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Brauereien müssen wegen Lockdown Bier vernichten | BR24

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Frau schüttet Bier in den Gully

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    Brauereien müssen wegen Lockdown Bier vernichten

    Kneipen sind geschlossen, Fässer werden nicht geleert: In Großbritannien mussten wegen des Corona-Lockdowns gut 50 Millionen Liter Bier vernichtet werden, die nicht mehr haltbar waren. Auch die deutschen Brauereien trifft es hart.

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    Von
    • Fabio Taormina
    • B5 aktuell

    Wer sich in coronafreien Zeiten mit Freunden gesellig in einer Kneipe traf, trank an so einem Abend schon mal ein paar mehr Bier. Im Lockdown, allein zuhause, gönnt man sich dagegen oft nur eines zum Feierabend. Das spüren auch die Brauereien und können längst nicht mehr soviel verkaufen wie gewohnt.

    Laut BBC mussten in Großbritannien wegen der andauernden Schließung der Pubs schon Unmengen von Bier vernichtet werden. Gut 500.000 Badewannen hätte man mit der Menge füllen können, die dort dem Mindesthaltbarkeitsdatum zum Opfer gefallen ist. Auch der niederländische Brauer Heineken leidet deutlich unter dem gesunkenen Bierkonsum und möchte 8.000 Stellen streichen - das entspricht gut neun Prozent aller Mitarbeiter.

    Auch in Deutschland drohen Biervorräte zu verderben

    Nach monatelangen Kneipenschließungen kommt auch hier zulande immer mehr Fassbier an die Grenze des Haltbarkeitsdatums. In den Karnevalhochburgen ist durch den Lockdown sogar das Hauptgeschäft betroffen. Peter König, Chef der Düsseldorfer Hausbrauerei "Füchschen", nennt das Ganze etwa "einen Alptraum". Es tue weh, dass er rund 3.000 Liter Altbier entsorgen müsse, dass im Oktober abgefüllt wurde.

    Laut Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Brauer-Bundes, wird Bier im Wert von mehreren Millionen Euro in den Gully gekippt. Das trifft besonders diejenigen Brauer, die auf Ausschank und Feste ausgerichtet sind. Ohne Großveranstaltungen sind Fassbierabfüllungen schlicht nicht gefragt. Noch dazu bringen die Großhändler das Fassbier oft zum Vernichten in die Brauereien zurück.

    Kein Karneval, weniger Kölsch

    Dem Kölner Brauerei-Verband zufolge hat die Branche aus dem ersten Lockdown gelernt und die Absatzmengen vorsichtiger kalkuliert. Geschäftsführer Christian Kerner sieht das Problem jedoch in der Ungewissheit, wie lange das noch andauere. Ein Fahrplan, eine klare Perspektive wäre für Brauer wie Gastronomen sehr wichtig. Besonders bitter dabei: der Lockdown trifft die für Kölsch umsatzstärksten Monate. Kerner betont: "Der Karneval als Faktor, gerade jetzt im Januar und im Februar, fällt komplett weg. Das ist enorm." Die Krise trifft die Branche in einer ohnehin angespannten Lage. Der Bierkonsum ist seit Jahren in Deutschland rückläufig.

    Der Schaden wächst - trotz Vorsicht in der Branche

    In Deutschland spielen die Haltbarkeit und die Dauer des Lockdowns eine große Rolle. Wie groß jedoch die vernichtete Menge ist, lässt sich nicht genau abschätzen. Holger Eichele vom Brauer-Bund sagt: "Nicht alles Bier, das bisher zurückgeliefert wurde, musste vernichtet werden, und nicht alles Bier, das nicht getrunken wurde, wurde auch gebraut."

    Brauer, Großhändler und Wirte seien vor dem zweiten Lockdown ab November zwar vorsichtig gewesen, erklärt Branchenexperte Niklas Other vom Branchenmagazin "Inside". Nach seiner Einschätzung werden es bis zum erhofften Ende des Lockdowns im Frühling trotzdem einige Hunderttausend Hektoliter sein, die in Deutschland vernichtet werden müssen.

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