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Brecht-Erbin mit 84 Jahren in Berlin gestorben | BR24

© DPA

Barbara Brecht-Schall

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    Brecht-Erbin mit 84 Jahren in Berlin gestorben

    Sie war eine strenge Bewahrerin des Erbes von Bertolt Brecht: Immer wieder verhinderte Barbara Brecht-Schall Eingriffe von Regisseuren in die Stücke ihres Vaters. Zuletzt kam es in München deshalb zu heftigen Auseinandersetzungen. Von Peter Jungblut

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    Die Kritiker regten sich auf, die Regisseure liefen Sturm, aber die Gerichte blieben unbeeindruckt: Bertolt Brechts "Baal" in der Inszenierung von Frank Castorf durfte am Münchener Residenztheater nicht mehr aufgeführt werden. Verantwortlich war dafür war Barbara Brecht-Schall, die resolute Tochter und Erbin des Dichters. In der deutschen Theaterlandschaft galt Brecht-Schall als sehr selbstbewusste, ja eigensinnige Gesprächs- und Verhandlungspartnerin. 

    Längst hatte sich das "Regietheater" zur Gewohnheit gemacht, Texte beliebig zu kürzen und zu verändern. Mit der Brecht-Erbin waren solche künstlerischen Eingriffe schwer oder gar nicht durchzusetzen. Zuletzt erlaubte sie immerhin Kürzungen, wehrte sich aber dagegen, Texte anderer Autoren mit den Stücken ihres Vaters zu vermischen. Das machte Regisseuren und "Stücke-Zertrümmerern"  wie Frank Castorf das Leben schwer.

    International weiter sehr angesagt

    Gleichwohl war Barbara Brecht-Schall eine kluge, streitbare, aber auch öffentlichkeitsscheue Persönlichkeit. Das Werk ihres Vaters, seine Dramentheorie, seine politische Grundhaltung, all das lag ihr am Herzen, all das wollte sie so authentisch wie möglich bewahren. 

    Mag sein, dass Deutschland damit Probleme hatte, dass Brecht hierzulande auch deshalb seltener auf die Spielpläne kam - international ist Brecht nach wie vor sehr angesagt. Ob in Großbritannien, Frankreich, den USA, Südamerika oder Afrika, überall wird Brecht bis heute verstanden, gilt er keineswegs als "verstaubt" oder "überholt", und das ist auch ein Verdienst von Barbara Brecht-Schall. 

    In Bayern selten zu Gast

    Wie der Suhrkamp-Verlag mitteilte, starb sie am Montag im Alter von 84 Jahren in Berlin. In Bayern war Barbara Brecht-Schall selten zu Gast, ließ sich aber gern beim Brecht-Fest in Augsburg sehen und sprach über ihren Vater und dessen Stücke. Interviews freilich lehnte sie auch dort in der Regel ab. 

    Brecht-Schall war mit dem Schauspieler Ekkehard Schall (1930-2005) verheiratet, der von ihrem Vater 1952 persönlich aus der ostdeutschen Provinz als Darsteller an das Theater am Schiffbauerdamm geholt worden war und über die Jahrzehnte zum Brecht-Schauspieler schlechthin wurde. 

    Schall spielte sich durch das ganze Brecht-Repertoire. Mehr als 60 Rollen verkörperte er an allein am Berliner Ensemble. Privat lebte er mit Brecht-Tochter Barbara unter anderem im brandenburgischen Buckow. Zwei Töchter entstammen der Ehe: Schauspielerin und Regisseurin Johanna Schall und Kostümbildnerin Jenny Schall. 

    "Eine Jeanne d'Arc des Theaters"

    Mit Bestürzung und Trauer reagierte das Berliner Ensemble auf den Tod von Barbara Brecht-Schall. "Als Wahrerin und Hüterin des Erbes ihres Vaters war Barbara Brecht-Schall eine konsequente und mutige, oft schwierige Verhandlungspartnerin", erklärte Claus Peymann, der heute Direktor des Theaters am Schiffbauerdamm und somit des Berliner Ensembles ist.

    "Ihre Härte und Unerbittlichkeit, aber auch ihr Herz waren berühmt-berüchtigt", so Peymann. "Barbara Brecht-Schall schützte und verteidigte – eine wahre 'Jeanne d'Arc des Theaters' – das Werk ihres Vaters, eines der bedeutendsten Dramatiker der Moderne."

    Und Peymann ergänzte: "Auch ihre Backkunst werden wir übrigens vermissen. Die Direktion freute sich Jahr für Jahr auf den selbstgebackenen Weihnachtsstollen von Barbara Brecht-Schall."