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© ARD / Ivo Marusczyk
Bildrechte: Zoltan Balogh/MTI/AP/dpa

Brasilien: Arznei-Behörde sagt "Nein" zu Sputnik V

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Brasilien: Arznei-Behörde sagt "Nein" zu Sputnik V

Brasilien setzt den russischen Sputnik V-Impfstoff vorerst nicht ein. Die für Medikamente zuständige Behörde Anvisa hat die Zulassung verweigert: Gründe sind nicht nur fehlende Daten zur Wirksamkeit - sondern auch Zweifel am Qualitätsmanagement.

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Von
  • Ivo Marusczyk

In Brasilien wird Sputnik V vorerst nicht verwendet. Die für Arzneimittel zuständige Behörde Anvisa sagt überraschend deutlich "Nein" zu dem russischen Impfstoff. Dabei geht es nicht nur, wie in anderen Ländern, um schwer prüfbare Daten zu Wirksamkeit - die brasilianische Behörde meldet Zweifel am Qualitätsmanagement an.

Zu wenige Daten

Es mangele an "konsistenten und zuverlässigen Daten", hieß es in einer Mitteilung. Anvisa-Direktor Alex Machado Campos betonte allerdings, der Beschluss sei nur eine Momentaufnahme.

Kontrollbesuche: vor verschlossenen Türen

Weder Russland, noch die anderen Staaten, wo bereits mit Sputnik V geimpft wird, hätten Berichte zu Qualitätskontrollen vorlegen können. Fachleute der brasilianischen Behörde konnten in Russland außerdem, anders als versprochen, nur einen Teil der Produktionsstätten besichtigen. Und es gebe keinen Nachweis über die Herkunft der Grundstoffe. Man habe also Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit nicht angemessen überprüfen können, erklärt die Anvisa. Die brasilianische Arzneimittel-Behörde genießt in Fachkreisen einen guten Ruf.

Sputnik-V-Vermarkter befürchtet politischen Hintergrund

Der Vermarkter des russischen Impfstoffs wirft den USA vor, sie hätten auf die Entscheidung in Brasilien politischen Einfluss genommen. Mehr als die Hälfte der Bundesstaaten und auch die Zentralregierung Brasiliens hatten Sputnik-Impfstoff bestellt, insgesamt 40 Millionen Impfdosen. Brasilien impft derzeit vor allem mit Coronavac, einem in China entwickelten Vakzin und mit Astrazeneca, es gibt aber große Probleme mit dem Nachschub.

Russland verspricht Aufklärung

Kremlsprecher Dmitri Peskow stellte Brasilien weitere Daten in Aussicht, sollten die bisherigen nicht genügen. "Es sollte hier keine Zweifel geben", sagte Peskow der Agentur Interfax zufolge. Im eigenen Land will Russland beim Immunisieren der Bevölkerung aufs Tempo drücken und bis Ende Mai 57 Millionen Dosen Impfstoff in Umlauf bringen. Im flächenmäßig größten Land der Welt sind bislang erst rund fünf Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Viele Russen zweifeln etwa an der Sicherheit von Sputnik V. Russlands Vize-Regierungschefin Tatjana Golikowa stellte am Dienstag eine Herdenimmunität bis September in Aussicht - zuvor war noch von Ende Juli die Rede gewesen.

EMA prüft Sputnik V ebenfalls

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte Anfang März ein Prüfverfahren für Sputnik V im Zuge einer sogenannten "Rolling Review" begonnen. Dabei werden Testergebnisse bereits geprüft, auch wenn noch nicht alle Daten vorliegen und noch kein Zulassungsantrag gestellt wurde. Sputnik V ist nach Angaben aus Moskau bereits in 60 Ländern registriert. Auch Deutschland führt Gespräche über mögliche Lieferungen des Impfstoffs.

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