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Bretagne: Kritik nach illegaler Silvesterparty mit 2.500 Gästen | BR24

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Die Teilnehmer waren zwischen 20 und 30 Jahre alt, einige waren offenbar extra aus dem Ausland angereist. Als die Polizei die Party in einer leerstehenden Lagerhalle auflösen wollte, kam es zu Auseinandersetzungen.

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Bretagne: Kritik nach illegaler Silvesterparty mit 2.500 Gästen

2.500 Menschen feiern eine illegale Technoparty in der Bretagne und die Polizei ist kaum in der Lage, etwas dagegen zu tun. Es hagelt Kritik. Haben die französischen Behörden und das Innenministerium versagt?

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  • tagesschau.de

Nun ist die Technoparty in der Bretagne vorbei. Hunderte Teilnehmer haben das Gelände verlassen. Die Soundanlage wurde abgebaut und per Lkw abtransportiert. Keine Musik mehr. Die Party war ein richtiges Festival mit Catering-Ständen, Heizpilzen und Lasershow. Treffpunkte wurden teils auf Parkplätzen von Supermärkten organisiert, der Veranstaltungsort wurde bis zuletzt geheim gehalten.

Die Zentrumspolitikerin Francoise Gatel, Senatorin des Departements Ille-et-Vilaine, in dem die kleine Gemeinde Lieuron liegt, wunderte sich einfach nur: "Wie kann es sein, dass 2.500 Teilnehmer die Logistik kannten, die Sicherheitskräfte aber nicht in der Lage waren, die Informationen aus den sozialen Netzwerken zu filtern?"

Gilles Pennelle von Marine Le Pens rechtem Bündnis Rassemblement National nutzt die Gelegenheit für eine Generalabrechnung: "Die Lage ist unglaublich! Die Republik kapituliert vor ein paar Hundert Typen. Man muss das Gesetz anwenden." Er denke an diejenigen, die bestraft würden, weil sie die Ausgangssperre um 15 Minuten überschritten hätten oder "an Discothekenbetreiber, die seit Monaten zu haben und sich diese Komödie anschauen müssen".

Innenministerium in Erklärungsnot

Die Sprecherin des Innenministeriums, Camille Chaize, ist in Erklärungsnot. Die 150 Beamten vor Ort würden die Abreisenden mit Strafen belegen und den Veranstaltungsort blockieren, sagte sie dem Nachrichtensender BFM TV. Der Moderator der Sendung reagierte mit Unverständnis: Warum habe es diese Kontrollzone nicht vor dem Konzert gegeben und warum sei nicht früher geräumt worden?

Die Ministeriumssprecherin versuchte das Vorgehen der Polizei zu verteidigen. "Das sind keine Partygänger, das sind Straftäter, weil sie die Regeln missachten. Wichtig ist, das eine Räumung mit genügend Sicherheitskräften durchgeführt werden muss, mit möglichst wenig Verletzten, denn dabei wird Gewalt angewendet, die Evakuierung muss dauerhaft gelingen und all das braucht etwas Zeit!"

Lässt sich die Republik auf der Nase rumtanzen?

Chaize erwähnt aber auch, dass die Franzosen zu Silvester die Ausgangssperre weitgehend respektiert hätten. Die Bilanz landesweit: 45.000 Kontrollen, nur 6.600 verhängte Strafen, 660 Festnahmen, 25 Verletzte. Doch die Bilder abfeiernder junger Leute in den bretonischen Hangars haben nun seit der Silvesternacht bei vielen Franzosen den Eindruck erweckt, die Republik lasse sich auf der Nase herumtanzen. Und das mitten in der Angst, das Coronavirus könnte sich im Januar wieder unkontrolliert ausbreiten.

Der Umgang mit der Rave-Party, die von der Polizei weder verhindert noch schnell unter Kontrolle gebracht werden konnte, wirft Fragen auf. Diese wird sich Innenminister Gérald Darmanin anhören müssen. Eine zusätzliche Belastung für den Minister, denn er steht wegen Videos über Polizeigewalt bereits jetzt unter Druck.

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