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Brexit-Bilanz nach einem Monat: Kein Big Bang, aber Probleme | BR24

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Die nordirische Regierungschefin Arlene Foster im Gespräch mit Großbritanniens Premier Boris Johnson

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    Brexit-Bilanz nach einem Monat: Kein Big Bang, aber Probleme

    Noch hat es keinen Big Bang gegeben: Trotzdem gibt es seit einem Monat - seit der Brexit real spürbar wurde - viele Probleme. Nordirland bekommt Handelsprobleme, schottischen Fischern verdirbt er den Fang, die Musikbranche ist am Boden.

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    Von
    • Imke Köhler

    Es hat keinen Big Bang gegeben in den ersten vier Wochen, seitdem der Brexit spürbar ist, aber Probleme gibt es viele, auch und gerade in Nordirland. Für die nordirische Regierungschefin Arlene Foster ist die Sache eindeutig: Das Nordirland-Protokoll sei nicht durchführbar und müsse ersetzt werden, so Foster.

    Das Protokoll sorgt dafür, dass die Grenze auf der irischen Insel zwischen dem EU-Mitglied Irland und dem britischen Nordirland offen bleibt, allerdings gibt es dafür Zollkontrollen zwischen Großbritannien und Nordirland. Seit Jahresbeginn kommt es dadurch zu Verzögerungen und Lieferausfällen.

    Foster: Waren aus Großbritannien bleiben in Nordirland

    "Im Moment werden alle Waren, die nach Nordirland kommen und weiter in den EU-Binnenmarkt transportiert werden könnten, kontrolliert", sagt Nordirlands Regierungschefin Foster. Die meisten Waren aus Großbritannien kämen aber nicht mal in die Nähe der irischen Grenze, sondern blieben in Nordirland, "deshalb sollten diese Kontrollen nicht stattfinden."

    Supermärkte haben im Januar Schwierigkeiten gehabt, alle Produkte zu bekommen, zum Teil blieben Regale leer. Vor allem bei Agrarprodukten macht sich der Brexit bemerkbar, sowohl beim Handel zwischen Großbritannien und Nordirland, als auch zwischen Großbritannien und der EU.

    Brexit macht sich beim Handel von Agrarprodukten bemerkbar

    Nick Allen vom Verband der fleischverarbeitenden Industrie berichtet von Bergen von Dokumenten und aufwändigen Lebensmittelkontrollen: "Ein offizieller Veterinär muss jedes einzelne Produkt im Frachtraum durchgehen, ob das jeweilige Zertifikat vorliegt. Das muss er alles per Hand eintragen." Dann müsse der Veterinär das stempeln, für verschiedene Zertifikate in verschiedenen Farben.

    "Und wenn ich das von England nach Frankreich und nach Deutschland transportiere, muss das in allen drei Sprachen vorliegen und gestempelt werden." Nick Allen erzählt, er habe letztens ein besonders kurioses Beispiel in die Hand bekommen: "Da waren mehr als fünfzig verschiedene Stempel drauf."

    Schottische Fischer leiden unter den neuen Regeln

    Der bürokratische Aufwand kostet Zeit und Geld. Das haben im Januar auch die schottischen Fischer zu spüren bekommen: "Wir verlieren zehntausende Pfund pro Woche", erzählt ein Betroffener. "Wir haben Ware auf den Kontinent transportiert, das hat fünf Tage gedauert. Die kam unbrauchbar und vergammelt an."

    Die britische Regierung hat für den Fischerei-Sektor inzwischen 23 Millionen Pfund für Entschädigungen bereitgestellt, aber man darf gespannt sein, was passiert, wenn das Geld aufgebraucht ist. 10 Downing Street betont immer wieder, dass es sich nur um Anfangsschwierigkeiten handeln würde, aber es ist offenkundig, dass das nur die halbe Wahrheit ist.

    Massiver Protest auch aus der Musikbranche

    Aus einer anderen Branche, der Musikbranche, kam in den letzten Wochen ebenfalls massiver Protest. 100 Größen des Business haben einen offenen Brief geschrieben. Sie beklagen, dass Musiker nun kostspielige Arbeitsvisa brauchen und viel bürokratische Arbeit für ihr Equipment erledigen müssen, wenn sie in der EU auf Tour gehen wollen.

    Bob Geldorf: "Für aufstrebende Musiker ist es vorbei"

    Rockmusiker Bob Geldorf meint dazu: "Das ist okay für Elton John und Queen und für Sting, aber für alle Musiker im Mittelfeld oder aufstrebende Musiker ist es vorbei."

    Trotz all dieser Probleme gibt es auch Briten, die über den Brexit glücklich sind, und die Tatsache, dass die EU große Schwierigkeiten mit ihrem Impfprogramm hat, ist für sie nur eine Bestätigung, dass es Großbritannien alleine besser geht.

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