrem Erfolg. Vieles spricht erst einmal für die junge Schwedin. Sie redet auf den größtmöglichen Bühnen den Staatenlenkern ins Gewissen. Dabei hat sie beinahe schon ikonische Zeilen entworfen: "Ich will, dass ihr handelt, als würde euer Haus brennen, denn das tut es." Das sagte sie Anfang des Jahres auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos.

    Die nächsten Worte, die um die Welt gingen, sprach sie kürzlich vor den Vereinten Nationen: "Wie könnt ihr nur", sagte sie zornig und meinte vieles.

    Millionen folgen ihrem Vorbild

    Zuletzt gingen am Tag des globalen Klimastreiks rund vier Millionen Menschen nach ihrem Vorbild auf die Straßen. Die Erderwärmung stoppen, damit adressiert sie eine der wichtigsten Aufgaben unserer Zeit - entschieden, kompromisslos wie niemand zuvor. Und damit auch höchst polarisierend.

    Aber ergibt das in Summe zwangsläufig den Friedensnobel-Preis?

    Henrik Urdall, Direktor des Friedensforschungsinstituts in Oslo, veröffentlicht alljährlich eine eigene Shortlist. Er lag schon goldrichtig, manchmal auch daneben, im vergangenen Jahr war er sehr nah dran. Thunberg als Favoritin zu sehen, sei nahe dran - allerdings im weiteren Sinne: "Ihr Verdienst könnte möglicherweise einfließen in eine umfassende Würdigung des Komitees von jugendlichem Engagement in Sachen Demokratie und Frieden."

    Weitere Kandidaten gelten als Favoriten

    Demnach würde zu der Gruppe von Preisträgern etwa der junge Politiker und Demokratie-Aktivist aus Hongkong Nathan Law gehören sowie die 26-jährige Menschenrechtsaktivistin Hajer Sharief aus Libyen.

    "Den Preis für die Aktivitäten dieser Jugendlichen zu vergeben, würde sehr dem Gefühl in der Gesellschaft entsprechen, dass die Jugend die bestehenden Machtstrukturen in Frage stellt. Es wäre ein sehr starkes und nützliches Signal", so Urdall.

    Aber auch der Friedensforscher hat wie viele andere Nobelpreis-Auguren noch ein paar starke Kandidaten auf dem Zettel: Weit vorne liegt bei ihm der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed, der mit dem verfeindeten Nachbarland Eritrea Frieden schloss. Oder Organisationen wie Reporter ohne Grenzen und das Komitee zum Schutz von Journalisten.

    Alter als Ausschlusskriterium?

    Gegen Thunberg als alleinige Preisträgerin spricht auch Sicht einiger Experten ihr Alter: 16 Jahre. Obwohl das Komitee schon bewiesen hat, dass Jugendlichkeit kein Ausschlusskriterium ist. 2014 ging der Preis auch an die pakistanische Kinderrechtsaktivistin Mala Yousafza mit damals gerade 17 Jahren.

    Dennoch, so erklärt es Komiteemitglied Asle Toje, stellen sich alljährlich einige zentrale Fragen: "Was passiert dann mit dem Preisträger? Wie kann er die Auszeichnung und die Erwartungen, die damit in Verbindung stehen, schultern." Eines müsse laut Toje bedacht werden: "Man ist Friedensnobelpreisträger für ein ganzes Leben. Und, wir fragen uns: Wird der Preis eher zu Einigung oder zu Spaltung führen?"

    Unklar ist, was diese Einschätzung für Thunbergs Chancen bedeutet. Eindeutiger sind da womöglich die Regularien: Danach beziehen sich die Auszeichnungen auf das zurückliegende Jahr. Die aktuellen Vorschläge mussten bis zum 31. Januar 2019 vorliegen. Die Fridays-for-Future-Bewegung war da noch längst nicht auf dem Höhepunkt. Gut möglich also, dass Greta nach der diesjährigen Verleihung wieder als heiße Favoritin gilt - für den Friedensnobelpreis 2020.