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Corona zeigt Bayerns Internet Grenzen auf | BR24

© BR / Katharina Pfadenhauer

Breitbandausbau in Bayern: Corona zeigt Belastungsgrenzen auf

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Corona zeigt Bayerns Internet Grenzen auf

Laut der Bayerischen Staatsregierung haben über 95 Prozent der bayerischen Haushalte Zugang zu schnellem Internet. Doch gerade in Corona-Zeiten, in denen sich vieles digital abspielt, wird schnell klar: Das Internet kommt an seine Belastungsgrenze.

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Bei Familie Rixner in Krailling sind die Kinder wegen schlechter Internetverbindung ins Studentenwohnheim geflüchtet. Wenn in Zeiten von Corona wirklich alle vier arbeiten möchten, erzählt Mutter Tini Rixner, vereinbart die Familie Internetzeiten, damit man sich nicht gegenseitig blockiere. "Mein Mann muss viele Schreiben verfassen und er ruft dann immer durchs Haus, dass jetzt bitte jeder aus dem Internet rausgehen müsse, weil sonst sein Schreiben nicht rausgeht."

Internet wie in den Neunzigern?

Auch Kai Kress braucht dringend schnelleres Internet, am liebsten hätte er Glasfaser. Seine Münchner Firma "2mag" produziert Maschinen für die Forschung - beispielsweise Geräte zum Rühren und Mischen von Flüssigkeiten. Wie die Geräte funktionieren, wollen die Kunden oft vorab wissen.

"Wir müssen dem Kunden zum Beispiel einen Rührversuch in seinem Auftrag durchführen und nehmen dann das auf Video auf und schicken es dem Kunden. Dafür brauchen wir gewisse Bandbreiten, um dieses Video dann auch zu Verfügung stellen zu können."

Breitband wird für Firmen zur Bestandsprobe

"2mag"-Mitarbeiter Sebastian Reisch entwickelt solche Labormaschinen. Auch ihm setzt die langsame Internetverbindung der Firma Grenzen. "Wir müssten zum Teil sehr große Datenmengen übermitteln, was nicht funktioniert. Die Daten gehen nicht schnell genug hier ins Internet."

Während des Corona-Lockdowns ist die Internetverbindung nicht nur für "2mag", sondern auch für andere Betriebe zur Bestandsprobe geworden. Insbesondere in den Regionen gebe es Firmen, bei denen es um die Existenz geht, sagt Manfred Gößl von der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern: "Wenn Homeoffice nicht funktioniert und die Mitarbeiter nicht zur Firma kommen können, dann muss der Betrieb schließen."

Kai Kress hätte seine Mitarbeiter gerne ins Home-Office geschickt. Doch das war nicht möglich. Die Datenrate, um Dateien von der Firma ins Homeoffice zu übertragen, war zu gering. "Es dauert eine Dreiviertelstunde, um eine Zeichnung zu öffnen, und ein Video, das wir von einem Prototyp gedreht haben, dauert im Upload zwei Stunden. Mit der heutigen Technik wäre das in fünf Minuten oben."

Staatsregierung: Fast alle Haushalte haben schnelles Internet

Mit "heutiger Technik" meint Kai Kress Glasfaser. Seit 2013 fördert die Bayerische Staatsregierung den Glasfaserausbau. Laut Finanzministerium haben von 2.056 bayerischen Gemeinden 2.018 schon einen Förderantrag gestellt. 95 Prozent der Bayerischen Haushalte haben laut Staatsregierung schnelles Internet.

Was schnell ist, legt die EU fest. Das ist dann der Fall, wenn eine Verbindung mit mehr als 30 Megabit pro Sekunde beim Verbraucher ankommt. Was die Unternehmen angeht, so habe die Hälfte der Gewerbegebiete in Bayern einen Glasfaseranschluss, sagt der Bayerische Finanzminister Albert Füracker (CSU).

"Natürlich gibt es immer noch viel zu tun, aber es wird alles organisiert, was notwendig ist, damit wir in Bayern Spitze bleiben. Wir haben in den letzten Jahren, insbesondere in den ländlichen Räumen, riesige Fortschritte gemacht, sodass wir mit über 50.000 Kilometern Glasfaserleitungen die größte Ausbaudynamik aller Bundesländer haben." Albert Füracker, CSU, Bayerischer Finanzminister

Im internationalen Vergleich nur mittelgut

Dass Bayern beim Glasfaserausbau im Bundesdurchschnitt gut dasteht, sagt auch die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern. Doch im Vergleich mit anderen Ländern sind Deutschland und Bayern hinsichtlich reibungsloser Telekommunikation im Rückstand. Für Unternehmen werde die Internetanbindung immer mehr zur Frage des Überlebens, hebt Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer Industrie- und Handelskammer, die Bedeutung hervor:

"Sowohl im Upload-Bereich, also, dass sie ihre eigenen Informationen ins Netz stellen, aber natürlich auch im Download-Bereich. Das wird, genauso wie im privaten Bereich, für die Unternehmen immer wichtiger, digital mit an der Spitze zu stehen.“

Tatsächlich belegt Deutschland, was die digitale Wettbewerbsfähigkeit angeht, einen Mittelplatz. Laut dem Internationalen Institut für Managemententwicklung (IMD) liegen die Deutschen im internationalen Vergleich auf Platz 17 – und das als Technologieland.

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