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BR24Live: Bundesumweltministerin Schulze zu 10 Jahre Fukushima

Vor zehn Jahren ereignete sich die Katastrophe von Fukushima. Nur kurze Zeit später reagierte die Bundesregierung und beschloss den Ausstieg aus der Atomenergie. Die Pressekonferenz von Bundesumweltministerin Svenja Schulze ab 9 Uhr im BR24Live.

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Von
  • Sophie von der Tann

Es war eine bemerkenswerte Kehrtwende: Innerhalb von wenigen Tagen nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima 2011 beschloss die Bundesregierung den Ausstieg aus der Atomkraft. Doch das Zeitalter der Atomenergie ist damit noch nicht beendet.

Der Streit um die Atomkraft in Deutschland hatte sich über Jahrzehnte gezogen. 2000 brachte die rot-grüne Bundesregierung den "ersten Atomausstieg" auf den Weg, zehn Jahre später machte die schwarz-gelbe Regierung das wieder rückgängig. Gerade hatte man beschlossen, die Laufzeit der deutschen Atomkraftwerke zu verlängern. Dann kamen am 11. März 2011 die Nachrichten aus Japan: Ein schweres Erdbeben hatte eine gewaltige Flutwelle ausgelöst. Dieser Tsunami verursachte Kernschmelzen und Explosionen im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi. Es dauerte nur wenige Tage, bis es zur historischen Kehrtwende kam und die schwarz-gelbe Bundesregierung den endgültigen Ausstieg aus der Atomkraft beschloss

Betreiber werden entschädigt

2022 sollen die letzten Atomkraftwerke in Deutschland vom Netz gehen, darunter auch das bayerische Kraftwerk Isar 2. Für die Kosten, die damit verbunden sind, werden die Betreiber der Kraftwerke entschädigt. Insgesamt will der Bund mehr als 2,4 Milliarden Euro an RWE, Vattenfall, Eon/PreussenElektra und EnBW zahlen – für Gewinne, die ihnen entgangen sind und Investitionen, die sie umsonst getätigt haben. Darauf haben sich die Regierung und die Konzerne nach einem jahrelangen Rechtsstreit vergangene Woche geeinigt.

Rückbau dauert Jahrzehnte

Doch auch wenn die letzten deutschen Atomkraftwerke 2022 abgeschaltet werden, dauert es noch Jahrzehnte, bis die Anlagen vollkommen stillgelegt und rückgebaut sind. Etwa fünf Jahre braucht es, bis die Brennelemente in Abklingbecken so weit runtergekühlt sind, dass sie in Castorbehälter verpackt und in Zwischenlager gebracht werden können.

Hunderte Spezialisten zerlegen dann die einzelnen Gebäudeteile der Meiler. Anlagen, die durch die Strahlung kontaminiert sind, müssen intensiv gereinigt werden und zwischengelagert werden. Ein Endlager für hoch radioaktiven Abfälle gibt es auf der ganzen Welt noch nicht. Bis 2031 soll die Entscheidung über einen Ort für ein deutsches Endlager gefallen sein.

Viele EU-Länder setzen weiterhin auf Atomkraft

Während Deutschland die Atomkraftwerke vom Netz nimmt, halten zahlreiche andere europäische Länder aber an Kernenergie fest. So entschied etwa die Atomaufsicht in Frankreich erst vor wenigen Wochen, die Laufzeit der ältesten 32 Kernkraftwerke zu verlängern. Einige von ihnen sind bereits seit Anfang der 1980er-Jahre am Netz.

Bundesumweltministerin Schulze kritisierte die Entscheidung. Die Grünen-Politiker Sylvia Kotting-Uhl, Vorsitzende des Umweltausschusses, sprach von einem "gravierenden Sicherheitsrisiko" für Europa. Der Einfluss Deutschlands ist allerdings begrenzt, denn EU-Staaten sind in Sachen Energieerzeugung souverän. Auch wenn Deutschland seine Meiler abschaltet, das Zeitalter der Atomenergie ist noch lange nicht beendet.

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