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Britische Tories suchen Parteichef: Ring frei für Runde eins | BR24

© dpa-Bildfunk/Matt Dunham

Kehraus in Downing Street Number 10: Wer folgt auf Premierministerin May?

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Britische Tories suchen Parteichef: Ring frei für Runde eins

Heute beginnen die Tories ihre Abstimmungen darüber, wer die Nachfolge der scheidenden britischen Premierministerin May antreten soll. Favorit ist Ex-Außenminister Johnson.

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Boris Johnson geht als klarer Favorit in die erste Abstimmung: Der Londoner Ex-Bürgermeister und Ex-Außenminister hat die meisten Unterstützer in der konservativen Unterhausfraktion. Auch bei den Parteimitgliedern liegt er mit Abstand vorn. Und Umfragen sagen voraus, dass er der einzige Konservative ist, der Labour-Oppositionschef Jeremy Corbyn schlagen kann, wenn es zu einer Neuwahl des Unterhauses kommen sollte.

Es war dieser Rückenwind, mit dem Johnson, oder Boris, wie ihn eigentlich alle nennen, gestern durch die öffentliche Präsentation seiner Kandidatur segelte:

"Wir dürfen Labour nicht einmal in die Nähe der Downing Street lassen. Ich darf Sie daran erinnern, dass ich Bürgermeister in London wurde, obwohl die Konservativen damals 17 Prozent hinter Labour lagen. Wir können und müssen das jetzt noch einmal schaffen. Wir können den Brexit hinkriegen, und wir können gewinnen." Boris Johnson, Tory-Politiker

Johnson will den Brexit auf keinen Fall noch einmal verschieben - spätestens am 31. Oktober soll das Land aus der EU austreten. Das verspricht er den Konservativen. Er wolle ein Abkommen, aber ein anderes, als das, was Theresa May in Brüssel ausgehandelt hat. Mit der Drohung eines Austritts ohne Abkommen Ende Oktober will er die bisher nicht zu Nachverhandlungen bereite EU zu Konzessionen zwingen.

Drogen-Vergangenheit der Kandidaten

In diesem Rennen geht es aber nicht nur um Politik. Der Johnson-Konkurrent Michael Gove geriet ins Straucheln, als er zugeben musste, früher einmal Kokain geschnupft zu haben. Außenminister Jeremy Hunt, der hinter Johnson auf Platz zwei ins Rennen geht, erinnerte sich daran, früher mal ein Haschisch-Getränk zu sich genommen zu haben. Und der Liebling der wenigen konservativen EU-Freunde, Rory Stewart, bekannte, bei einer Hochzeit im Iran Opium geraucht zu haben. Deshalb musste sich Johnson nun der Frage stellen, ob er sein früheres Bekenntnis bedauere, als Student in Oxford Kokain geschnupft zu haben. Johnson wich einer Antwort aus:

"Diese Geschichte von mir im Alter von 19 Jahren ist immer wieder aufgewärmt worden. Aber was die Menschen jetzt wirklich interessiert, ist doch, was wir für sie tun können. Und welche Pläne wir für unser großartiges Land haben." Boris Johnson, Tory-Politiker

Innenminister Sajid Javid scheint dagegen clean geblieben zu sein. Er beteuert, niemals mit Drogen in Kontakt gekommen zu sein. Der Sohn eines aus Pakistan eingewanderten Busfahrers präsentiert sich jetzt als Mann der Zukunft in einem immer diverser werdenden Großbritannien und bezeichnet Johnson als Mann von gestern.

Johnson mit Strategie der Vorsicht

Javid zählt zum erweiterten Favoritenkreis. Seine Hoffnung liegt darin, dass bei den Konservativen eigentlich nie der Kandidat auf der Pole Position auch am Ende vorn liegt. Sowohl Theresa May als auch ihr Vorgänger David Cameron waren als Außenseiter gestartet. Boris Johnson verweigert deshalb Live-Interviews. Auch für die Fernseh-Debatten der Kandidaten hat er bisher nicht zugesagt. Seine Berater wollen ihn so vor Fehlern schützen, die ihm den fast sicher scheinenden Einzug in die Downing Street noch nehmen könnten.

Heute, in dieser ersten Runde in der Fraktion, werden nur diejenigen ausscheiden, die weniger als 17 Stimmen bekommen. Die nächsten Abstimmungen in der Fraktion sind für die kommende Woche angesetzt. Danach werden zwei Kandidaten übrig bleiben, aus denen schließlich die Parteimitglieder den neuen Vorsitzenden der Konservativen und kommenden Premierminister auswählen. Ende Juli wird der May-Nachfolger feststehen.