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Brände am Amazonas: Millionenhilfe gegen das Inferno | BR24

© ARD/Anne Herrberg

Nach der Zusage über die Millionenhilfe der G7-Staaten für das von Waldbränden betroffene Amazonasgebiet verbot sich der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten seines Landes.

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Brände am Amazonas: Millionenhilfe gegen das Inferno

Im Amazonasgebiet lodern Tausende Waldbrände. Nun haben die G7-Staaten 20 Millionen Euro Soforthilfe zugesagt. Für den brasilianischen Präsidenten ist das ein Affront. Er fühlt sich übergangen.

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Im Kampf gegen die verheerenden Waldbrände in der Amazonas-Region erhält Brasilien weitere internationale Hilfe. Während in dem südamerikanischen Land das Militär zusammen mit Polizei und Feuerwehr gegen die Flammen vorgeht, sprach Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bei einer Pressekonferenz von einer Summe von mindestens 20 Millionen Euro. Damit sollen vor allem Löschflugzeuge bezahlt werden, sagte der Präsident.

Mehr als die Hälfte der Mittel kommt von Großbritannien. Das Land hatte zuvor eine Finanzspritze von umgerechnet elf Millionen Euro angekündigt. Macron sagte bei dem gemeinsamen Auftritt mit dem chilenischen Präsidenten Sebastián Piñera, über die Wiederaufforstung des Regenwaldes solle bei der UN-Vollversammlung Ende September weiter beraten werden. Dafür sei aber die Zustimmung aus Rio nötig.

Bolsonaro empört über Hilfangebot

Brasiliens Umweltminister Ricardo Salles zeigte sich offen für finanzielle Unterstützung der G7-Staaten. Solche Hilfen seien willkommen, sagte Salles.

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro verbot sich allerdings eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten seines Landes. "Wir können nicht hinnehmen, dass Präsident Macron unangebrachte Angriffe auf das Amazonasgebiet fährt und seine Absichten hinter einer 'Allianz' der G7-Staaten zur 'Rettung' des Amazonasgebiets versteckt, als ob wir eine Kolonie oder Niemandsland wären", schrieb Bolsonaro auf Twitter.

Streit über sexistischen Facebook-Beitrag

Frankreichs Staatschef hatte die Brände am Amazonas kurzfristig auf die Tagesordnung des G7-Gipfels gesetzt. Zudem drohte er mit einer Blockade des Handelsabkommens mit dem südamerikanischen Wirtschaftsblock Mercosur und der EU. Bolsonaro hatte sich am Sonntag daraufhin einen Facebook-Beitrag zu eigen gemacht, in dem ein Nutzer über das Äußere von Frankreichs "Première dame" herzog und die Differenzen zwischen Macron und Bolsonaro mit dem "Neid" des französischen Präsidenten auf die junge Frau Bolsonaros erklärte.

Macron beschwerte sich deshalb auf dem Gipfeltreffen über seinen Amtskollegen aus Brasilien. "Das ist traurig, (...) aber es ist traurig vor allem für ihn und für die Brasilianer", sagte Macron. Die Brasilianer seien ein "großartiges Volk", das sich wahrscheinlich seines Präsidenten schäme. Er hoffe, dass das Land "sehr schnell" einen Präsidenten bekomme, dessen Verhalten den Anforderungen entspreche.

Außer Bolsonaro gingen auch andere brasilianische Regierungsmitglieder zu persönlichen Angriffen auf Macron über. Bildungsminister Abraham Weintraub schrieb auf Twitter, Macron sei bei den Waldbränden nicht "auf der Höhe". "Er ist nur ein opportunistischer Dummkopf, der die Unterstützung der französischen Agrarlobby sucht."

Bolsonaro hat einer Umfrage zufolge in seiner Heimat zuletzt an Zustimmung verloren: Seine Regierung sehen laut dem Meinungsforschungsinstitut CNT/MDA nur noch 29,4 Prozent der Befragten positiv. Im Februar waren es 39 Prozent. Unzufrieden mit Bolsonaro selbst zeigten sich demnach 53,7 Prozent nach zuvor 28,2 Prozent.

Schwerste Brände seit 20 Jahren

In Brasilien wüten die schwersten Waldbrände seit Jahren. Seit Januar nahm die Zahl der Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach Angaben der brasilianischen Weltraumagentur INPE vom Sonntag um 82 Prozent zu. Insgesamt wurden mehr als 79.000 Brände registriert. Betroffen waren meist Flächen in Privatbesitz, aber auch in Naturschutzgebieten und Ländereien der indigenen Bevölkerung brechen immer wieder Feuer aus.

Aktuelle Satellitenbilder der INPE zeigen eine Vielzahl von neu ausgebrochenen Feuern im Amazonas-Becken, wie das Nachrichtenportal "O Globo" berichtete. Es seien die schwersten Waldbrände seit mehr als 20 Jahren. Die Feuer haben sich inzwischen auch auf die Regenwälder von Bolivien und Peru ausgebreitet. In Bolivien ist schon fast eine Million Hektar Regenwald zerstört.

© BR

Die Feuer im Amazonas-Gebiet haben sich inzwischen von Brasilien aus auch auf die Regenwälder von Bolivien und Peru ausgebreitet. Demonstranten forderten den brasilianischen Staatschef Bolsonaro zum sofortigen Handeln auf.